Die große Asienrallye: Anleger schichten massiv Geld in diese Region um

Die große Asienrallye: Anleger schichten massiv Geld in diese Region um

Seit Anfang Juli steigen die Kurse in Asien sogar richtig steil. Aber bereits seit März zeigen die Märkte Asiens wieder neue Stärke. Der Aktienmarkt in Indien ist um 46 Prozent in die Höhe geschossen. Der Hang Seng, der chinesische Aktienmarkt, kletterte seither um 24 Prozent. Andere Asienbörsen schafften ein ähnlich fulminantes Comeback. Mit Lion Global Investors, eine der größte lokale Fondsgesellschaften Asiens und Partner der österreichischen Investmentgesellschaft C-Quadrat und Fidelity, erläutern zwei der ganz großen Asienfondsmanager, warum sie weitere Kurszuwächse in dieser Region erwarten, warum die Wirtschaft nun wichtige neue Impulse erhält, die Binnennachfrage rapide steigt und warum große asiatische Konzerne von dem Boom profitieren und wie Anleger daran verdienen können.

Noch bis Februar dieses Jahres zogen viele Anleger Geld aus asiatischen Aktienmärkten ab. Doch seit März hat sich das Blatt gewendet und die Angst vor asiatischen Märkten ist nicht nur verflogen, sie ist laut Experten einem neuen Glauben in die Region gewichen. "Bei den internationalen Anlegern gibt es derzeit eine Rotation zu beobachten", so Fidelity in einem aktuellen Marktkommentar. Statt wie in den vergangenen Jahren ihr Geld in amerikanische oder europäische Aktien zu pumpen, schichten Anleger ihr Geld nun in asiatische Börsen um.

China verzeichnet höchsten Kapitalzufluss

Am stärksten profitierte zuletzt China, wo Anleger zuletzt in nur einer Woche 2,1 Milliarden Dollar investierten – der höchste Zufluss seit 2008. Erst am Freitag hat China hat Rekordüberschuss in der Handelsbilanz präsentiert. Die Exporte legten um 14,5 Prozent zu. Chefvolkswirt Ralph Wiechers vom Branchenverband VDMA der Maschinen- und Anlagenbauer gegenüber Reuters: "Wir hören von einigen Betrieben, dass die Aufträge wieder zulegen und die Konjunkturprogramme wohl Wirkung zeigen."

Auch an den Börsen in Indien, Indonesien, Südkorea und Taiwan ging zuletzt die Post ab. In der Drei-Monats-Bilanz konnten die dortigen Aktienmärkte die der westlichen Industrieländer klar hinter sich lassen. Am besten schnitt im zweiten Quartal China, Indien und Hongkong ab.

Politische Aufbruchsstimmung sorgt für verbesserte Konjunkturaussichten

Grund für den Stimmungswandel sind nicht zuletzt politische Entwicklungen in der Region. "Anleger knüpfen an die neu gewählten Regierungschefs in Indien und Indonesien die Hoffnung, dass sie dringend notwendige Reformen umsetzen", analysiert Fidelity. In China zeigen die geldpolitische Lockerung, die Stimulierung des Häusermarktes und Fortschritte im Reformprozess Wirkung. Im zweiten Quartal lag dort das Wirtschaftswachstum bei über acht Prozent. In Südkorea wiederum hat der neue Finanzminister ein umfassendes Konjunkturprogramm in die Wege geleitet, das unter anderem die Stimulierung des Immobilienmarktes und Steuersenkungen beinhaltet. Das Land verfügt zudem über einen haushalts- als auch einen Außenhandelsüberschuss. Und in Taiwan sprangen zuletzt der Export und die Investitionstätigkeit an.

Aufschwung in der gesamten Region erwartet

Entsprechend deuten die jüngsten Umfrageergebnisse der Einkaufsmanagerindizes und verbesserte Konjunkturdaten laut Fidelity auf einen synchronen Aufschwung in fast der gesamten Region hin. Dies macht sich auch bei den Unternehmen bemerkbar. Fidelity: "So hat sich das Gewinnwachstum insbesondere in Südkorea, die dortigen Aktien haben eines der niedrigsten Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Region, und China stark beschleunigt." Im Reich der Mitte legten die Gewinne der Industriefirmen je Aktie im Juni um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Fideltiy: "Und die Prognosen werden nach oben korrigiert."

Lion Global Investors, die rund 25 Milliarden Dollar verwalten, erwarten, dass vor allem Aktien, die von der steigenden Konsumnachfrage der Asiaten profitieren werden. Denn die Konsumkraft in diesen Ländern steigt kontinuierlich stark. Die Kaufkraft in Indien etwa wächst jährlich im Schnitt um 20 Prozent. Aber auch China, Indonesien und den Philippinen steigen die Konsumausgaben sprunghaft an. Wie stark asiatische Unternehmen bereits sind, zeigt China Mobile. Laut einer aktuellen Studie von WWP Brandz Top 100 verfügt der Telekomriese über einen Markenwert von 55 Milliarden Dollar.

Erst 20 Prozent aller Inder haben einen Kühlschrank, noch viel weniger haben eine Klimaanlage

Doch auch das Wachstumspotential für Konsumgüter wie Kühlschränke und Klimaanlage ist gewaltig. So besitzen noch nicht einmal 20 Prozent aller Inder einen Kühlschrank, nicht einmal fünf Prozent haben eine Klimaanlage. In China sind zwar bereits rund 80 Prozent mit diesen Gütern ausgestattet, verfügen aber schon allein wegen der Milliarden Menschen, die dort leben, weiterhin hohes Wachstumspotential.

"Langfristig sind wir etwa für Indien bullisch", nennt Tan Aik Chye, Manager des C-QUADRAT APM Asian Quality Stocks (ISIN: DE000A0NGj77) einer seiner Favoriten. Das Land profitiert von seinem riesigen Binnenmarkt und der geringen Exportabhängigkeit. Der seit Anfang Sommer amtierende indische Ministerpräsident Narendra Modi will mit einem umfassenden Modernisierungsprogramm frischen Elan in die Wirtschaft bringen.
Weitere Daten die für Indien-Investments sprechen: Das Durchschnittsalter der gut 1,2 Mrd. Inder beträgt nur 26,5 Jahre und die Bevölkerung wächst rasch. In den kommenden zehn Jahren werden rund 200 Millionen Schulabgänger den Jobmarkt beleben.

14 Prozent Rendite pro Jahr bei geringen Kursschwankungen

Ein Vorteil dieser Fonds, die vom Konsumwachstum in Asien profitieren, ist die geringere Schwankungsanfälligkeit gegenüber Marktveränderungen. So weist der MSCI Asia ex Japan in den vergangenen zwei Jahren heftige Kursschwankungen auf, der C-QUADRAT APM Asian Quality Stocks stieg dagegen kontinuierlich und legte in den vergangenen zwei Jahren pro Jahr im Schnitt 14,3 Prozent zu.

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