Das Ende einer Ära – Cromme kehrt ThyssenKrupp den Rücken

Das Ende einer Ära – Cromme kehrt ThyssenKrupp den Rücken

Der 70-jährige verzichte zum Monatsende auf den Vorsitz des Kontrollgremiums, teilte ThyssenKrupp am Freitag mit. Cromme erklärte, er wolle mit seinem Rückzug "auch im Aufsichtsrat einen personellen Neuanfang ermöglichen".

Starker Mann im Konzern ist nun Konzernchef Heinrich Hiesinger. ThyssenKrupp war zuletzt von Milliardenverlusten, Kartellverstößen und dem Rauswurf des halben Vorstands erschüttert worden. Auch bei der mächtigen Krupp-Stiftung nimmt Cromme seinen Hut.

Mit Cromme kehrt einer der mächtigsten und einflussreichsten deutschen Manager ThyssenKrupp den Rücken. Cromme ist auch Mitglied des Aufsichtsrats bei Axel Springer und Vorsitzender des Kontrollgremiums von Siemens. Ein Siemens-Sprecher wollte sich nicht zu Crommes Rückzug bei ThyssenKrupp äußern und betonte, der Schritt sei "eine klare Angelegenheit von ThyssenKrupp". Bei der vergangenen Siemens-Hauptversammlung musste sich Cromme angesichts einer milliardenschweren Pannenserie Kritik von Aktionären anhören, er schaue dem Vorstand nicht genau genug auf die Finger. Zudem forderten den 70-Jährigen einige Anteilseigner auf, sich langsam nach einem Nachfolger an der Spitze des Aufsichtsrats umzuschauen. Allerdings wählten die Aktionäre Cromme mit großer Mehrheit erneut in den Aufsichtsrat.

Cromme zieht nun einen kompletten Schlussstrich unter seine Zeit im ThyssenKrupp-Aufsichtsrat: Er bat auch den ThyssenKrupp-Großaktionär Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, seine Entsendung in das Kontrollgremium zu beenden. Cromme werde ebenfalls sein Amt als stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender und Mitglied der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung niederlegen. Stiftungschef Berthold Beitz hob die "langjährige enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit" hervor. Er habe die Entscheidung Crommes "mit großem Respekt" angenommen. Beitz führt die Krupp-Stiftung, die gut 25 Prozent an dem Unternehmen mit 150.000 Mitarbeitern hält - und ohne die im Konzern nichts geht. Der Patriarch hatte Cromme in der Vergangenheit gestützt und diesen sogar zu seinem Wunschnachfolger an der Spitze der Stiftung ernannt. Beitz muss nun einen neuen Kandidaten für die Stiftung und den Aufsichtsrat suchen. Die Stiftung kann drei Vertreter direkt in den Aufsichtsrat entsenden.

Cromme räumt Fehler ein – "Wir haben zu lange vertraut"

Cromme hatte zuletzt auf der Hauptversammlung des Konzerns im Januar Fehler eingeräumt, einen Willen zum Rücktritt jedoch nicht erkennen lassen. Er war 2001 an der Spitze des Kontrollgremiums gerückt. Aktionärsvertreter hatten ihn zuletzt für das Desaster mit den neuen Stahlwerken in Übersee mitverantwortlich gemacht - die Kosten für die Werke waren auf zwölf Milliarden Euro in die Höhe geschossen. Dem Konzern machen auch Kartellverstöße und Luxusreisen auf Firmenkosten zu schaffen. Drei Vorstände hatten ihre Posten räumen müssen.

"Wenn Sie mich fragen, ob wir als Aufsichtsrat in der Vergangenheit etwas hätten besser machen können, dann will ich ehrlich sagen: Ja, wir haben zu lange vertraut, wir hätten früher handeln können", hatte Cromme bei der ThyssenKrupp-Hauptversammlung den Anteilseignern zugerufen. Diese hatten seine Rede teils mit Buhrufen quittiert.

Nach der Hauptversammlung war ThyssenKrupp erneut wegen Kartellvorwürfen unter Druck geraten. Beamte des Kartellamts suchten bei einer Razzia Belege für Preisabsprachen mit Konkurrenten bei Stahl-Lieferungen an die Automobilindustrie. "Solche Ereignisse sind immer ein Schlag gegen den Ruf des Unternehmens", hatte Konzernchef Hiesinger gesagt. Er steht vor wichtigen Entscheidungen: ThyssenKrupp sucht Käufer für die defizitären Stahlwerke in Übersee. Hiesinger will zudem in der europäischen Stahlsparte über 2000 Stellen abbauen, weitere 1800 könnten durch Beteiligungsverkäufe aus dem Konzern fallen.

Aktionäre reagierten erleichtert auf den Rückzug Crommes. Die Papiere stiegen nach der Nachricht um 4,3 Prozent und setzten sich an die Dax -Spitze.

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