"Der GrEXIT ist nur verschoben"

"Der GrEXIT ist nur verschoben"

Auch nach dem Wahlsieg der Reformkurs-Befürworter in Griechenland müssen sich Anleger auf unruhige Zeiten an den Finanzmärkten einstellen.

Nach Aussage von Börsianern sind Kursrückschläge jederzeit möglich, wenn sich die Lage in Griechenland oder den anderen Krisen-Staaten der Euro-Zone wie Spanien und Italien verschlechtert. "Dieses Wahlergebnis ist das Worst-Case-Szenario", sagt Heino Ruland von Ruland Research. "Denn dadurch wird ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nur hinausgezögert."

Auch für Andrew Bosomworth, Fondsmanager und Deutschland-Chef des Vermögensverwalters Pimco, ist der "Grexit" - also der Austritt Griechenlands aus dem gemeinsamen Währungsraum - nur eine Frage der Zeit. "Wir kommen zu dem Schluss, dass Griechenland nicht in der Lage ist, die Standards aufrecht zu erhalten, um Mitglied der Euro-Zone zu bleiben. Wir stellen auch die Bereitschaft der übrigen Euro-Staaten infrage, Griechenland mitzuschleppen." Eine Entscheidung hierüber müsse noch in diesem Jahr fallen.

Schlechtes Krisenmanagement

Trevor Greetham, der die Investitionsentscheidungen des Vermögensverwalters Fidelity Worldwide Investment verantwortet, stellt zudem den bisherigen Bemühungen zur Eindämmung der Schuldenkrise ein schlechtes Zeugnis aus. "Es wird zunehmend klarer, dass die Politik eines rigorosen Sparkurses die Staatsverschuldung nicht verringern kann. Darüber hinaus schwächt sich das weltweite Wachstum ab." Er halte sich daher mit Investitionen in Aktien oder Rohstoffe zurück.

Analystin Michala Marcussen von der Societe Generale bezweifelt zudem, dass die europäischen Politiker bei ihrem geplanten Gipfel Ende des Monats große Fortschritte zur Bildung einer umfassenden Fiskalunion - aus Sicht vieler Börsianer der einzige Weg zu einer nachhaltigen Überwindung der Schuldenkrise - machen werden. "Damit bleiben die Märkte und die Volkswirtschaften anfällig für neuen Druck."

Erleichterung verpufft schon wieder

Bei der Wahl in Griechenland errangen die konservative "Neue Demokratie" (ND) unter ihrem Vorsitzenden Antonis Samaras und die sozialistische Pasok die Mehrheit der Parlamentssitze. Beide Parteien befürworten den bisherigen Sparkurs.

Ein Garant für eine stabile und durchsetzungsfähige Regierung sei das Wahlergebnis aber nicht, warnen die LBBW-Analysten Jens-Oliver Niklasch und Gernot Griebling in einem Kommentar. "Die Mehrheit der beiden Altparteien ND und Pasok ist sehr schmal." Zudem werde die links-radikale Syriza, zweitstärkste Kraft im Parlament, alle Sparbeschlüsse sicher heftig bekämpfen. "Wie lange unter solchen Umständen die Entschlossenheit von Samaras anhält, sich an die Vereinbarungen mit den Geldgebern zu halten, muss offen bleiben."

Die Erleichterung der Investoren über den Wahlausgang hielt am Montag entsprechend kurz an. Der DAX konnte seine Anfangsgewinne nicht halten, der EuroStoxx50 gab sie sogar komplett wieder ab. Der Euro und die Staatsanleihen Italiens und Spaniens drehten sogar ins Minus. "Letzten Endes haben wir jetzt den Status Quo von Ende April mit dem Unterschied, dass es damals eine Regierung gab", fasst ein Börsianer die Lage zusammen. "Es heißt jetzt Mund abwischen und weitermachen, die Krise hat inzwischen ohnehin das Unendlichkeitsstigma."

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