Deutsche Telekom: US-Geschäft hat Anschlussproblem

Deutsche Telekom: US-Geschäft hat Anschlussproblem

Der plötzliche Rücktritt von T-Mobile-USA-Chef Philipp Humm wirft ein Schlaglicht auf die Probleme der amerikanischen Telekom-Tochter. Nach dem gefloppten Verkauf des Sorgenkinds muss der DAX-Konzern Milliarden in die Hand nehmen, um den gewaltigen Kundenexodus zu stoppen.

Längerfristig hat T-Mobile USA aber kaum eine Chance, zu den beiden Marktführern Verizon Wireless und AT&T aufzuschließen - es sei denn durch einen großen Schritt wie etwa die Fusion mit einem Konkurrenten oder einen Börsengang der Tochter. Die Telekom-Führung lotet derzeit ihre Chancen aus. Wohin die Reise geht, ist derzeit die 1-Million-Dollar-Frage unter Telekom-Experten.

Ein wenig ließen sich die Bonner bereits in die Karten schauen. "Wir sind in den USA in Gesprächen, wir versuchen Möglichkeiten zu finden; um die Größeneffekte zu verbessern, aber ich kann keine weitere Details verraten, was da passiert", sagte Telekom-Finanzchef Tim Höttges im Mai. Kurz darauf erklärte Konzernchef Rene Obermann erstmals, dass ein schneller Rückzug aus den USA keine Option mehr sei. Der Konzern fahnde weiter nach einer Lösung für T-Mobile USA, betont er. "Ein vollständiger Verkauf wie an AT&T ist aber eher unwahrscheinlich." Es müssten andere Wege gefunden werden. "Daran arbeiten wir mit aller Kraft."

Großes Netz, wenig Kunden

Die Situation von T-Mobile USA ist vertrackt: Das Unternehmen betreibt in Amerika ein landesweites Handy-Netz, ist aber lediglich der viertgrößte Mobilfunker mit zuletzt 33,4 Millionen Kunden. Viel zu wenig, um die teure Infrastruktur richtig auszulasten. Zudem kehren Vertragskunden der Firma scharenweise den Rücken - allein vergangenes Jahr waren es knapp 1,7 Millionen. Einer der Hauptgründe für den Exodus ist, dass die drei größeren Wettbewerber - also neben Verizon und AT&T auch der Markt-Dritte Sprint - seit Oktober das neue iPhone anbieten. Der Bestseller von Apple fehlt dem Telekom-Ableger. Zudem klagten Kunden in Vergangenheit über die zahlreichen Funklöcher - die sind nach Angaben von T-Mobile weitgehend gestopft, der schlechte Ruf haftet dem Unternehmen aber weiterhin an. Wenig hilfreich war es vergangenes Jahr auch, dass die US-Behörden den Verkauf an AT&T neun Monate lang prüften und schließlich zu Fall brachten - wegen der Hängepartie ging wertvolle Zeit für die Sanierung verloren.

Der Job von Humm war es, das US-Geschäft mit 15 Milliarden Euro Umsatz wieder flottzukriegen. Allzu groß war seine Geduld nicht: Fünf Monate nach Scheitern des Verkaufs von T-Mobile USA bat er um eine Vertragsauflösung, wie aus Brief von Obermann an die Mitarbeiter hervorgeht, der Reuters vorliegt. In der Zeit stieß er noch zwei wichtige Projekte an, darunter die lang erwartete Investitionsoffensive: Rund 1,4 Milliarden Dollar zusätzlich werden in den Ausbau des Mobilfunknetzes gesteckt, das damit teilweise auf den Datenturbo-Standard LTE aufgerüstet wird. Insgesamt will die Telekom bis zum Frühjahr 2014 vier Milliarden Dollar in ihr Amerika-Geschäft pumpen. Gleichzeitig versucht T-Mobile USA, die Marke wieder aufzupolieren und sich als aggressiver Preisbrecher stärker von seinen Konkurrenten abzusetzen. Seit sechs Wochen laufen dazu Werbespots.

Dass der Obermann-Vertraute Humm mitten in der wichtigen Sanierung das Handtuch wirft und auch noch beim großen Konkurrenten Vodafone als Chef von Nord- und Mitteleuropa anheuert, macht Experten stutzig. Die Nähe zu seiner Familie in Europa, die bessere Bezahlung oder einfach die vielen Herausforderung an der Spitze eines Sanierungsfalles, derer er überdrüssig geworden ist, seien mögliche Gründe, schreiben die Analysten der Bank of America. Sein Abschied könnte allerdings auch darauf hinweisen, dass bei T-Mobile USA derzeit noch mehr im Busch ist. Neben der derzeitigen Stabilisierung des Geschäfts dürfte die Telekom an einem großen Wurf arbeiten, um endlich größer zu werden, sagte Jeffries-Analyst Ulrich Rathe. "Man könnte den Abgang deshalb als ein indirektes Zeichen dafür werten, dass die Deutsche Telekom in den USA weiter nach einer strategischen Lösung sucht."

Die Lösung könnte gar nicht so weit entfernt sein. Einem Medienbericht vom Mai zufolge spielt der Telefonriese den Plan durch, T-Mobile USA mit dem fünftgrößten US-Mobilfunkanbieter MetroPCS zu fusionieren oder an die Börse bringen. Ein Börsengang erscheint angesichts der trüben Stimmung an den Finanzmärkten und der schlechten operativen Entwicklung von T-Mobile unwahrscheinlich, sagt Deutsche-Bank-Analyst Matthew Bloxham. Deshalb sei ein Zusammenschluss mit einem der kleineren Mobilfunk-Rivalen "die realistischste Option". Ein Deal mit MetroPCS könne die Probleme der Telekom-US-Tochter aber nicht lösen, dafür sei das Unternehmen zu klein. Der Mobilfunker zählt lediglich neun Millionen Kunden und ist damit weniger als ein Drittel so groß wie T-Mobile USA. Es wäre aber zumindest ein Anfang. "Er könnte ein Sprungbrett zu einem substanzielleren Deal mit Sprint sein", betont der Telekomexperte. Zusammen wären die Nummer drei und vier in den USA auf Augenhöhe mit Verizon und AT&T - falls die Kartellbehörden nicht wieder ihr Veto einlegen.

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