Dax knackt 10.000 Punkte - und wie geht es jetzt weiter?

Dax knackt 10.000 Punkte - und wie geht es jetzt weiter?

Kursgewinne sind nur gesund, wenn sie auf eine gute konjunkturelle Entwicklung zurückzuführen sind. Allerdings wird es noch dauern, bis die Maßnahmen der EZB in der Realwirtschaft greifen.

Die 10.000 Punkte sind geknackt, doch am deutschen Aktienmarkt hält sich die Feierstimmung in Grenzen. Viele Marktexperten bezweifeln, dass sich der Dax in naher Zukunft deutlich jenseits der magischen Marke etablieren kann. Die Luft werde zunehmend dünner, schrieben die Analysten der NordLB in einem Kommentar. Weitere Kursgewinne wären nur gesund, wenn der Anstieg auf eine gute konjunkturelle Entwicklung zurückzuführen sei. "Diese aber liegt angesichts des Eingreifens der EZB offenbar gerade nicht vor."

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am Donnerstag ein ganzes Bündel von Maßnahmen angekündigt, um die Kreditvergabe in der Euro-Zone anzukurbeln und eine Spirale aus fallenden Preisen und rückläufigen Investitionen (Deflation) zu verhindern. Neben der Senkung der Leitzinsen auf rekordniedrige 0,15 Prozent beschloss die EZB einen Strafzins für Banken und neue milliardenschwere Geldspritzen.

Der Dax, der zuletzt von Rekordhoch zu Rekordhoch eilte, kletterte zeitweise knapp über 10.000 Punkte. Am Freitag verabschiedete sich der Leitindex mit einem Plus von 0,4 Prozent bei 9987 Punkten ins Wochenende. Im Vergleich zur Vorwoche legte der Dax ebenfalls 0,4 Prozent zu.

Auch die Wall Street konnte in den vergangenen Tagen neue Höchststände verzeichnen: Der Dow-Jones-Index kam auf ein Wochenplus von 1,2 Prozent, während sich der S&P 500 um 1,3 Prozent verbesserte und die Nasdaq um 1,9 Prozent kletterte. Mit Spannung wird in New York nun darauf gewartet, wann der S&P 500 die Marke von 2000 Punkten knacken wird. Am Freitag war er bei 1949 Zählern aus dem Handel gegangen.

Warten auf Effekt in der Realwirtschaft

Für Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM ist ein Rücksetzer des Dax in Richtung der 9800er Marke in den nächsten Tagen wahrscheinlicher als ein neuer Anlauf auf die 10.000 Punkte. Die Notenbanker hätten vieles von ihrem Pulver mit den jüngsten Beschlüssen verschossen. "Und was die tatsächlichen realwirtschaftlichen Effekte angeht, werden die Auswirkungen dieser Geldpolitik noch längere Zeit auf sich warten lassen", sagte der Experte.

Wie es um die Wirtschaft der Euro-Zone bestellt ist, dürften in der neuen Woche die Zahlen zur Industrieproduktion zeigen (Donnerstag). Commerzbank-Analyst Christoph Balz erwartet, dass der etwas nachlassende Rückenwind der Weltwirtschaft und der starke Euro die Industrie im April belastet haben dürften. Das prognostizierte Plus von 0,4 Prozent sei kaum mehr als eine Gegenbewegung auf den Rücksetzer von 0,3 Prozent im März. "Auch in den kommenden Monaten dürfte die Industrieproduktion in der Tendenz stagnieren," meint Balz. In den USA stehen unter anderem der Einzelhandelsumsatz (Donnerstag) und die Erzeugerpreise (Freitag) für Mai auf der Agenda.

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