Debakel für die Lufthansa - Mayrhuber beerdigt Aufsichtsrats-Pläne

Debakel für die Lufthansa - Mayrhuber beerdigt Aufsichtsrats-Pläne

Ex-Chef Wolfgang Mayrhuber beerdigte nach heftiger Aktionärskritik den Plan, in das Kontrollgremium einzuziehen. Mayrhuber habe wegen der Kritik aus Eigentümerkreisen erklärt, nicht für das Amt zur Verfügung zu stehen, teilte die Lufthansa am Montag mit. Es galt als sicher, dass der Österreicher Mayrhuber die Nachfolge von Jürgen Weber an der Spitze des Aufsichtsrats übernimmt.

Der Zeitpunkt für den Rückzug ist überraschend: Die Lufthansa machte die Berufung bereits vor acht Monaten publik und musste seitdem viel Kritik dafür einstecken. Die Fluglinie steht nun vor einem Scherbenhaufen und muss schnell einen neuen Kandidaten aus dem Hut zaubern. Der Druck ist groß: Das Aktionärstreffen findet am Dienstag in Köln statt.

Zum Verhängnis wurde dem Österreicher Mayrhuber die Kritik von Investoren. Neben Union Investment oder Templeton legte insbesondere der einflussreiche Aktionärsberater ISS den Lufthansa-Aktionären nahe, gegen den Ex-Konzernchef zu votieren. Nach ihrer Ansicht ist seit seinem Ausscheiden bei der Lufthansa zu wenig Zeit vergangenen, weshalb er die Arbeit des derzeitigen Chefs Christoph Franz nicht effektiv kontrollieren kann.

Mayrhuber war 2010 nach sieben Jahren an der Spitze der Lufthansa abgetreten. In Deutschland gilt eine Abkühlperiode von zwei Jahren als ausreichend - ISS ist da strenger und fordert fünf Jahre. Die Empfehlungen von Aktionärsberatern haben insbesondere in den USA Gewicht, da sich viele Fondsmanager nach ihnen richten. Die Kritik geht aber noch weiter: Unter anderem halte Mayrhuber zu viele Kontrollposten bei anderen Unternehmen, um sich auf die Herausforderungen der Lufthansa zu konzentrieren, erklärte ISS. Derzeit leitet Mayrhuber das Kontrollgremium des Halbleiterherstellers Infineon und sitzt im Aufsichtsrat des Rückversicherers Munich Re und von BMW. Sein Verwaltungsratsmandat bei der Großbank UBS legte der 66-jährige vergangene Woche nieder.

ISS – Front auch gegen T-Mobile USA und MetroPCS

Die Lufthansa ist nicht der erste DAX-Konzern, den ISS zum Umsteuern zwingt. Die Berater machten vor einem Monat auch Front gegen die Fusion der Telekom-Krisentochter T-Mobile USA mit dem US-Rivalen MetroPCS. Der Bonner Konzern knickte ein und versüßte nach längeren Hickhack seine Übernahmeofferte.

Die Fondsgesellschaft Union Investment, die sich zuvor gegen die Berufung von Mayrhuber ausgesprochen hatte, zeigte sich zufrieden. Mayrhuber verkörpere die alte Lufthansa, sagte Fondsmanager Ingo Speich der Online-Ausgabe des "Handelsblatts". "Wir bevorzugen einen unabhängigen Chefkontrolleur, der die Lufthansa kennt."

Der 71-jährige Aufsichtsratchef Weber hatte die Stabübergabe schon lange vorbereitet und Mayrhuber bereits 2010 als seinen Wunschkandidaten bezeichnet. Die Bilanz des Österreichers wird auch innerhalb der Lufthansa heiß diskutiert. Er trieb den Expansionskurs der Lufthansa voran und übernahm Airlines wie Austrian (AUA) oder Swiss. Später liefen aber die Kosten aus dem Ruder. Nachfolger Franz korrigiert die Offensive nun seit 2011 mühsam, hat Fehlkäufe wie die britische BMI abgestoßen, den Verlustbringer Austrian mit harter Hand saniert und den hauseigenen Billigflieger Germanwings massiv ausgebaut. Der Kurs geht auch an den Mitarbeitern nicht vorbei - 3.500 Jobs fallen weg. Mit der Rosskur will der Dax-Konzern sein operatives Ergebnis bis 2015 auf 2,3 Mrd. Euro erhöhen. Damit will Franz langfristig die Unabhängigkeit des stolzen Unternehmens bewahren.

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