Das System der US-Zentralbank Federal Reserve

Das System der US-Zentralbank Federal Reserve

Die US-Notenbank ist die mächtigste Bank weltweit. Kürzlich feierte sie ihr 100-jähriges Bestehen. Fed-Chefs gelten als Magier der Märkte, die den Börsenkurs bestimmen

Seit 100 Jahren wacht die Federal Reserve in Washington über das Wohl der amerikanischen Konjunktur. Ihre Entscheidungen können die Weltwirtschaft beflügeln oder erschüttern.

Die Fed gilt als mächtigste Notenbank auf dem Globus und ist unentbehrlich für die weltgrößte Volkswirtschaft und kann auf einige Erfolge in ihrem hundertjährigen Bestehen zurückblicken. Sie musste die Wirtschaft des Landes durch die Große Depression steuern, durch Kriege und rund ein Dutzend Rezessionen. Weitgehend unabhängig von der Politik kontrolliert und reguliert sie die Banken und beeinflusst die Bedingungen für die Kreditvergabe. Ihre Hauptziele: Eine möglichst hohe Beschäftigung und stabile Preise. 1791 errichtet erstmals der US-Kongress mit der First Bank of the United States eine zentrale Bank ein. Ihr Hauptsitz ist Philadelphia. In der Folge scheitern die Versuche eine Zentralbank einzurichten. Mitte des 19. Jahrhunderts ist von der Ära des "Free Banking" die Rede: Banken existieren nur auf Ebene der Bundesstaaten. Sie tauschen Geld gegen Hartwährung wie Gold oder Silber ein. 1863 und 64 ermöglicht der "National Banking Act" die Gründung tausender landesweiter Banken, welche die von der US-Regierung gedruckte Währung ausgeben. 1913 unterschreibt US-Präsident Woodrow Wilson den Federal Reserve Act. Damit wird ein Zentralbanken-System eingerichtet, zu dem 12 regionale Banken gehören. Sie sollen unter anderem den Einfluss der Wall Street auf die Finanzen abschwächen. Die Fed fungiert seit den 1950ern als unabhängige Kontrollinstanz über die Geldpolitik, während das Finanzministerium für die Staatsfinanzen zuständig ist. In den 70ern verabschiedet der US-Kongress eine Reihe von Reformen, die der Fed ein Doppelmandat auferlegen: Damit ist sie für stabile Preise zuständig, aber auch dafür, für größtmögliche Beschäftigung am Arbeitsmarkt zu sorgen.

1979-87: Fed-Chef Paul Volcker bekämpft die galoppierende "Stagflation" - eine gefährliche Kombination aus wirtschaftlicher Stagnation und Inflation - mit Zinserhöhungen und schürt damit die Rezession 1982-83. Dafür bleiben die Preise in den darauffolgenden Jahren relativ stabil.

1987-2006: Fed-Chef Alan Greenspan führt die Praxis ein, nach Sitzungen Auskunft über die Notenbank-Politik zu geben. Seine Worte werden an der Wall Street auf mögliche Hinweise auf künftige Zinshöhen genau analysiert. Greenspan, am Ende dienstältester Fed-Chef, manövriert 1987 durch den Börsen-Crash und 1997-98 durch die asiatische Finanzkrise.

Nach 2008: In der schlimmsten Finanzkrise nach dem Zweiten Weltkrieg gerät Greenspan in die Kritik. Er habe die Zinsen nach dem 11. September 2001 zu lange zu niedrig gehalten und damit die Preisblase am Immobilienmarkt begünstigt, deren Platzen die Krise auslöste. Zudem wird ihm vorgeworfen, er habe die Risikobereitschaft der Banken angesichts fauler Hypothekenkredite nicht genug im Blick gehabt.

31. Januar 2013: Fed-Präsident Ben Bernanke stemmt sich mit ultralockerer Geldpolitik gegen schwächelnde Konjunktur und anhaltend hohe Arbeitslosigkeit. Der Leitzins bleibt - wie seit Dezember 2008 - nahe Null. Zudem wird angekündigt, Monat für Monat Anleihen im Volumen von 85 Milliarden US-Dollar aufzukaufen. Ende Dezember verkündet Bernanke den allmählichen Einstieg in den Ausstieg aus diesem Programm.

1. Februar 2014: Die bisherige Vize-Chefin Janet Yellen wird zur Fed-Präsidentin ernannt und damit nach 14 männlichen Vorgängern die erste Frau im Amt.

Kritik an der US-Zentralbank

Die Fed ist alles andere als sicher vor Kritik. Ihre Hilfe für die Wirtschaft nach dem Schwarzen Dienstag von 1929 an der Wall Street hielten viele für zu schwach. Volckers massive Zinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation rissen das Land 1980 in eine Rezession. Greenspan wird vorgeworfen, er habe die Immobilienblase, die 2007 zur schwersten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg führte, nicht nur übersehen, sondern auch noch gefördert. Und Bernanke muss sich anhören, als Reaktion darauf mit seiner Politik des ultrabilligen Geldes überreagiert zu haben.

Es gibt genügend Amerikaner, die die Notenbank lieber heute als morgen abschaffen wollen. Im kommenden Jahr soll sie nach dem Willen einiger Republikaner im US-Kongress ausführlich auf den Prüfstand kommen. Sie handle "ohne Regeln, ohne irgendeine Verantwortung", klagt etwa der ausgesprochene Fed-Gegner Rand Paul. "Das amerikanische Volk hat ein Recht zu wissen, was die Institution mit dem Geldangebot dieser Nation macht", schrieb der Senator in einem Zeitungskommentar. "Die Federal Reserve muss überprüft werden."

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