"Die meisten Leute hassen ihre Bank"

Dazu gehören Williams & Glyn's sowie die Trustee Savings Bank (TSB) - zwei Markennamen, die zuletzt in den 1980er Jahren über Bankfilialen prangten. Denn Lloyds und die Royal Bank of Scotland (RBS) haben bislang keine Käufer für zusammen fast 1000 Filialen gefunden, die sie auf Geheiß der EU-Kommission verkaufen müssen, nachdem sie in der Finanzkrise Staatshilfe bekommen hatten.

"Die meisten Leute hassen ihre Bank"

Daher bleibt ihnen wohl nur der Gang an die Börse - für Anleger angesichts stolzer Renditen im britischen Privatkundengeschäft ein womöglich attraktives Ziel.

Auch von anderer Seite könnte es Bewegung geben: Die spanische Großbank Santander und der Milliardär Richard Branson mit seiner Finanzholding Virgin Money könnten ebenfalls in den nächsten Jahren mit britischen Filialen an die Börse drängen. Und auch für die National Australia Bank (NAB) vom fünften Kontinent könnte ein Börsengang in London ein Ausweg sein, nachdem sie seit Jahren versucht hat, Clydesdale-Filialen in Großbritannien an den Mann zu bringen.

Laut Investmentbankern könnte es in den nächsten zwölf bis 36 Monaten soweit sein. Die Zahl der börsennotierten Banken könnte sich dann schnell verdoppeln. Der letzte größere Börsengang einer Bank von der Insel datiert aus dem Jahr 2000: Bradford & Bingley. Seitdem hat die Finanzkrise aber vier Institute vom Kurszettel gefegt: neben Bradford & Bingley auch Northern Rock, Alliance & Leicester und HBOS.

Keine lästige Konkurrenz

Die Argumente der Banker für die Neuzugänge sind schon jetzt klar: Alle fünf können sich als reine Filialbanken präsentieren, ohne Altlasten und faule Immobilienkredite, ohne riskantes Investmentbanking. "Das sind sehr attraktive Investments, wenn man sie in Reinform bekommt", sagt Fondsmanager Richard Black von Legal & General. "Eine Eigenkapital-Rendite von 15 Prozent ist möglich für eine fokussierte, gut gemanagte kleinere Bank", ergänzt ein Investmentbanker.

So hat die RBS im heimischen Filialgeschäft im vergangenen Jahr 24 Prozent Rendite erwirtschaftet, Barclays 16 Prozent - mehr als im restlichen Kerngeschäft. Für deutsche Banken bleiben solche Werte angesichts der scharfen Konkurrenz von Sparkassen und Volksbanken ein Traum. In Großbritannien verteilt sich das Filialgeschäft dagegen auf wenige Anbieter - was der EU ein Dorn im Auge war.

Daher werden 630 Lloyds-Filialen im Sommer in "TSB" umbenannt. 200 Millionen Pfund hat Lloyds nach Schätzungen der Deutschen Bank im vergangenen Jahr damit verdient, offizielle Zahlen gibt es nicht. Den Slogan, mit dem TSB in den 1980er Jahren warb, kennen die Briten immer noch: "Die Bank, die gerne Ja sagt." 1986 ging das seit 1970 aus einer Reihe von Sparkassen entstandene Institut an die Börse, neun Jahr später wurde es von Lloyds geschluckt. Wenn sich bis September wie erwartet kein Käufer findet, könnte TSB im zweiten Halbjahr 2014 nach fast 20 Jahren in den FTSE-100-Börsen-Index der 100 größten britischen Unternehmen zurückkehren. Williams & Glyn's ging in den 1980er Jahren in der RBS auf, nun kehrt der Name als Marke für die 312 abgespaltenen Filialen wieder. 305 Millionen Pfund Gewinn haben sie RBS 2012 eingebracht.

Weit verbreiteter Banken-Hass

Das Comeback der Traditionsmarken kommt nicht von ungefähr. "Wir leben in einem Umfeld, in dem die meisten Leute ihre Bank hassen", erklärt Portfolio-Manager Ralph Brook-Fox von Ignis Asset Management. "Wenn man also eine Marke wieder beleben kann, die noch für Vertrauen steht, könnte das sehr attraktiv sein." In Deutschland hat die Commerzbank kürzlich ihrem mehr als ein Vierteljahrhundert alten Slogan "Die Bank an ihrer Seite" neues Leben eingehaucht, um Vertrauen bei den Kunden wiederzugewinnen.

Doch bis zu einem Börsengang von TSB und Williams & Glyn's kann noch viel passieren. Die Herauslösung der IT-Systeme und der operativen Plattformen aus den Mutter-Instituten Lloyds und RBS dürfte kompliziert und teuer werden. Zudem sorgen Vorstöße der britischen Banken-Regulierer, die einen eigenen Kapitalstock für das Privatkundengeschäft der Großbanken fordern, für Unsicherheit. Und dann muss die britische Konjunktur anziehen, ehe man einen Börsengang wagen kann. Schließlich will auch der Staat irgendwann bei den teilverstaatlichten RBS und Lloyds aussteigen - dadurch könnten die Börsen mit Bank-Aktien geflutet werden und den Appetit der Investoren auf neue Institute zügeln.