Die Deutsche Bank – Schrecklich unterkapitalisiert

Die Deutsche Bank – Schrecklich unterkapitalisiert

Einem Bericht der "Financial Times" zufolge soll die Bilanzsumme nach US-Rechnungslegung (US-GAAP) um bis zu 20 Prozent auf eine Billion Euro schrumpfen, um die Verschuldungsquote zu verbessern. Das soll Finanzkreisen zufolge ohne größere Folgen für die Gewinne des Instituts bleiben. Einige Experten haben Zweifel, ob das gelingt, denn in der internen Abbaueinheit lagern nur 90 Milliarden Euro - der Rest muss aus der Kernbank kommen.

"Aus der Bilanz muss kräftig Luft abgelassen werden, um die Anforderungen der Aufseher zu erfüllen", sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Ein weiterer Insider betonte, Details würden bei Vorlage der Quartalszahlen am 30. Juli bekannt gegeben.

Damit vollziehen die Bankchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen einen strategischen Schwenk. Beide hatten gehofft, um eine so radikale Schrumpfkur, wie sie viele Institute weltweit durchmachen, herumzukommen. Erst vor drei Monaten hatte Jain nach der Kapitalerhöhung über drei Milliarden Euro betont, dass die Weichen nun wieder auf Wachstum stünden. "Wir haben den Fuß jetzt wieder auf dem Gas", sagte er damals. Nun kommt die Bremse wieder - Hintergrund ist, dass die so genannte Verschuldungsquote (leverage ratio) zuletzt auf Druck der USA immer stärker in den Blick der Bankenaufseher und der Analysten geraten ist.

Bei der Leverage-Ratio hinkt die Deutsche Bank hinter der Konkurrenz her

Die Deutsche Bank liegt bei dieser Kennziffer - wie andere Institute auch - unter den drei Prozent, die die Regulierer bis 2018 fordern. Die Quote, die das Eigenkapital in Relation zur Bilanzsumme setzt, soll aber vorher noch einmal überprüft werden. 2015 muss die Leverage Ratio erstmals von den Banken veröffentlicht werden. Spätestens dann erwarten die Finanzmärkte, dass große Banken die Quote auch erfüllen.

Finanzvorstand Stefan Krause hatte kürzlich in einem Interview angekündigt, dass die Bank ihren Bestand an Einlagen und anderen liquiden Mitteln von 230 Milliarden Euro reduzieren werde, um die Quote zu verbessern. Daneben gebe es die interne Abbaubank. "Da steht alles zum Verkauf, und da hoffen wir, in den nächsten ein bis zwei Jahren weiterhin substanzielle Fortschritte zu machen", so Krause Anfang Juli. Laut "Financial Times" erwägt die Bank zudem, bis zu sechs Milliarden Euro Hybridkapital zu begeben, sobald klar ist, was die deutschen Aufseher als Kapitalpolster anerkennen. Dazu könnten Anleihen gehören, die in einer Krise automatisch in Eigenkapital umgewandelt werden.

"Diese Schrumpfkur ohne den Verlust von Marktanteilen oder Gewinnen hinzukriegen, wird sehr sehr herausfordernd"

"Ihre Liquidität um die Hälfte zu reduzieren, wird der Deutschen Bank bei der Rendite nicht besonders weh tun", sagte Equinet-Analyst Philipp Häßler. "Das Kreditbuch zu straffen, wird aber natürlich einen negativen Ergebniseffekt haben." Auch sein Kollege Chris Wheeler von Mediobanca fragt sich, wie die Bank den Abbau ergebnisneutral über die Bühne bekommen will. "Diese Schrumpfkur ohne den Verlust von Marktanteilen oder Gewinnen hinzukriegen, wird sehr sehr herausfordernd."

Die Finanzaufsicht BaFin schaut ebenfalls genau hin wegen möglicher Auswirkungen auf die Kreditversorgung. Die Behörde habe kein Interesse an Bilanzverkürzungen, die negative realwirtschaftliche Auswirkungen hätten, sagte Raimund Röseler, oberster BaFin-Bankenaufseher. "Grund zur Sorge besteht aktuell jedoch nicht." Es gebe keine Anzeichen für eine Kreditknappheit infolge des Schrumpfkurses vieler Banken. Weltweit haben die Geldhäuser im Zuge der Finanzkrise mehrere Hundert Milliarden an Vermögenswerten abgebaut.

Die Aktie der Deutschen Bank war am Montag mit einem Plus von 1,6 Prozent einer der größten Kursgewinner im DAX. Viele Investoren befürchten, das Geldhaus sei nach wie vor zu schwach kapitalisiert. Dazu hatte auch der Vizechef der US-Aufsichtsbehörde FDIC, Thomas Hoenig, beigetragen, der die Bank als "schrecklich unterkapitalisiert" gescholten hat.

Das Frankfurter Institut hatte lange bei den gewichteten Eigenkapitalquoten nach dem neuen Regelpaket "Basel III" hinter der Konkurrenz hergehinkt, ehe Jain die Lücke mit der Kapitalerhöhung im April schloss. Bei der Leverage Ratio, die das Risiko der hinter den Bilanzposten stehenden Geschäfte außer Acht lässt, hat sie aber immer noch Nachholbedarf. Einer Morgan-Stanley-Studie zufolge liegt die Deutsche Bank unter 18 Großbanken auf dem zweitletzten Platz.

Jain steht der Leverage-Ratio kritisch gegenüber

Vorstandschef Jain sieht die Leverage Ratio kritisch: "Ich verstehe den Ruf nach einfachen Lösungen, aber die Welt ist komplex", hatte er im Mai gesagt. Kritiker warnen davor, dass sie Banken dazu verleite, auf der Jagd nach Rendite mehr Risiken einzugehen. Europäische Bankenaufseher sehen sie als zusätzliche Obergrenze, die die Banken daran hindern soll, ihre Bilanzsumme über Gebühr aufzublähen. Ihre Befürworter halten die Kennziffer für weniger manipulationsanfällig als die anderen Eigenkapitalquoten, bei denen die Institute viel Freiheit haben, die Bilanzrisiken zu bewerten.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge