Deutsche Börse zieht Clearinghaus in Asien in Betracht

Der größte deutsche Börsenbetreiber, Deutsche Börse, arbeite an Plänen zur Eröffnung eines Clearinghauses für Derivate in der Region, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Dadurch würde die Abhängigkeit vom europäischen Markt sinken, wo die Lage auch wegen regulatorischer Eingriffe schwierig ist", erklärte einer der Insider.

Deutsche Börse zieht Clearinghaus in Asien in Betracht

Börsen-Chef Reto Francioni hat Anfang des Jahres eine "Task Force Asien" ins Leben gerufen, um das Wachstum in der Boomregion zu beschleunigen. Er reagiert damit auf den mauen Handel in Europa, der sich in den nächsten Jahren nicht spürbar beleben dürfte. Viele Banken schrumpfen ihre Bilanzsummen und handeln wegen höherer Eigenkapitalanforderungen weniger. Das Zocken auf eigene Rechnung haben die meisten Institute ganz eingestellt. Zudem will die Politik das Geschäft mit spekulativen Finanzprodukten weiter zurückdrängen, unter anderem durch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer.

Die Pläne der Deutschen Börse für die Eröffnung eines Clearinghauses in Asien sind Finanzkreisen zufolge noch in einem frühen Stadium. "Konkrete Beschlüsse gibt es noch nicht", betonte ein Insider.

Abwicklungshäuser wie die Deutsche-Börse-Tochter Eurex Clearing werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Sie stellen sich bei Geschäften zwischen Käufer und Verkäufer und springen ein, falls einer der Handelspartner ausfällt. Um die Transparenz und Sicherheit im weltweit über 600 Billionen Dollar schweren Derivatemarkt zu erhöhen, wollen Aufseher rund um den Globus, dass künftig mehr Geschäfte über die Abwicklungshäuser laufen.

Go East

Wahrscheinlich sei, dass der DAX-Konzern in Asien mit einem lokalen Anbieter zusammenarbeiten werde, sagte ein Kenner des Unternehmens. "In Asien sollte man auf jeden Fall einen Partner ins Boot holen." Die Deutsche Börse wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Das Unternehmen hat erst am Mittwoch eine Kooperation mit der Börse Singapur (SGX) im wachsenden Markt für Sicherheiten-Management angekündigt. Die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream, die Wertpapiere und Sicherheiten für Banken und andere Investoren verwaltet, ist der Abwicklung nachgelagert. Es wäre somit keine große Überraschung, wenn diese Kooperation ausgeweitet würde. "Die SGX ist ein sehr interessanter Partner", sagte eine dritte mit den Überlegungen der Deutschen Börse vertraute Person. Die "Financial Times" berichtete, die Frankfurter könnten ein Clearinghaus in Singapur mit einem Partner, alternativ aber auch alleine betreiben.

Derzeit streben alle großen Börsenbetreiber nach Asien, weil sie dort in den nächsten Jahren mehr Wachstum erwarten als in den etablierten Märkten. "Die weitere Erschließung der Märkte in Asien ist auf mittlere Sicht erste Priorität", sagte Francioni. Bisher erwirtschaftet die Deutsche Börse in der Region lediglich rund fünf Prozent ihrer Umsätze.