"Die Gläubiger vorrangiger Bankanleihen jetzt zu beteiligen, wäre Selbstmord"

"Die Gläubiger vorrangiger Bankanleihen jetzt zu beteiligen, wäre Selbstmord"

Wie Anfang der Woche aus Kreisen der Euro-Zone verlautete, hält die Notenbank nicht mehr ihre schützende Hand über die Inhaber vorrangiger Bankbonds. Solche Meldungen sind Gift für ohnehin nervöse Anleger. Gleich mehrere Anleihe-Auktionen von Banken seien kurz danach abgeblasen worden, sagt ein Investmentbanker, der viele Institute in Europa berät.

"Das hat die Unsicherheit an den Finanzmärkten unheimlich erhöht." Noch gibt es zwar Widerstand einiger Euro-Länder, aber Experten halten einen solchen Schritt angesichts der leeren Staatskassen in Europa letztlich für unvermeidbar. Für die Banken dürfte die Refinanzierung damit noch schwerer und teurer werden.

"Die Gläubiger vorrangiger Bankanleihen jetzt zu beteiligen, wäre Selbstmord", sagt Eric Stein, Fondsmanager des US-Vermögensverwalters Eaton Vance Investment Managers. "Doch wie lang wird man warten? Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie auch herangezogen werden." Dass bestimmte Gläubiger lange als heilige Kühe behandelt worden seien, sei eins der Probleme in Europa. Nach Schätzungen von Investmentbankern rechnen Bond-Anleger mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 bis 50 Prozent damit, dass künftig alle Gläubigergruppen bluten, sprich zur Rettung einer Bank auf Forderungen verzichten müssen. "Das spiegeln auch die Kurse wider", sagt der Bond-Experte. Vorrangige Bankanleihen werden im Pleitefall vor anderen Papieren bedient, sie gelten daher eigentlich als besonders sicher.

Konkret geht es derzeit um die Bankenkrise in Spanien. Das hochverschuldete Land bekommt zur Sanierung seines Finanzsystems 100 Milliarden Euro von der Europäischen Union. Verbunden ist dies mit der Auflage, die Aktionäre und die Halter nachrangiger Finanzinstrumente an der Rettung der Banken zu beteiligen. Die EU-Kommission ist bislang dagegen, auch vorrangige Bankanleihen einzubeziehen. Finnland und andere Staaten drängen aber darauf, um die Lasten für die Steuerzahler zu minimieren. "Das Ergebnis ist noch offen", sagt ein mit der Angelegenheit vertrauter EU-Vertreter zum Stand der Diskussionen.

Volumen von 1,8 Billionen

Die teils stark kriselnden Banken in der Euro-Zone haben nach Daten von Thomson Reuters 1,8 Billionen Dollar an vorrangigen Bankanleihen begeben und nur knapp 200 Milliarden Dollar an nachrangigen Instrumenten. An der Relation wird klar, dass nur die Beteiligung der vorrangigen Papiere für einen echten Befreiungsschlag sorgen würde. Bluten können aber wohl nur die Halter unbesicherter Anleihen - das sind 850 Milliarden Dollar. Denn die anderen Gläubiger haben einen rechtlichen Anspruch auf die Sicherheiten, sollte es zu Wertverlusten ihrer Papiere kommen.

Sollte der Schutzwall für die Halter von Bankanleihen brechen, sehen die Banken neues Ungemach auf sich zukommen. "Die Finanzkrise würde eher verschärft", warnt ein Investmentbanker. "Bereits heute können sich schwächere Banken in Europa kaum mehr am Markt selbst refinanzieren." Auch einige Finanzminister fürchten, dass sich die Turbulenzen an den Märkten dadurch verschlimmern könnten.

Warnungen kommen auch von den bislang vergleichsweise gut durch die Krise gekommenen Genossenschaftsbanken. Es sei fraglich, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für einen solchen Schritt sei, erklärt der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). "Denn die Refinanzierung der Banken am Kapitalmarkt wird sich dadurch weiter verteuern." Das gelte besonders für die Institute, die in Verdacht geraten, Hilfen zu brauchen. "Für diese könnte sich dadurch der Weg unter den Rettungsschirm beschleunigen, was wiederum nicht im Interesse der Politik liegen dürfte."

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