Deutsche Bank, beliebt wie selten... bei Analysten

Deutsche Bank, beliebt wie selten... bei Analysten

So beliebt wie derzeit war die Aktie der Deutsche Bank bei Analysten seit sechs Jahren nicht mehr. Mit einer Kapitalerhöhung im Volumen von drei Milliarden Euro hat die größte Bank in Kontinentaleuropa die Bedenken des Marktes über ihre Finanzkraft zerstreut.

66 Prozent, oder 27 von 41 Analysten, die die Deutsche Bank beobachten, empfehlen ihren Kunden die Aktie zum Kauf. Vor der Entscheidung zur Kapitalerhöhung im April waren es nur 49 Prozent, wie Bloomberg-Daten zeigen. Das ist der höchste Anteil seit April 2007, und die Deutsche Bank ist die einzige der vier größten europäischen Investmentbanken, die dabei zum Vormonat einen Zuwachs verzeichnen konnte.

Die Deutsche Bank hatte weniger Kapital für die Abdeckung risikoreicherer Vermögenswerte zurückgestellt als Barclays und Credit Suisse Group AG. Das hatte Sorgen über ihre Finanzkraft ausgelöst. So warnte Standard & Poor’s im März vor einer Ratingabstufung und verwies auf Rechtsstreits und auf Pläne der der US-Notenbank Federal Reserve zur Anhebung der Kapitalausstattung bei US-Töchtern ausländischer Banken.

Plus zehn Prozent seit Kapitalerhöhung

Die Aktie der Deutschen Bank hat seit der Kapitalerhöhung vom 30. April im Kurs zehn Prozent zugelegt, doppelt so viel wie der Bloomberg Europe Banks & Financial Services Index mit fünf Prozent. “Die Probleme, vor denen sie stehen, sind nicht gelöst, aber sie sind auf dem Weg dahin”, lobt Antoine Burgard, Analyst bei Natixis SA in Paris, der seine Anlageempfehlung am Tag der Aktienplatzierung von “Neutral” auf “Kaufen” anhob. Und fügt an: “Die Solvenz ist jetzt auf dem richtigen Niveau.”

Seit einem Kurshoch bei 108,138 Euro im Mai 2007 hat die Deutsche-Bank-Aktie rund 66 Prozent verloren. Belastung kam durch den Zusammenbruch von Lehman Brothers Holdings Inc., der die Kreditmärkte zum Erliegen brachte, die europäische Schuldenkrise, die das Wirtschaftswachstum ausbremste und strengere Kapitalregeln, die die Profitabilität schwächten. Am Freitag am Vormittag wurde die Aktie bei 35,80 Euro gehandelt.

Investoren bleiben skeptisch. Im Vergleich zum Buchwert ihrer Vermögenswerte werden Deutsche Bank-Aktien niedriger gehandelt als die Wettbewerber. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis lag am Dienstag bei 0,60 unter dem Durchschnitt von 0,84 im Bloomberg Europe Banks and Financial Services Index. Es handelt sich um ein Zeichen, dass Investoren nicht überzeugt sind, dass die Bank ihre Vermögenswerte richtig bewertet. Die durchschnittliche Kurserwartung für die Aktie auf Sicht von zwölf Monaten liegt bei 39,86 Euro.

“Das Kapital war das Hauptproblem und war für die unterdurchschnittliche Entwicklung der Aktie in den letzten Monaten wesentlich verantwortlich”, sagte Jon Peace, Analyst bei Nomura Holdings Inc. in einem Telefoninterview aus London. Peace hob seine Empfehlung am Tag der Kapitalerhöhung von “Reduzieren” auf “Neutral” an.

Zum Vergleich: 39 Prozent der Analysten empfehlen den Kauf der Credit-Suisse-Aktie, die ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,02 hat. 71 Prozent der Analysten bewerten Barclays Plc mit “Kaufen”, genauso viele wie im letzten Monat, und 47 Prozent empfehlen die größte Bank der Schweiz, die UBS zum Kauf.

Knapp zehn Prozent Eigenkapital (Tier 1)

Die beiden Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, haben die Gesamtkapitalquote Tier 1 nach Basel III von 7,8 Prozent Ende 2012 und weniger als sechs Prozent 2011 auf nunmehr 9,6 Prozent angehoben. Bei Barclays lag die Tier-1-Quote Ende des ersten Quartals bei 8,4 Prozent und UBS kam auf 10,1 Prozent.

Gleichwohl raten fünf von 41 Analysten zum Verkauf der Deutsche-Bank-Aktie. Die Deutsche Bank hat ihre Eigenkapitalquote auch dadurch erhöht, indem sie die Berechnungsweise ihrer Risikoaktiva verändert und das Volumen der riskanteren Aktiva reduziert hat.

Jernej Omahen, Analyst bei Goldman Sachs Group in London, stellt in Frage, ob die höhere Eigenkapitalquote die Investoren beruhigt, da sie auf den eigenen Einschätzungen der Bank zu ihren Risiken beruht: “Ist die Kapital-Debatte wirklich vorüber”, fragt er in einem per E-Mail verbreiteten Bericht vom 29. April, in dem er seine Verkaufsempfehlung für die Aktie bekräftigt.

JPMorgan hatte ihre Anlageempfehlung am 30. April auf “Übergewichten” angehoben, diesen Schritt in der vergangenen Woche jedoch wieder rückgängig gemacht und die Deutsche-Bank-Aktie auf “Neutral” gesetzt. Grund dafür war Besorgnis über verbriefte Produkte der Bank. Unter den größten europäischen Investmentbanken würde die Deutsche Bank voraussichtlich am härtesten getroffen, wenn im kommenden Jahr Pläne Realität werden sollten, die für solche Produkte eine höhere Kapitalunterlegung vorsehen. “Die Deutsche Bank ist noch nicht über den Berg”, stellte der JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein fest, “und wir rechnen mit anhaltend hohen Eigenkapitalkosten.”

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