Deutsche Banken stecken mit 143 Milliarden Euro in der Peripherie

Deutsche Banken stecken mit 143 Milliarden Euro in der Peripherie

"Die Banken stehen vor schwierigen Monaten. Die Konjunktur in Deutschland bereitet zunehmend Sorgen - steigende Insolvenzzahlen erhöhen das Risiko von Kreditausfällen", analysierte Dirk Müller-Tronnier, Leiter des Banken-Bereichs der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft, am Dienstag.

Die dafür nötige Risikovorsorge, niedrige Zinsen und die höheren Liquiditätsanforderungen drückten auf die Erträge. "Gewinne wie im Vorjahr dürften für die meisten Banken kaum zu erzielen sein", konstatierte Müller-Tronnier.

Der Negativtrend zeigte sich bereits im ersten Halbjahr. Ernst & Young hat die Zwischenberichte der größten 13 Banken analysiert. Deren Gewinne sind vor Steuern um 42 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro geschrumpft. 2,8 Milliarden verdiente allein die Deutsche Bank - doch auch für sie bedeutete das einen Rückgang um fast zwei Milliarden. Das Minus lag unter anderen an der um die Hälfte auf 2,5 Milliarden Euro gestiegenen Vorsorge für faule Kredite. Die Zinsüberschüsse sanken um sieben Prozent, die Provisionsüberschüsse um zehn Prozent. Die Krise in der Schifffahrt wirft zudem Schatten auf die nach Schätzungen der Berater mehr als 100 Milliarden Euro an Schiffsfinanzierungen in den Büchern der Institute.

Starkes Engagement in Krisenländern

In den fünf Krisenländern am Rand der Euro-Zone seien die 13 Banken immer noch mit 143 Milliarden Euro engagiert, allen voran die Deutsche Bank und die Commerzbank, heißt es in der Studie. Allein in Spanien und Italien haben die Großbanken 50 Milliarden Euro an Unternehmenskrediten vergeben, hinzu kommen 36,5 Milliarden Euro an Staatsanleihen. "So lange sich die wirtschaftliche Talfahrt im Süden Europas fortsetzt, drohen weitere Verluste aus Kreditengagements vor allem bei Banken und Unternehmen aus den Krisenländern", warnt Müller-Tronnier.

Als Reaktion auf die Risiken träten die Banken auf die Kostenbremse, schreibt Ernst & Young. Ihr Verwaltungsaufwand sank im ersten Halbjahr insgesamt um eine Milliarde Euro. Die Mitarbeiter-Zahl sank um 1,4 Prozent auf 225.000. Müller-Tronnier sieht die Branche auch weiterhin auf Schrumpfkurs: "Vor den Banken liegen magere Jahre. Alle Kostenarten müssen auf den Prüfstand gestellt werden - einschließlich der Personalausgaben."

Erfolgreicher sind die Institute beim Aufbau von dickeren Kapitalpolstern. Die Eigenkapitalausstattung der 13 untersuchten Banken habe sich im ersten Halbjahr um 4,1 Milliarden auf 150 Milliarden Euro erhöht. Weil zugleich die Risiken in der Bilanz schrumpften, stieg die durchschnittliche Kernkapitalquote auf 12,6 von 11,5 Prozent.

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