Das ist der beste Broker der Welt

Der amerikanische Broker Raymond James Financial - dessen Zentrale in Florida liegt, nahezu 2000 Kilometer von der New Yorker Wall Street entfernt - hat 100 Quartale in Folge einen Gewinn ausgewiesen. Das Unternehmen beweist, dass ein einfaches Geschäftsmodell der Schlüssel zum Erfolg sein kann.

Das ist der beste Broker der Welt

Die Firma hat unter neun US-amerikanischen Brokern, Banken und Beratungsunternehmen seit 2009 die beste risikogewichtete Rendite hervorgebracht, wie das BLOOMBERG RISKLESS RETURN RANKING zeigt. JPMorgan, die größte US-Bank, kommt auf Platz 3. Goldman Sachs und Morgan Stanley gehören zu den Schlusslichtern.

Investoren vergleichen Raymond James mit einem Vermögensverwalter, weil die Einnahmen der Firma hauptsächlich auf Gebühren basieren. Das Geschäftsmodell ist simpel, größtenteils werden Risiken vermieden.

Anders als die größeren Konkurrenten erzielt Raymond James die meisten Erlöse mit dem Management des Geldes von anderen. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete die Firma mit der Private-Client-Group 64 Prozent der Erlöse. Das verschaffte der Firma die Stabilität, relativ unbeschadet durch die Finanzkrise zu kommen. Die größeren Wettbewerber mussten in der Krise indes Milliarden von Dollar abschreiben.

“Diese Firma schiffte durch die Finanzkrise verhältnismäßig erfolgreich”, sagte Dan Veru, Investmentchef bei Palisade Capital Management. Sein Unternehmen besitzt Aktien von Raymond James und verwaltet rund 3,8 Mrd. Dollar an Vermögen. “Die Größe, die einst Wettbewerbsvorteil war, die ist das meiner Meinung nach so nicht mehr.”

Besser geht's nicht

Raymond James bescherte seinen Aktionären die beste Rendite bei dem gleichzeitig geringsten Risiko, wie Daten von Bloomberg News belegen. Die Volatilität der Aktien von Raymond James war unter den neun verglichenen Unternehmen am dritt-geringsten und 27 Prozent unter der von Morgan Stanley. Die Analyse wirft einen Blick auf die Unternehmen seit 2010, also dem ersten Jahr nach der globalen Finanzkrise. Damals hatten Investoren und Politiker Universalbanken in Frage gestellt.

Verfechter des Universalbanken-Modells wie Jamie Dimon, der Chef von JPMorgan, haben argumentiert, dass große Unternehmen große, globale Banken brauchen - um Underwriter von Krediten weltweit zu sein und um Verluste besser aufsaugen zu können, falls etwas schief geht.

Raymond James hingegen belegt, dass ein breit aufgestelltes Geschäftsmodell nicht unbedingt zu höheren Erlösen für die Aktionäre führt. Die Firma brachte auf risikogewichteter Basis ihren Aktionäre zwischen Ende 2009 und dem Ende des ersten Quartals dieses Jahres eine Rendite von 3,14 Prozent, zeigen die Bloomberg-Daten. Bei Morgan Stanley fiel auf dieser Basis hingegen ein Verlust von 0,52 Prozent an, bei Bank of America waren es minus 0,40 Prozent.

Die risikogewichtete Rendite, die nicht annualisiert ist, wird berechnet, indem die absolute Rendite durch die Volatilität - oder die täglichen Preisschwankungen der Aktie einer Firma - geteilt wird.

Evercore Partners, die von Ex-US-Vize-Finanzminister Roger Altman gegründete Firma, konnte die großen Banken ebenfalls schlagen. Auf risikogewichteter Basis betrug die Rendite seit Ende 2009 rund 1,2 Prozent. Das war der zweitbeste Wert nach Raymond James.

Greenhill & Co., gegründet von Robert Greenhill, schnitt im Bloomberg-Ranking am schlechtesten ab. Das Unternehmen brachte seinen Investoren auf risikogewichteter Basis seit Ende 2009 einen Verlust von 0,68 Prozent.

Raymond James, geführt von Paul C. Reilly, verfügt über kein großes Geschäft zum Handel von Festverzinslichen, und Investmentbanking ergänzt das Endkundengeschäft, sagte Analyst Doug Sipkin von Susquehanna Financial Group LLLP. Das habe dem Broker geholfen, die Fallen zu vermeiden, die bei den großen Banken zu Verlusten führten.

Das Unternehmen wird geführt wie die “alten Wall-Street- Partnerschaften”, sagte Veru. Die Firma würde das Aktionärs- Kapital wie ihr eigenes betrachten. “So führt man einen Broker. Diese Jungs machen das, und sie machen es sehr gut.”