Die Commerzbank räumt auf

Die interne "Bad Bank", die zuletzt auf 160 Milliarden Euro angeschwollen ist und fast ein Drittel der Bilanzsumme ausmacht, werde ihren Bestand an aussortierten Wertpapieren und Krediten in den nächsten Jahren möglichst zügig herunterfahren, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Commerzbank räumt auf

Bis 2016 solle das Volumen auf bis zu 80 Milliarden Euro sinken. "Notverkäufe wird es nicht geben", erklärte einer der Insider. "Aber wenn bestimmte Kredite schneller und trotzdem wertschonend abgebaut werden können, ist das natürlich ein großer Hebel für die Bank", sagte ein anderer. Denn die Altlasten binden Eigenkapital und sind abschreibungsgefährdet. Ein Abbau würde somit die Kapitalquoten verbessern und das Institut krisenfester machen.

Die Abwicklungssparte NCA (None Core Assets) wird deshalb beim Investorentag am 8. November eine prominente Rolle spielen. Die mittelfristigen Ziele für die "Bad Bank", die es in ihrer jetzigen Form erst seit ein paar Wochen gibt, dürften dann erstmals im Detail erläutert werden. Bislang war erwartet worden, dass sich die Zukunftsstrategie der Commerzbank vor allem um das schwächelnde Privatkundengeschäft drehen wird. Die Commerzbank wollte sich zu den Informationen am Freitag nicht äußern.

In der "Bad Bank" lagern der Staats- und Immobilienfinanzierer Eurohypo sowie die Schiffsbank, die beide komplett abgewickelt werden. Die Commerzbank hatte sich nach längerem Hin und Her im Sommer zu diesem radikalen Schritt entschlossen, weil die zumeist langlaufenden und großen Kredite in Zeiten strengerer Regulierung viel Eigenkapital verschlingen und zudem schwer refinanzierbar sind. Der Markt für Schiffsfinanzierungen liegt ohnehin am Boden, weil viele Reeder und Werften in Schwierigkeiten stecken. Auch einige ältere toxische Wertpapiere aus der Zeit der Finanzkrise 2007/08 finden sich noch in der Sparte.

Der Abbau der riesigen Bestände an Immobilienkrediten läuft schon länger, denn auch vor dem Abwicklungsbeschluss musste die Eurohypo - inzwischen umbenannt in Hypothekenbank Frankfurt - schrumpfen. Bislang ging das vor allem über Fälligkeiten: Kredite, die ausliefen, wurden nicht mehr verlängert. Das riss keine Löcher in die Bilanz, schmerzhafte Abschreibungen wurden vermieden. Nur in Einzelfällen - zur Entlastung des Eigenkapitals - wurden kriselnde Portfolios unter Inkaufnahme von Verlusten abgestoßen: Abhängig davon, wie im jeweiligen Quartal das Geschäft in den Kernsparten Privatkunden, Mittelstand und Investmentbanking lief. "Natürlich gibt es immer wieder hübsche Gewinne aus dem Verkauf von Einzelportfolien, aber man schiebt auch Gewinne anderer Segmente hinüber, um Verluste ausgleichen zu können", erklärt einer, der die Bank gut kennt.

Schnäppchenjäger und Rosinenpicker

Zwei Dinge könnten der "Bad Bank" der Commerzbank jetzt helfen: Einerseits sind renditehungrige Investoren wie Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften stärker denn je auf der Suche nach notleidenden Krediten. Zum anderen müssen jetzt aber auch qualitativ hochwertige Immobilien-Portfolios in den soliden Kernmärkten Deutschland, Frankreich, Polen und Großbritannien abgebaut werden. Dafür dürften sich viele andere Finanzinstitute interessieren, die ihr Geschäft ausbauen wollen. "Für Deutschland braucht man überhaupt kein Verlust-Budget. Da kann man gut zu Buchwerten verkaufen", heißt es aus der "Bad Bank".

Wieviele Mitarbeiter die Commerzbank in ihrer Abbausparte am Ende braucht, ist offen. Die alte Eurohypo beschäftigte zuletzt noch rund 1000 Leute. Hier sind die Gespräche über den Stellenabbau bereits angelaufen, die ersten haben ihre Abfindungsverträge unterzeichnet. Der Abbau betrifft vor allem die Verwaltungsbereiche. An der "Front" sei es dagegen schon schwieriger, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Denn auch für den langwierigen Portfolio-Abbau brauche man Spezialisten, soll der große Plan funktionieren. Und denen müssten Anreize geboten werden, in einer Sparte ohne Zukunft zu arbeiten, sich quasi selbst abzubauen. "Am Ende geht das nur über Geld."