"Die Anleger sitzen in der Realzinsfalle"

"Die Anleger sitzen in der Realzinsfalle"

"Die Lage an den internationalen Finanzmärkten ist noch immer alles andere als normal", so Ulrich Kater, Chefvolkswirt der deutschen Dekabank, am Mittwoch in Wien. Mit extrem niedrigen Zinsen unter der Inflationsrate säßen die Anleger in einer "Realzinsfalle". Um dieser Falle zu entgehen, müssten sie verstärkt auf reale Werte setzen, etwa Aktien, Unternehmensanleihen oder Gewerbeimmobilien. Eine weitere Möglichkeit, mehr als die Inflationsrate zu erwirtschaften, bestehe bei Investments in Emerging Markets.

"Erstens, es ist besser geworden, zweitens, es wird besser bleiben und drittens, es ist trotzdem eine Katastrophe", versuchte ein launiger Kater am Mittwoch beim traditionellen "Katerfrühstück" in Wien die aktuelle Lage auf den Finanzmärken zusammenzufassen.

2012 werde für Europa als das Wendejahr, als Beginn der europäischen politischen Vereinigung in die Geschichte eingehen - wenn es je dazu kommen sollte. Der erste Baustein für ein gemeinsames Europa sei die Gründung der Bankenunion. Als nächster Schritt werde die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit Südeuropas folgen und danach das "große Thema" Umverteilung. Die Unterschiede zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden werden bleiben und zu einer politischen Belastung werden. Kater sieht hier keinen Wandel bevorstehen.

Der Erkenntnisgewinn in Europa habe im Vorjahr vor allem darin bestanden, dass ein Auseinanderbrechen der Eurozone furchtbare ökonomische Auswirkungen gehabt hätte, dass man sie also weiter betreiben und sich zusammenraufen müsse. Für die EZB habe sich als weiteres Ziel - neben dem Inflationsziel - das Zusammenhalten der Eurozone ergeben. "Die Unabhängigkeit von Geld- und Finanzpolitik ist nicht mehr vorhanden", so Kater, es habe sich ein neues Zusammenspiel von Institutionen ergeben.

Der Höhepunkt des Vertrauensverlustes in die Eurozone sei im vierten Quartal gewesen, nunmehr komme das Vertrauen auf allen Finanzmärkten wieder zurück, auch der Euro selbst steige wieder.

Keine Entwarnung an der Krisenfront

Die Gefahr einer schweren Finanzkrise sei durch das Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) 2012 gebannt worden, für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh. Zu groß seien die Herausforderungen der kommenden Monate, etwa die Bankensanierung in Spanien, ein potenzieller Schuldenschnitt in Zypern oder die Reformbemühungen in Italien. Die dramatische Phase der Eurokrise sei allerdings überwunden worden, und die Industrieländer befänden sich auf einem Konsolidierungskurs.

"Diese Welt hat noch nicht existiert", versuchte Kater die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten für Anleger zusammenzufassen. Renditen gebe es noch, aber nicht auf den traditionellen Märkten. Aktien sollten deshalb 2013 wieder einen größeren Stellenwert in der Anlagepolitik erhalten. Am momentan extrem niedrigen Zinsniveau und der Strategie der negativen Realzinsen werde sich nämlich in den USA und in Europa so schnell nichts ändern. Aus makroökonomischer Sicht sei dies auch sinnvoll so.

Die Entwicklung der Emerging Markets sieht Kater als "Megatrend": "Die Geldströme werden sich noch viel stärker an diesen Märkten orientieren".

Für den deutschen Leitindex DAX prognostiziert der Ökonom einen Jahresschlussstand von 8.300 Punkten. Das entspricht gegenüber dem aktuellen Stand von 7.690 Punkten ein Plus von rund 6 Prozent.

Österreichs Wirtschaft befindet sich laut Kater auf einem guten Weg, es verfüge über ein funktionierendes Staatswesen, eine vernünftige Lohnpolitik und einen robusten Arbeitsmarkt. Nach einem Jahr der Stagnation erwartet die Deka wieder ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent für Österreich.

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