"Die Bären geben auf"

"Die Bären geben auf"

Damit übertrifft das US-Aktienbarometer die Entwicklung vieler anderer großer Indizes. Nach Einschätzung von Laszlo Birinyi, Präsident von Birinyi Associates, geben die “Bären” auf, so dass weitere Kursgewinne zu erwarten seien.

Der S&P hat dieses Jahr bislang 14,3 Prozent zugelegt auf 1437,92 Punkte zum Wochenschluss. Ein Schub von zwei Prozent kam am Donnerstag vergangener Woche, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) den Ankauf von Anleihen angeschlagener Euro- Staaten in unbegrenztem Umfang ankündigte. Nach Einschätzung von Laszlo Birinyi, Präsident von Birinyi Associates in Westport, Connecticut, geben die “Bären” auf.

“Sie stellen fest, dass es nicht funktioniert”, sagte Birinyi im Gespräch mit Bloomberg. “Geringes Volumen, schlechte Unternehmensergebnisse - all das findet nicht statt und es ist vielleicht Zeit, an der Party teilzunehmen.”
Die rekordniedrigen Zinsen der US-Notenbank Federal Reserve von nahe null Prozent helfen den Gewinnen der Unternehmen und dem Wirtschaftswachstum der USA, sich von der ersten weltweiten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg zu erholen. Die US-Volkswirtschaft wird dieses Jahr um geschätzt 2,2 Prozent wachsen, der Gewinn der Unternehmen im S&P 500 dürfte bei 103,48 Dollar je Aktie liegen - so viel wie nie zuvor.

Die Aktienkurse von US-Finanzfirmen, Herstellern von Konsumgütern, die nicht zum täglichen Bedarf gehören, sowie Technologieanbietern haben seit dem letztjährigen S&P-Tief am 3. Oktober bei 1.099,24 Zählern eine Rally von 35 Prozent hingelegt.

Der S&P ist nur noch gut neun Prozent vom Allzeithoch bei 1,565.15 Zählern vom 9. Oktober 2007 entfernt. Unter den zehn größten Aktienindizes weltweit ist der britische FTSE 100 Index noch 17 Prozent vom Allzeithoch entfernt, dem kanadischen S&P/TSX Composite fehlen 24 Prozent. Beim deutschen DAX fehlen noch rund elf Prozent.

"Das hat etwas von einer stärkeren Rally"

“Ich bin von der Stärke etwas überrascht”, sagt Birinyi. Bevor der S&P 500 im März 2009 auf ein 12-Jahres-Tief abbröckelte, hatte Birinyi seinen Kunden geraten, Aktien zu kaufen. “Dies hat etwas von einer stärkeren Rally. Es sind nicht nur die Kurse, es ist auch die Tatsache, dass es alle Sektoren betrifft.” Daher träfen die üblichen Argumente, es sei nur eine kurzfristige Rally oder es steckten Käufe von Hedgefonds dahinter, nicht zu, fügt er an.

Dass sich die US-Unternehmen besser entwickeln als alle anderen, liegt zum Teil an der Schuldenkrise in Europa. Dem Anstieg des S&P 500 um 112 Prozent von seinem 12-Jahrestief im März 2009 steht ein Anstieg von 72 Prozent im Stoxx Europe 600 Index und von 64 Prozent im MSCI Asia Pacific Index gegenüber.

Die Wetten auf einen Kursrückgang im S&P 500 waren gestiegen. So lag der Anteil der leer verkauften Aktien am 15. August bei 4,02 Prozent der frei handelbaren Aktien im Vergleich zu 3,72 Prozent Ende März. Das zeigen Daten von Bloomberg und den US-Börsen.

"Das Negative ist nicht so schlimm, wie befürchtet"

“Jeder weiß, dass die Aktienkurse steigen sollten, aber sie sagen, diesmal ist es anders, weil es so viele Probleme gibt”, sagt Byron Wien, Vize-Vorsitzender Beratungsdienste bei Blackstone Group, dem weltgrößten Finanzinvestor, zu Bloomberg. “Ab einem gewissen Punkt sieht es aber so aus, als ob das Negative nicht mehr so schlimm ist, wie man befürchtet hat”, ergänzte er.

Seit Ende 2009 liegt das vierteljährliche Gewinnwachstum der Unternehmen im S&P 500 im Median bei 25 Prozent, zeigen Daten von Bloomberg. Analysten gehen für den laufenden Dreimonatszeitraum zwar von einem Rückgang um 1,7 Prozent aus, doch schon im vierten Quartal sehen sie wieder einen Anstieg um elf Prozent. Für das Jahr 2013 erwarten die Analysten einen Gewinnanstieg von elf Prozent und für 2014 von 12 Prozent, wie Bloomberg-Daten zeigen.

Insgesamt 68 Aktien sind seit 2009 im S&P 500 ausgewechselt worden. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis für die Indexwerte liegt bei 14,51 auf Basis der vorgelegten Gewinne. Das ist 13 Prozent niedriger als die durchschnittliche Bewertung seit den 1950er Jahren. Im Dezember 2009 hatte das KGV 24,26 erreicht.

Mittelabflüsse aus Investmentfonds

Auch wenn sich der S&P verdoppelt hat, zogen Investoren 2011 das fünfte Jahr in Folge Gelder aus Investmentfonds ab, die in US-Aktien investieren. Das ist die längste Phase mit Geldabflüssen seit 1984, wie aus Daten des Branchenverbands Investment Company Institute in Washington hervor geht. Die meisten Gelder wurden 2008 abgezogen, gefolgt von 2011 mit 135 Mrd. Dollar. In diesem Jahr beläuft sich der Abfluss auf bislang 75 Mrd. Dollar.

Das hat zu einem Rückgang des täglichen Handelsvolumens beigetragen. 2012 liegt der Handelsumsatz mit täglich 6,5 Milliarden Aktien 44 Prozent unter dem Höchstwert vom Oktober 2008, wie Daten von Barclays Plc und Bloomberg zeigen.

“Der Markt denkt weiterhin, dass die Fed das Wirtschaftswachstum unterstützen wird und die EZB alles Notwendige zur Brandbekämpfung unternehmen wird”, sagt Wayne Lin, Vermögensverwalter bei Legg Mason Inc. in Baltimore. “Der Markt läuft sich selbst etwas voraus.”

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