Deutsche Bank – alte Probleme, neues Kursgemetzel

Deutsche Bank – alte Probleme, neues Kursgemetzel

Es war der größte Kursrutsch seit Ende September. Vor allem eine Studie des Erzrivalen Goldman Sachs schlug den Anlegern aufs Gemüt. Darin stuften die Analysten die Aktie des deutschen Branchenprimus auf "verkaufen" herab und begründeten das mit neuen Sorgen um die Kapitalausstattung.

Eine Klage der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi gegen die Deutsche Bank wegen verlustträchtiger Derivatedeals drückte zusätzlich auf die Stimmung, so dass die Aktie die Liste der Dax-Verlierer anführte.

Nach Ansicht der Goldman-Analysten muss die Deutsche Bank 13 Milliarden Dollar in ihre US-Tochter nachschießen, wenn sie die absehbar höheren Kapitalanforderungen in den USA erfüllen will. "Ein solcher interner Transfer dürfte die Kapitalausstattung der Bank außerhalb des US-Geschäfts deutlich schmälern - was wiederum den Druck in Sachen Kapitalerhöhung erhöhen könnte", hieß es in der Studie.

Die Notenbank Fed tüftelt derzeit an Plänen, dass alle Auslandsbanken ihr gesamtes US-Geschäft einer Holdingstruktur nach US-Standards unterstellen. Ziel ist es, Schlupflöcher in der Regulierung zu schließen, wie die Fed im November erklärt hatte. Für Europas Großbanken könnte das neue Belastungen bedeuten. Die Deutsche Bank etwa hatte die Holdingstruktur für ihr US-Geschäft Anfang 2012 verschlankt und eine Ebene herausgenommen. Das Geschäft in den USA sei ausreichend kapitalisiert, hieß es damals. Allerdings haben seither auch schon andere Analysten einen Milliardenbedarf errechnet, sollten die Fed-Pläne umgesetzt werden. Espirito Santo kam vor einigen Monaten sogar zu dem Ergebnis, dass die Deutsche Bank rund 15 Milliarden Dollar in ihre sogenannte Taunus-Gesellschaft nachschießen müsste.

Die Deutsche Bank hatte eigentlich gehofft, die immer wieder aufkeimenden Spekulationen über eine Kapitalerhöhung mit den Zahlen 2012 zu beenden. Denn sie kam hier einen großen Schritt voran, weil der neue Co-Vorstandschef Anshu Jain dem Kapitalaufbau alles andere unterordnete, auch den Gewinn: Per Ende Dezember lag die harte Kernkapitalquote (Core Tier 1) nach den strengeren Basel-III-Regeln bei acht Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch weniger als sechs Prozent. Die Bank hatte Wertpapiere im Volumen von 120 Milliarden Euro in eine interne "Bad Bank" geschoben und sich damit Entlastung verschafft. Diese unliebsamen Bestände sollen nun beschleunigt abgebaut werden - auch unter Inkaufnahme von Verlusten.

Die Analysten von Keefe, Bruyette & Woods (KBW) finden die Fortschritte beim Kapitalaufbau überzeugend, wie sie in dieser Woche in einer Studie schrieben. "Das Taunus-Thema macht uns zwar durchaus Sorgen", hieß es darin. Die Deutsche Bank könne das Problem aber lösen, ohne bei der Kapitalausstattung auf Konzernebene in die Bredouille zu kommen.

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