"Das ist Voodoo-Ökonomie"

"Das ist Voodoo-Ökonomie"

"Das System ist: Die spanische Regierung rettet die spanischen Banken, und die spanischen Banken retten die spanische Regierung", sagte Stiglitz in einem Reuters-Interview.

Dies könne nicht funktionieren. Stattdessen müsse Europa die Schaffung eines gemeinsamen Bankensystems und einer Fiskalunion vorantreiben.

"Man muss sich dem zugrundeliegenden Problem stellen, und das ist: das Wachstum zu fördern", sagte der frühere Wirtschaftsberater des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton, der als scharfer Kritiker von Sparprogrammen gilt. "Deutschland hält daran fest, dass die Stärkung durch Haushaltsdisziplin kommt, aber das ist ein komplett falsche Diagnose", warnte Stiglitz. Der Preis, den Deutschland für einen Zerfall des Euro zahlen müsse, sei höher als der Preis für die Rettung der Gemeinschaftswährung.

Auch China hat zurückhaltend auf die vereinbarten europäischen Hilfen für Spaniens Banken reagiert. "Wir hoffen, dass diese Maßnahmen hilfreich sein werden, die Krise einzudämmen", sagte der stellvertretende Finanzminister Zhu Guangyao am Montag vor der Presse.

Der Zentralbank-Vertreter Zhu Jun ergänzte, die Euro-Zone habe die Ressourcen, ihre eigenen Probleme zu lösen. Er bekräftigte allerdings zugleich, China werde sich Plänen nicht entziehen, die Finanzausstattung des Internationalen Währungsfonds (IWF) aufzustocken.

Märkte erleichtert

An den Finanzmärkten herrscht deutliche Erleichterung über die vereinbarten europäischen Finanzhilfen für die spanischen Banken. In Asien legten am Montag die Aktienmärkte und der Euro kräftig zu. "Vergangene Woche wartete jeder darauf, dass die politisch Verantwortlichen handeln", sagte Marktanalyst Masayuki Doshida von Rakuten Securities. "Daher sind die Investoren jetzt wieder etwas beruhigt, nachdem die Rettungsaktion für Spanien beschlossen ist."

Spanien will nach langem Widerstand nun doch Gelder aus den Euro-Rettungsfonds zur Rekapitalisierung seiner maroden Geldhäuser beantragen. Die Euro-Finanzminister erklärten sich bereit, dem Land bis zu 100 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Ich bin zuversichtlich, dass dies ein starkes Signal an die Märkte senden wird, dass die Euro-Zone bereit ist, Spanien in seinen Anstrengungen zu unterstützen, seinen Bankensektor zu restrukturieren und rekapitalisieren."

Der Umfang des Rettungspakets ist größer als von vielen Investoren erwartet. Die Märkte wurden in den vergangenen Wochen von der Angst beherrscht, die Krise in der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone könne sich noch stärker ausweiten und der Weltkonjunktur zusätzlich schaden.

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