Deutsche Bank – Weniger gefährlich als gedacht

Deutsche Bank – Weniger gefährlich als gedacht

War die Deutsche Bank vor einem Jahr noch unter die vier am stärksten systemrelevanten Banken der Welt eingestuft worden, ist diese Gruppe nun auf den amerikanischen Finanzriesen JPMorgan und die britische HSBC zusammengeschrumpft, wie der Finanzstabilitätsrat (FSB) am Montagabend mitteilte.

Für die Deutsche Bank bedeutet das, dass sie von Anfang 2016 an nur einen zusätzlichen Eigenkapitalpuffer von zwei Prozent vorhalten müsste. Damit bräuchte sie von 2019 an insgesamt 9,0 Prozent hartes Kernkapital. Nach der vor einem Jahr veröffentlichten Liste wären es noch 9,5 Prozent gewesen. Ende September lag ihr Polster aus Gewinnrücklagen und Aktienkapital nach dem Basel-III-Standard bei 9,7 Prozent.

Auch die am Montag veröffentlichte Liste ist allerdings nicht das letzte Wort des FSB, der im Auftrag der wichtigsten 20 Industrie- und Schwellenländer (G20) das Finanzsystem nach der Finanzkrise neu regulieren soll. Die Kapitalaufschläge richten sich nach der "Systemrelevanz" der Banken Ende 2013. Die am Mittwoch veröffentlichte Liste basiert auf den Bilanzen von Ende 2012, die endgültige Liste soll in etwa einem Jahr bekanntgegeben werden.

Was genau zur neuen Einschätzung der Deutschen Bank geführt hat, ließen die Finanzaufseher offen. Die Veränderungen auf der nun 29 Banken umfassenden Liste ergäben sich nicht nur daraus, dass sich die Systemrelevanz einzelner Häuser geändert habe, sondern auch aus einem verbesserten Datenmaterial sowie einer veränderten Berechnungsmethode. Zu den Kriterien des FSB zählen die schiere Größe einer Bank, aber auch ihre Vernetzung im weltweiten Bankensystem und ihre Komplexität. Diese Daten werden in ein Punktesystem umgerechnet, das die Aufseher zum ersten Mal veröffentlichten. Damit wissen die Banken nun, an welchen Stellschrauben sie drehen müssen, um weniger systemrelevant zu werden - und damit weniger Kapital vorhalten zu müssen.

Mit der Deutschen Bank wurde auch die US-Investmentbank Citigroup in den zweiten "Korb" zurückgestuft, der zwei Prozent mehr hartes Kernkapital vorweisen muss als "normale" Banken. Mit den Aufschlägen für systemrelevante Banken wollen die Aufseher verhindern, dass sie sich in einer Krise darauf verlassen, dass sie wegen ihrer Bedeutung ohnehin vom Staat gerettet werden würden. Bei HSBC und JPMorgan dürfte ausschlaggebend sein, dass sie sowohl im Investmentbanking stark sind als auch einen großen Kreis schützenswerter Privatkunden haben.

Die beiden Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS finden sich weiterhin in der Kategorie drei, in der 1,5 Prozent Aufschlag verlangt werden, also insgesamt 8,5 Prozent. Die Vorschriften der Schweizer Bankenaufsicht gehen allerdings deutlich darüber hinaus. Neu auf der Liste ist nur die chinesische ICBC, die zwar riesig, aber kaum im Bankensystem vernetzt ist. Die Commerzbank war schon vor einem Jahr herausgefallen.

"Too big to fail" – Die Liste

Es folgt die FSB-Liste der systemrelevanten Banken mit Stand vom November 2013 – geordnet nach Kapitalaufschlag:

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2,5 Prozent HSBC und JPMorgan Chase
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2,0 Prozent Barclays, BNP Paribas, Citigroup und die Deutsche Bank
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1,5 Prozent Bank of America, Credit Suisse, Goldman Sachs, Crédit Agricole, Mitsubishi UFJ FG, Morgan Stanley, Royal Bank of Scotland, UBS
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1,0 Prozent Bank of China, Bank of New York Mellon, BBVA, Groupe BPCE, Industrial and Commercial Bank of China, ING Bank, Mizuho FG, Nordea, Santander, Société Générale, Standard Chartered, State Street, Sumitomo Mitsui FG, Unicredit Group, Wells Fargo

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