Deutsche Chemiebranche gibt die Hoffnung für 2012 auf

Deutsche Chemiebranche gibt die Hoffnung für 2012 auf

Die erwartete Belebung der Geschäfte im zweiten Halbjahr sei ausgeblieben, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Donnerstag im Bericht zum dritten Quartal mit. Auch für die kommenden Monate müsse mit einer geringen Dynamik gerechnet werden.

Nun ruhten die Hoffnungen auf 2013. "Derzeit stagniert das Geschäft der chemischen Industrie", erklärte Verbandspräsident und Merck -Chef Karl-Ludwig Kley. Im wichtigen Europageschäft ließen sich keine Anzeichen für eine Trendwende ausmachen. "Für einen Aufschwung innerhalb der EU sehen wir derzeit eine geringe Chance", sagte Kley, der vor kurzem Evonik -Chef Klaus Engel an der Verbandsspitze abgelöst hat.

Die Chemiebranche gilt als Frühbarometer für die allgemeine Wirtschaftslage, da sie sämtliche Industriezweige beliefert. Veränderungen des Wirtschaftsklimas spüren die Unternehmen daher sehr rasch in ihren Auftragsbüchern. Für das Gesamtjahr erwartet der VCI, der die Interessen von 1650 Unternehmen in Deutschland vertritt, weiter einen Rückgang der Chemieproduktion um drei Prozent. Verbandspräsident Kley rechnet wie bisher damit, dass der Branchenumsatz in diesem Jahr bei 184 Milliarden Euro stagnieren wird. Dabei geht er davon aus, dass die Unternehmen ihre Preise im Schnitt um 2,5 Prozent erhöhen können.

Auslandsgeschäft stützt

Trotz der mageren Aussichten gibt es nach Einschätzung des Branchenverbandes keinen Grund für übertriebenen Pessimismus. Es seien in der deutschen Wirtschaft nach wie vor keine Anzeichen für eine Rezession zu sehen. Die Chemieunternehmen machten weiterhin gute Geschäfte. Im dritten Quartal sorgte insbesondere ein starkes Auslandsgeschäft für Unterstützung. Die Chemieindustrie steigerte in den Monaten Juli bis September binnen Jahresfrist ihren Branchenumsatz um zwei Prozent auf 44,8 Milliarden Euro - auch dank der um 1,3 Prozent angehobenen Preise. Gleichzeitig verteuerte sich aber der für den Industriezweig wichtigste Ausgangsstoff Rohbenzin (Naphta) um 4,5 Prozent.

Getragen wurde das Umsatzplus im Sommer von einem kräftigen Auslandsgeschäft - es legte um fünf Prozent zu. Die Exporte nach Nordamerika entwickelten sich besonders stark, auch das Chemiegeschäft mit Kunden in Südamerika und Asien erwies sich als Stütze. Die Ausfuhren nach Europa, dem größten Auslandsmarkt der deutschen Chemie, blieben dagegen schwach. Viele Nachbarländer befänden sich weiter in der Rezession. "Mittlerweile spüren die industriellen Kunden in Deutschland konjunkturellen Gegenwind, weil die Ausfuhren in die europäischen Nachbarländer rückläufig sind", erklärte der VCI. In der Folge bestellte die deutsche Industrie weniger Chemikalien - der Umsatz der Chemiebranche schrumpfte auf dem Heimatmarkt um 2,5 Prozent. Insgesamt produzierten die Chemieunternehmen im dritten Quartal 0,5 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Dabei waren die Chemieanlagen mit 82,8 Prozent immer noch gut ausgelastet.

Beschäftigung legt leicht zu

Auf die Beschäftigung in Deutschlands drittgrößtem Industriezweig hat sich das schwierigere Wirtschaftsumfeld bislang nicht ausgewirkt. Im Schnitt arbeiteten im dritten Quartal 437.000 Menschen bei Chemieunternehmen in Deutschland - zwei Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Vor allem wegen eines drohenden Fachkräftemangels hätten Firmen neue Stellen geschaffen, erklärte der VCI. Jetzt warteten die Unternehmen aber erst die weitere Entwicklung in Europa ab.

Mit seinen Branchendaten zum dritten Quartal zeichnet der Verband ein ähnliches Bild wie die großen Chemiekonzerne bei Vorlage ihrer Quartalszahlen. Beim Branchenprimus BASF waren die Ergebnisse im Geschäft mit Industriekunden zum Teil kräftig geschrumpft. Am Mittwoch hatte der Schweizer Chemiekonzern Clariant wegen der Flaute in Europa über einen herben Gewinneinbruch berichtet. Die US-Wettbewerber DuPont und Dow Chemical hatten angekündigt, wegen der sich abschwächenden Konjunktur tausende Stellen abzubauen.

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