Die Krise nagt am Umsatz von Vodafone

Die Krise nagt am Umsatz von Vodafone

Vodafone verbuchte im vierten Geschäftsquartal den größten Umsatzrückgang der Unternehmensgeschichte. Der Umsatz im Gesamtjahr zum 31. März ging um 4,2 Prozent auf 44,4 Milliarden Pfund (rund 53 Milliarden Euro) zurück, wie der Konzern am Dienstag mitteilte.

Milliardenabschreibungen in den krisengeplagten Staaten Südeuropas haben Vodafone die Jahresbilanz verhagelt. Schlimmeres verhinderte das US-Geschäft - die Beteiligung an Verizon Wireless ist Goldesel der Briten. Angesichts der sprudelnden US-Einnahmen dürfte es Vodafone sehr schwer fallen, sich von dem amerikanischen Mobilfunk-Branchenprimus zu verabschieden - der amerikanische Mehrheitspartner macht aber bereits Druck.

Der Konzernüberschuss brach im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 auf 673 Millionen Pfund ein, wie der nach China Mobile weltweit zweitgrößte Mobilfunkanbieter am Dienstag mitteilte. Das ist weniger als ein Zehntel des Vorjahresgewinns. Verantwortlich dafür sind vor allem die Krisenstaaten Italien und Spanien, in denen die Erlöse zweistellig absackten. Aufgrund der anhaltenden Talfahrt schrieb Vodafone auf seine Töchter in den beiden Ländern insgesamt 7,7 Milliarden Pfund ab. "Wir haben heftigen Gegenwind von einer Kombination aus harten wirtschaftlichen Bedingungen besonders in Südeuropa und einem negativen europäischen Regulierungsumfeld", sagte Vodafone-Chef Vittorio Colao.

Der Gesamtumsatz sank in den zwölf Monaten bis Ende März um 4,2 Prozent auf 44,4 Milliarden Pfund - das war das erste Minus seit 2005. Für das laufenden Jahr rechnet der Vodafone-Vorstand mit zwölf bis 12,8 Milliarden Pfund Betriebsgewinn (bereinigtes Ebitda) - im vorigen Jahr lag die Kenzahl bei 11,96 Milliarden Pfund.

Nichts Neues zum US-Ausstieg

Angesichts der maladen Lage in Südeuropa wächst die Bedeutung des US-Ablegers Verizon. Und der machte den Briten im abgelaufenen Jahr viel Freude: Sein Betriebsgewinn legte um 15 Prozent zu. Gleichzeitig lockte die Firma sechs Millionen neue Handykunden - insgesamt telefonieren nun 99 Millionen US-Bürger mit dem Marktführer. Seine Gewinne aus dem Geschäft behält Vodafone zum größten Teil ein, um das Geld wieder in die Firma zu investieren.

Der Erfolg löst allerdings auch Begehrlichkeiten aus: Vodafones US-Partner Verizon Communications plant nach Aussagen von Insidern zufolge eine 100 Milliarden Dollar schwere Offerte, um Vodafone aus dem Gemeinschaftsunternehmen herauszukaufen. Das sagten mit der Sache vertraute Personen im April zu Reuters. Den Planungen zufolge könnte die Hälfte der Summe in Aktien gezahlt werden. Den Rest wolle Verizon am Kapitalmarkt aufnehmen. Vodafone hält 45 Prozent Paket an Verizon Wireless, der Rest liegt schon bei den Amerikanern. Vodafone-Chef Colao hüllte sich dazu in Schweigen: "Falls es etwas zu sagen gibt, werden wir es sagen."

Experten zufolge könnte ein Deal an vielen Punkten scheitern - insbesondere die hohe Steuerlast, die Vodafone bei einem Verkauf in seiner Heimat Großbritannien zahlen müsste, beschäftigt derzeit Heerscharen von Experten. Sollte der Verizon-Plan aufgehen, wäre es eine der größten Übernahmen seit vielen Jahren. Auch am größten Deal aller Zeiten war Vodafone beteiligt: Auf dem Höhepunkt des New-Economy-Booms im Jahr 2000 legten die Briten 200 Milliarden Dollar für den deutschen Mobilfunker Mannesmann auf den Tisch.

Investitionen in Deutschland

Trotz sprudelnder Einnahmen aus Handy-Datendiensten hat Vodafone in Deutschland den Gewinnschwund nicht gestoppt. Im vergangenen Geschäftsjahr ging der operative Gewinn um 2,6 Prozent auf 3,36 Milliarden Euro zurück, wie Vodafone mitteilte. Im Jahr zuvor war er Gewinn bereits um ein Prozent gesunken. Vodafone zufolge schlug eine von der Bundesnetzagentur verordnete Gebührensenkung sowie Kosten für den Umbau der Festnetzsparte - der einstigen Arcor - negativ zu Buche. Zusätzlich belasteten höhere Investitionen die Bilanz: Die Firma steckte im Jahr 2012/13 rund 1,2 Milliarden Euro in den Netzausbau - das sind 200 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Mit Geld möbelt Vodafone seine Mobilfunkstationen für den neuen Datenturbo-Standard LTE auf.

Gleichzeitig bessern die Düsseldorfer auch ihr bestehendes Netz aus - hier war das Unternehmen in großen Netztests 2012 wegen schlechter Sprachqualität und Gesprächsabbrüchen zurückgefallen. Diese Faktoren konnte das Unternehmen mit den sprudelnden Einnahmen aus mobilen Datendiensten nur teilweise kompensieren. Der Umsatz mit Datenverträgen für Handys und Tablets zog in den zwölf Monaten bis Ende März um 14 Prozent auf zwei Milliarden Euro an. Der Konzernumsatz stagniert stieg um ein Prozent auf 9,6 Milliarden Euro. Um sich besser zu positionieren, hatte Vodafone zuletzt sogar eine Allianz mit der Konkurrentin Deutsche Telekom geschmiedet: Die Briten wollen künftig in Deutschland das Turbo-Internet der Telekom nutzen.

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