Deutsche Telekom kommt in den USA wieder in die Gänge

Deutsche Telekom kommt in den USA wieder in die Gänge

Handynutzer zwischen New York und San Francisco wechselten im vorigen Quartal scharenweise zum viertgrößten US-Mobilfunker T-Mobile US. Auch auf dem hart umkämpften Heimatmarkt lockte die Deutsche Telekom zahlreiche neue Abonnenten. Die Telekom-Aktie ging daraufhin durch die Decke - der Börsenwert stieg um drei Milliarden Euro.

"In den USA legen wir eine gewaltige Trendwende vor und wollen den Erfolgsweg fortsetzen", sagte Konzernchef Rene Obermann am Donnerstag. Im vergangenen Quartal lockte T-Mobile US 688.000 neue Vertragskunden an. Es ist das erste Plus seit dreieinhalb Jahren. "Damit haben wir mehr Kunden gewonnen als AT&T im gleichen Zeitraum", ergänzte Obermann mit Verweis auf den übermächtigen US-Rivalen. Zum Vergleich: Seit Mitte 2009 - als die Zahl der Vertragskunden bei T-Mobile US auf einem Rekordhoch von 27 Millionen rangierte - wanderte ein Viertel von ihnen ab. Schmerzhaft war das besonders, da sie mehr Geld für das Telefonieren ausgeben als Prepaid-Nutzer.

Der Ausbau des einst löcherigen Handynetzes und die Einführung des iPhones, das T-Mobile US nach jahrelanger Verspätung erst seit April anbietet, brachten die Wende. Im abgelaufenen Quartal verkaufte T-Mobile US allein 900.000 der Edel-Handys von Apple. Die Kunden-Offensive will Obermann weiter vorantreiben. "Wir erhöhen dazu das Budget für Marketing-Investitionen in den USA." Um bis Jahresende nochmals bis zu 700.000 Vertragskunden zu gewinnen, mache der Konzern 600 Millionen Dollar extra locker. Analystin Robin Bienenstock von der Bank Bernstein hält die Strategie für sinnvoll. "Jetzt in den USA zu investieren ist die richtige Entscheidung, damit T-Mobile US das meiste aus der derzeitigen Dynamik machen kann." Anleger jubilierten: Die T-Aktie schnellte um bis zu sieben Prozent nach oben und war damit einer der größten Dax-Gewinner.

Die Geschichte der Telekom in den Vereinigten Staaten ist ein einziges Auf und Ab. Im Jahr 2001 hatte der ehemalige Konzernchef Ron Sommer für den T-Mobile-Vorgänger Voicestream 40 Milliarden Euro gezahlt. Danach war der Ableger lange Zeit Wachstumslokomotive des Konzerns, bis Ende des Jahrzehnts nicht mehr genug Geld in das Netz gesteckt wurde - die Tochter fiel im Vergleich zu den größeren Rivalen Verizon Wireless, AT&T und Sprint immer weiter zurück.

Deutschland – Andere Schrumpfen schneller

In Deutschland entkam die Telekom in der Zeit von April bis Ende Juni dem Preiskampf im Mobilfunk und Festnetz nicht: Trotz 430.000 neuer Mobilfunk-Vertragskunden sank der Betriebsgewinn um drei Prozent und der Umsatz um ein Prozent. Die viel beachteten Mobilfunkerlöse - ein wichtiger Indikator für die Stärke des Geschäfts - gingen um ein Prozent auf 1,67 Milliarden Euro zurück. Allerdings wurden die Wettbewerber noch stärker gebeutelt: Der ewige Konkurrent Vodafone verlor im zweiten Quartal im deutschen Mobilfunkgeschäft fünf Prozent des Umsatzes, ähnlich erging es o2. E-Plus verlor in der gleichen Zeit gut drei Prozent. Die geplante Fusion der beiden letzteren bereitet Obermann, der sein Amt Ende des Jahres an Finanzchef Tim Höttges abgeben wird, keine Sorgen. Selbst zusammengenommen sei der Mobilfunk-Umsatz von o2 und E-Plus immer noch kleiner als der der Telekom.

Dish – Neuer bewerber für T-Mobile US

Mit der Trendwende in den USA kommt die Telekom ihrem langfristigen Ziel näher, sich aus dem Land komplett zu verabschieden. Der erste Versuch, der Verkauf an Rivalen AT&T für 39 Milliarden Dollar, war vor anderthalb Jahren am Einspruch der Wettbewerbshüter gescheitert. Ein neuer Käufer taucht nun mit US-Bezahlfernsehkonzern Dish auf, der seit einiger Zeit im Mobilfunk Fuß fassen will, beim T-Mobile-Rivalen Sprint jüngst aber abblitzte. T-Mobile US sei für Dish der einzig mögliche verbliebene Partner, sagte Dish-Chef Charlie Ergen Anfang der Woche. Jedoch könnte eine Übernahme eine zu große Herausforderung für Dish sein.

Umsatz topp – Gewinn hopp

In Gewinn konnte die Telekom den US-Kundenansturm aber noch nicht ummünzen. Konzernweit fiel der Betriebsgewinn - auch wegen des harten Wettbewerbs und Regulierungsentscheidungen - im zweiten Quartal um sechs Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Als Folge der Fusion der US-Tochter mit einen Regionalanbieter, die im Mai über die Bühne ging, stieg der Umsatz des 230.000 Mitarbeiter starken Konzerns um fünf Prozent auf 15,2 Milliarden Euro. Doch auch ohne den US-Deal wäre der Umsatz um zwei Prozent gestiegen. "Das ist der erste organische Umsatzanstieg seit Jahren", erklärte Obermann. Den Ausblick poliert die Telekom leicht auf: In diesem Jahr werde ein Betriebsergebnis (bereinigtes Ebitda) von 17,5 Milliarden Euro erwartet statt bislang lediglich 17,4 Milliarden Euro.

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