Die Commerzbank hat schon wieder ein Problem

Die Commerzbank hat schon wieder ein Problem

Faule Kredite und der wachsende Konkurrenzdruck machen der Commerzbank zu schaffen. "Das Ergebnis wird nicht so gut wie 2012", sagte der für die Mittelstandsbank zuständige Vorstand Markus Beumer der "Börsen-Zeitung" (Dienstagausgabe).

In den ersten sechs Monaten war der Spartengewinn vor Steuern um 38 Prozent auf 542 Millionen Euro eingebrochen, weil sich die Kreditausfälle häufen. "In der Tendenz würde ich sagen: Es wird so weitergehen wie bisher", betonte der Bank-Manager.

Anleger verunsicherten Beumers Äußerungen. Die Commerzbank-Aktie verlor 1,6 Prozent auf 8,77 Euro und war damit größter Verlierer im Leitindex DAX.

Setzt sich bei der Commerzbank der Abwärtstrend im Kerngeschäft bis zum Jahresende fort, stünde im Firmenkundensegment nur noch ein operativer Gewinn von rund einer Milliarde zu Buche. 2012 waren es noch 1,65 Milliarden Euro. Kepler-Analyst Dirk Becker erwartet für die Mittelstandsbank in diesem Jahr einen Gewinn von 1,13 Milliarden Euro. Grund für den Rückgang ist laut Beumer eine "Normalisierung" der Risikovorsorge. 2012 hatte die Commerzbank im Firmenkundengeschäft unter dem Strich nur 30 Millionen Euro für faule Darlehen zurückstellen müssen - bei 120 Milliarden Euro Krediten und ungenutzten Kreditlinien. Denn in den vergangenen beiden Jahren hatte die Bank einen Teil der Risikovorsorge aus den Krisenjahren wieder auflösen können, weil sich die befürchteten Kreditausfälle doch nicht einstellten.

In diesem Jahr hat die Bank allerdings in den ersten sechs Monaten im Mittelstandsgeschäft schon 225 Millionen Euro zurückgestellt. "Und ich gehe davon aus, dass sich das zweite Halbjahr nicht fundamental anders entwickeln wird", sagte Beumer. Auch im Einlagengeschäft verdiene die Bank mit Firmenkunden wegen der niedrigen Zinsen praktisch nichts. Die Mittelständler haben 40 Milliarden Euro bei der Commerzbank angelegt.

"Wachsen nur in der Verdrängung"

Beumer beklagte, dass die deutschen Mittelständler ihre Kreditlinien immer weniger nutzen, weil sie ihre Investitionen aus eigener Kraft finanzieren. Derzeit würden nur 55 Prozent der Linien genutzt - vor der Krise seien es 70 Prozent gewesen. "In Summe sehen wir einen Rückgang der Kreditnachfrage. Ich bin skeptisch, so lange die Kunden ihre Limite nicht ausreizen", sagte er. "Wo wir wachsen, ist allein in der Verdrängung." Doch zugleich nimmt die Konkurrenz zu. Zuletzt hatten ausländische Institute wie die französischen Banken BNP Paribas und Societe Generale, aber auch Landesbanken Offensiven im deutschen Mittelstandsgeschäft angekündigt. Und auch die Deutsche Bank hat diese Klientel wieder entdeckt.

"Die Überschrift lautet: Dem Mittelstand geht es gut - das ist auch richtig. Aber es ist sehr schwer für Kreditgeber, dort Geld zu verdienen", sagt der Unternehmensberater und Professor Bernd Venohr. "Wer auch immer in diesem Segment Fuß fassen will, wird Probleme bekommen." Die Commerzbank spürt die Konkurrenz laut Beumer bisher nur bei den großen Mittelständlern. "Denn was machen neue Wettbewerber? Sie kehren die Treppe von oben. Da ist wieder Druck auf die Marge zu spüren", sagte er. Landesbanken versuchten Kunden mit billigen Krediten zu ködern.

"Firmen haben zurzeit viel Geld, die Nachfrage nach Krediten ist eher schwach. Die Wettbewerbsintensität ist da, aber sie ist nicht das dominierende Thema für die Commerzbank", sagt Ingo Frommen von der LBBW. Analyst Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler erwartet, dass die Rückstellungen für faule Kredite in den nächsten Jahren weiter steigen. "Im ersten Halbjahr waren das nur 38 Basispunkte bezogen auf das Kreditbuch." Damit liege die Commerzbank immer noch unter dem langjährigen Durchschnitt von 49 Punkten. "Es ist zu erwarten, dass es sich wieder in diese Richtung bewegt."

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge