Die Commerzbank jagt den Mittelstand

Die Commerzbank jagt den Mittelstand

"Wir werden unser deutsches Geschäftsmodell in Nachbarländer exportieren, deren Firmenstruktur mit der in Deutschland vergleichbar ist: etwa die Schweiz oder Tschechien", kündigte Mittelstandsbank-Vorstand Markus Beumer in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters an.

Die Firmenkunden-Filialen dort machten auch mit Schweizer Kunden Geschäft. "Die Schweiz hat zwar große Banken, die aber alles außer Corporate Banking machen", erklärte Beumer den Vorstoß.

Um teures Kapital zu sparen, hatte die Commerzbank zuletzt nur noch Geschäft mit Bezug zu Deutschland oder Polen gemacht, also mit Kunden aus diesen Ländern oder ausländischen Firmen, die hier Geschäfte machen oder Töchter unterhalten. Der neuen Strategie zufolge will die Mittelstandsbank die Einnahmen im Ausland bis 2016 doppelt so stark steigern wie im Inland, um acht Prozent pro Jahr. "In diesem Jahr sind wir dort deutlich zweistellig gewachsen", sagte Beumer. Die Bank begleite Kunden, wo immer sie neue Märkte erschlössen: "So wandert die Textilindustrie gerade von Vietnam nach Bangladesch und nach Myanmar."

Expansion hat sich Beumer auch in der Handelsfinanzierung auf die Fahnen geschrieben, in der er die Commerzbank mit einem Marktanteil von zehn Prozent in Europa ungewöhnlich stark sieht - weg vom Fokus auf deutsche Kunden. "Hier wollen wir künftig etwa auch belgische Unternehmen nach China begleiten", sagte er. Auch andere, weniger global ausgerichtete Banken seien mögliche Kunden für diese Dienstleistungen.

Durch dick und dünn

In Deutschland muss die Commerzbank - jetzt schon der größte Finanzier deutscher Unternehmen - die Sparkassen und Volksbanken verdrängen, wenn sie wachsen will. Bei kleineren Mittelständlern von 25 bis 500 Millionen Euro Umsatz liegt ihr Marktanteil erst bei 25 Prozent, bei den großen hat jeder zweite eine Verbindung zur Commerzbank. 15.000 neue Geschäftsbeziehungen sollen zu den 100.000 bestehenden im Mittelstand hinzukommen.

Der Rückzug der Landesbanken eröffne neue Chancen vor allem in Hamburg, im Süden und im Osten: "Viele Konkurrenten wollen uns über die Preise angreifen; laufen aber bei den Kunden damit ein gutes Stück ins Leere." Denn die Commerzbank sei mit ihren Kunden in der Krise "durch dick und dünn gegangen - das merken sie sich." Auch bei großen Mittelständlern sei die Commerzbank inzwischen im Vorteil: "Der Bankenmarkt hat sich konzentriert. Landesbanken können heute kein Cross-Selling mehr betreiben - denn sie haben kaum noch Niederlassungen im Ausland. Damit können sie auch Kreditausfälle nicht durch Erträge anderswo ausgleichen wie wir."

Stellenabbau in der Zentrale – Aufbau im Vertrieb

Die Mittelstandsbank ist das Rückgrat der Commerzbank und daher von der Anfang November verkündeten Neuausrichtung nicht so stark betroffen. Doch auch Beumer muss Arbeitsplätze abbauen: "Alle Sparten haben Hausaufgaben - nur mit unterschiedlicher Intensität." Auch die Mittelstandsbank müsse die Kosten - von Investitionen abgesehen - stabil halten. "Wir werden in der Zentrale Personal kürzen und dafür in den Vertrieb investieren. Das heißt, wir müssen Mitarbeiter abbauen und anderswo aufbauen - denn die Qualifikationen passen nicht überall zusammen", sagte Beumer.

Der bevorstehende Abschwung ist ein Grund, weshalb die Messlatte für die Mittelstandsbank bis 2016 niedriger liegt als in diesem Jahr. Über 20 Prozent soll die Eigenkapitalrendite in den nächsten vier Jahren liegen, 29 Prozent waren es von Januar bis September: "Unsere Renditeziele in der Mittelstandsbank sind keine Tiefstapelei", wehrt sich Beumer.

"Wir haben im Moment in Deutschland eine Sonderkonjunktur - praktisch ohne Risikovorsorge. Wenn sich die Konjunktur abkühlt, rechnen wir in der Mittelstandsbank mit einer normalisierten Risikovorsorge." Analysten haben aus den Zielen Kreditausfälle von rund 300 Millionen Euro in einem "Normaljahr" für die Bank ausgerechnet. In der Finanzkrise war es rund eine Milliarde. Die Fusion mit der Dresdner Bank und die Abenteuer in fernen Ländern hatten der Commerzbank negative Überraschungen beschert. "Wir haben kaum mehr Restrukturierungsfälle im Portfolio", sagt Beumer. Ein zweiter Grund für die bescheidenen Ziele seien die höheren Kapitalanforderungen: "Allein für Basel III müssen wir zehn Prozent mehr Kapital vorhalten - das sind 700 Millionen Euro."

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