Deutsche Börse will sich den Zwängen der Finanzmärkte entziehen

Deutsche Börse will sich den Zwängen der Finanzmärkte entziehen

Die Deutsche Börse will unabhängiger von der Entwicklung an den Finanzmärkten werden und will die Bereiche Marktdaten, IT und das Nachhandelsgeschäft der Tochter Clearstream ausbauen.

"Dies weckt die begründete Aussicht, dass wir durch eine weitere Diversifizierung unseres Geschäfts in diese Bereiche in Zukunft auch weniger von den Konjunkturzyklen der Märkte beeinflusst werden," so Börsenchef Reto Francioni am Mittwoch bei der Hauptversammlung des Unternehmens in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

Die Deutsche Börse steht seit zwei Jahren unter Druck, weil sich Investoren wegen unsicherer Konjunkturaussichten und neuer Vorschriften der Aufseher zurückhalten. Die Umsätze im Handel Aktienhandel sind zuletzt auf das Niveau von 2005 zurückgefallen und im Derivategeschäft auf das Level von 2007.

Das Jahr 2013 werde schwierig bleiben, räumte der Schweizer ein. "Doch insbesondere der von Clearstream betriebene Nachhandel sowie das Marktdaten- und IT-Geschäft machen vorsichtig zuversichtlich für eine baldige Abkehr von den negativen Tendenzen an den Märkten."

Keine großen Fusionen mehr

Francioni hat großen Fusionen nach dem geplatzten Zusammenschluss mit der New York Stock Exchange (NYSE) abgeschworen - eine Entscheidung, die nicht bei allen Aktionären gut ankommt. Er habe den Verdacht, dass die neue Strategie auch darauf zurückzuführen sei, dass der aktuelle Vorstand nicht fähig sei, große Fusionen oder Übernahmen zum Erfolg zu führen, sagte Andreas Lang von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Vor dem Anbandeln mit der NYSE hatte die Deutsche Börse bereits ohne Erfolg über einen Zusammenschluss mit der Londoner Börse LSE und der europäischen Mehrländerbörse Euronext verhandelt.

Rückenwind durch Regulierung

Francioni wies den Vorwurf zurück, er lasse bei der Neuordnung der Börsenlandschaft Chancen verstreichen. Der Vorstand des Konzerns prüfe permanent Konsolidierungsoptionen in der Branche, der Fokus liege aber auf Wachstum aus eigener Kraft. Dabei sei man offen für Kooperationen. "Wir sehen uns in einer sehr guten Position, sich in dem sich wandelnden Marktumfeld zu positionieren." Auch von den neuen Vorschriften der Aufsichtsbehörden werde Deutschlands größter Börsenbetreiber in einigen Bereichen profitieren.

Große Hoffnungen setzt der Börse-Chef besonders auf die Abwicklung außerbörslich gehandelter Derivate. Die EU will große Teile des Derivatehandels künftig über Clearing-Häuser abwickeln und dadurch die Sicherheit und Transparenz in dem Hunderte Billionen schweren Markt erhöhen. Anders als in den USA, wo eine ähnliche Vorschrift bereits gilt, hat sich laut Francioni die Einführung entsprechender Richtlinien in Europa leider verzögert. "Wir gehen davon aus, dass die Clearing-Verpflichtung 2014 in Kraft treten wird."

Finanztransaktionssteuer als Gegenwind

Gegenwind fürchtet Francioni dagegen durch die geplante Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Wie stark die Steuer die Geschäfte der Deutschen Börse belasten werde, hänge davon ab, welche Anlageklasse sie umfasse und wie sie konkret ausgestaltet werde, sagte der Unternehmenschef. Grundsätzlich sieht er die Gefahr, dass durch eine solche Steuer Geschäfte "in weniger regulierte und intransparente Märkte abwandern".

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