"Die Märkte wachen gerade aus dem 'Draghi-Traum' auf"

"Die Märkte wachen gerade aus dem 'Draghi-Traum' auf"

Die Märkte wachen zurzeit aus einem Traum auf, in den sie verfallen waren, nachdem EZB-Chef Mario Draghi versprochen hatte, den Euro zu retten.

Die sich verschlimmernde wirtschaftliche und politische Lage in Spanien “kann nicht länger ignoriert werden”, erklärte Stephen Lewis, Chef-Volkswirt von Monument Securities. Im Detail nannte er die Ausschreitungen in Madrid und die wachsende Unterstützung für Abspaltungs-Bestrebungen in einigen Provinzen.

Die politischen und wirtschaftlichen Sorgen, die vor dem Versprechen Draghis bestanden haben, bleiben Lewis zufolge weiter bestehen. Nach wie vor werde versucht, auseinander treibende Volkswirtschaften zusammenzubinden. Durch die Sparmaßnahmen werde die politische Kluft jedoch nur weiter ausgeweitet.

Die Sparmaßnahmen von Spanien werden nicht dazu führen, dass das Land seine aktuelle Krise hinter sich lassen kann. Das erklärte Trevor Greetham, der Director für Portfolio-Strukturierung bei Fidelity Investments in London.

Die Struktur des Euro bewirkt, dass Sparmaßahmen “besonders schlecht geeignet” für Staaten der so genannten Peripherie sind, erklärte Greetham in einer Notiz an Kunden.

Die Bemühungen, aus Spanien ein wettbewerbsfähiges Land zu machen, dürften ihm zufolge viele Jahre mit Gehaltskürzungen und sinkenden Immobilienpreisen nach sich ziehen - was wiederum zur Folge hätte, dass dem Land immer größere Mittel zur Verfügung gestellt werden müssten.

Die Zukunft Spaniens in der Eurozone hängt nach Ansicht von Greetham wahrscheinlich davon ab, ob die Partner in der Region dazu bereit sind, Haushaltsdefizite zu finanzieren, die noch über Jahre zugelassen werden sollten.

Ansteckung Italiens praktisch fix

Die EZB hat “keine Chance”, eine Ansteckung Italiens zu verhindern, sollten sich die Märkte nach Spanien auf das Land stürzen. Das erklärte Russell Silberston, der weltweite Chef für Zinsen bei Investec Asset Management (IAM), im Interview mit Bloomberg News.

“Für uns war Italien immer der Elefant im Eurozonen-Porzellanladen”, sagt Silberston, dessen Firma 95 Mrd. Dollar verwaltet. Ob sich die Märkte tatsächlich auf Italien stürzen, hinge “eher von der Politik” als von einer potenziellen Hilfsanfrage Spaniens ab.

Besonders nervös könnten die Märkte Silberston zufolge werden, wenn der frühere Ministerpräsident Silvio Berlusconi oder die Partei “MoVimento 5 Stelle” des Komikers Beppe Grillo im Vorfeld der Wahlen im nächsten Jahr an Popularität gewinnen. Weitere Gefahren seien anhaltend schlechte Wirtschaftsdaten und Proteste gegen den Reformprozess.

Die EZB könnte die Krise nur in den Griff bekommen, wenn sie “den Markt überfluten und unbegrenzt Bonds kaufen” wird. Aufgrund der Struktur und des Mandats der Notenbank ist dies jedoch unwahrscheinlich.

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