"Das Wort AWD war nicht mehr attraktiv"

"Das Wort AWD war nicht mehr attraktiv"

Den Preis, den Swiss Life damals für AWD gezahlt hatte, bezeichnet er mittlerweile allerdings als zu hoch. "Heute würde ich nicht denselben Preis bezahlen", sagte Pfister der "NZZ am Sonntag".

Zusätzlich zum Börsenwert habe man damals die übliche Prämie bezahlt - "basierend auf den Plänen, die wir hatten". Doch diese hätten sich nicht verwirklicht: "Das ist ärgerlich, enttäuschend - aber strategisch war der Kauf richtig", so der Konzernchef.

Pfister räumte gegenüber der Zeitung ein, dass die Probleme mit der Sorgentochter AWD zu Problemen bei der Rekrutierung von Beratern geführt hatten. Das Image des Unternehmens habe vor allem wegen der Klagen in Deutschland und Österreich gelitten. "Das Wort AWD war für Berufseinsteiger nicht mehr attraktiv", sagte Pfister. Alle anderen Vertriebe von Swiss Life hätten diese Rekrutierungsprobleme nicht gehabt.

"Finanz und Wirtschaft" sagte Pfister, dass das Restrisiko einer zusätzlichen Abschreibung auf den AWD-Firmenwert "sehr, sehr klein" sei. Im Hinblick auf die Gewinnperspektiven von Swiss Life strebe man die Festigung der Ertragskraft und die Verringerung der Schwankungen an. So sollen 60 bis 70 Prozent des Gewinns aus Risikoprämien, Gebühren und Kommissionen stammen. In den nächsten drei Jahren plane man eine Steigerung des Gewinns. "Was 2013 betrifft, so wird die Rechnung durch 45 bis 50 Millionen Restrukturierungskosten belastet."

Neben einer Verbesserung der Ertragsqualität will das Unternehmen auch die Effizienz steigern. In den vergangenen drei Jahren habe man die Kostenbasis um mehr als 400 Mio. Schweizer Franken (332 Mio. Euro) gesenkt. "Nun wollen wir weitere 130 bis 160 Millionen Franken einsparen, davon 90 bis 110 Millionen an Verwaltungskosten", so der Swiss Life-Chef. Weitere 40 bis 50 Mio. Franken kommen von variablen Vertriebskosten.

Ärger aller Orten

Ebenso wie der Konzernchef bedauert der Verwaltungsratspräsident von Swiss Life, Rolf Dörig, die Abschreibung von 576 Mio. Franken. "Die Wertminderung ärgert mich und trifft mich persönlich stark", sagte er zur "SonntagsZeitung". Insbesondere, weil er als früherer Konzernchef "einer der Hauptverantwortlichen" für den AWD-Kauf war. Einen Rücktritt habe er jedoch stets ausgeschlossen.

Dörig verneint die Frage, ob er sich bei den Übernahmeverhandlungen von AWD-Gründer Carsten Maschmeyer habe blenden lassen. Auch habe man genügend Zeit für die Bewertung erhalten. Dass es dennoch zu der großen Abschreibung kam, liege an der falschen Beurteilung der Situation: "Wir müssen uns eingestehen, dass wie die Wachstumsmöglichkeiten in Osteuropa und Österreich überschätzt hatten."

AWD ist in Österreich wegen des Verkaufs von Immobilienaktien mit tausenden Anlegerklagen konfrontiert. Verbraucherschützer werfen dem Finanzvertrieb vor, klassischen Sparbuchsparern risikoreiche Produkte angedreht zu haben, ohne sie über die Verlustgefahren aufzuklären. Der AWD hat den Vorwurf der systematischen Fehlberatung stets zurückgewiesen und spricht von Einzelfällen.

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