Der China-Boom ist für Richemont vorbei

In den ersten fünf Monaten des laufenden Geschäftsjahres stieg der Umsatz in Asien ohne Japan um vier Prozent, wie Richemont am Donnerstag mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es noch zwölf Prozent gewesen. In Hongkong und Macao sei das Geschäft gut gelaufen, aber in China hätten sich die Käufer zurückgehalten, erklärte der Konzern, dem unter anderem die Uhren- und Schmuckfirma Cartier und Luxusuhrenhersteller wie IWC und Jaeger-LeCoultre gehören.

Der China-Boom ist für Richemont vorbei

Insgesamt nahmen die Verkäufe zu konstanten Wechselkursen um neun Prozent zu nach einem Plus von 13 Prozent im Vorjahr. Der festere Euro hinterließ zusätzliche Spuren. Zu laufenden Wechselkursen gerechnet erhöhte sich der Umsatz um vier Prozent. Absolute Zahlen legt der Konzern für die fünf Monate von April bis August üblicherweise nicht vor. Im vergangenen Geschäftsjahr per Ende März kam Richemont auf einen Umsatz von gut zehn Milliarden Euro. Davon stammten 41 Prozent aus der Region Asien-Pazifik.

Hoffnungsträger Japan

In Japan laufe das Geschäft gut, sagte Richemont-Präsident und Hauptaktionär Johann Rupert, der ein einjähriges Sabbatical antritt. Das Konjunkturprogramm der Regierung zeige Wirkung. "Der Wohlfühl-Faktor ist da. Wenn der (Börsenindex) Nikkei steigt, wird mehr Luxus gekauft", sagte er am Rande der am gleiche Tag stattfindenden Aktionärsversammlung in Genf. Das komme auch Rivalen wie LVMH oder Kering zugute. Richemont habe in Japan die Preise erhöhen können.

Die Wachstumsverlangsamung in China sei kein Grund zur Sorge. Das Potenzial des Marktes sei absolut einzigartig. "Sie kaufen nicht mehr so viel in China selbst, aber sie kaufen, wenn sie auf Reisen sind", sagte er. Bei Rivalen wie Tiffany, Prada und Coach lief das China-Geschäft zuletzt gut. Vor allem Diamanten seien bei Chinas Reichen gefragt, stellte Tiffany Ende August fest. Teure Geschenke unter Geschäftsfreunden sind nach einer Anti-Korruptionskampagne der Regierung hingegen nicht mehr so üblich wie früher.

Schweizer Uhrenexporte gesunken

Die Schweizer Uhrenexporte nach China sanken zwischen Januar und Juli um 17 Prozent. Im Juli fiel der Rückgang allerdings geringer aus als in den ersten sechs Monaten. Der Lokalrivale Swatch rechnet damit, dass das China-Geschäft in der zweiten Jahreshälfte wieder an Fahrt aufnimmt. "Die Situation in China normalisiert sich", sagte Konzernchef Nick Hayek Ende Juli bei der Vorlage des Halbjahresberichts. Aber auch Swatch musste sich wegen des abflauenden Booms in China zunächst von zweistelligen Wachstumsraten verabschieden.

Analysten hatten bei Richemont mit einem Verkaufwachstum von knapp 9,5 Prozent gerechnet. Die Richemont-Aktie, die dieses Jahr rund 30 Prozent zulegte, verlor im späten Handel 2,5 Prozent. Swatch gaben 0,5 Prozent nach.