Deutschland will Commerzbank-Anteil nicht über die Börse verkaufen

Deutschland will Commerzbank-Anteil nicht über die Börse verkaufen

Die Commerzbank-Aktien schrittweise auf den Markt zu werfen, halte die Regierung für keine Option, berichtete das "Manager Magazin" am Donnerstag in der September-Ausgabe. Mitarbeiter von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hätten in den vergangenen Wochen mit mehreren potenziellen Erwerbern gesprochen.

Eine europäische Bank sei der Regierung als Käufer willkommen, so lange die Kreditversorgung des Mittelstands sichergestellt sei.

Das Interesse aus diesem Kreis sei "erstaunlich groß", heißt es in dem Bericht. Genannt werden erneut die vom Deutschen Axel Weber geführte Schweizer UBS, die französische BNP Paribas und die spanische Santander. Die gleichen Namen werden seit Wochen in Medienberichten gehandelt. Trotzdem schnellte die Commerzbank-Aktie am Donnerstag um 5,6 Prozent auf 8,59 Euro nach oben.

Eine Sprecherin des Ministeriums bekräftigte: "Das Thema steht aktuell nicht auf der Tagesordnung. Wann und an wen der verbliebene Aktienanteil des (staatlichen Bankenrettungsfonds) SoFFin an der Commerzbank veräußert wird, ist derzeit nicht absehbar". Als die Spekulationen im Juli aufgetaucht waren, hatte ein Ministeriumssprecher gesagt: "'Nicht absehbar' können sie durchaus so verstehen, dass wir zurzeit nicht mit Investoren reden." Ein Brancheninsider, der nicht genannt werden wollte, sagte Reuters: "Der Zweck solcher Berichte ist möglicherweise, dass die Politik im Wahlkampf Handlungsfähigkeit demonstrieren will."

In dem Magazinbericht heißt es, der Bund prüfe zwei Optionen, um die von Altlasten geplagte Bank reif für einen Verkauf zu machen. Entweder übernähme der Staat im Zuge einer "Stabilisierungsmaßnahme" einen Teil der Altlasten, etwa in der Schiffsfinanzierung. Dadurch ließe sich der Wert des restlichen Kerngeschäfts mehr als verdoppeln. Zurzeit ist die Commerzbank an der Börse knapp zehn Milliarden Euro wert - eingestiegen war der Bund zu mehr als dem doppelten Preis. Allerdings droht bei der Einrichtung einer staatlichen "Bad Bank" ein erneutes EU-Beihilfeverfahren. Die Alternative wäre dem Bericht zufolge eine Abwicklung der Altlasten in Eigenregie, die die Commerzbank nach und nach so stark schrumpfen ließe, dass sie für einen Käufer attraktiv würde.

Diese Strategie verfolgt erklärtermaßen Vorstandschef Martin Blessing. Das kann allerdings dauern. Bis zum Jahr 2016 soll das Portfolio an strategisch nicht mehr erwünschten Immobilien-, Schiffs- und Staatskrediten auf weniger als 90 Milliarden Euro schrumpfen. Ende Juni waren es 136 Milliarden. Nicht alles davon ist allerdings per se ausfallgefährdet. So hat die Commerzbank auch deutsche Staatsanleihen und solide Immobilienfinanzierungen in Deutschland im Portfolio.

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