"Das ist nicht der Beginn eines Abwärtstrends"

"Das ist nicht der Beginn eines Abwärtstrends"

Dabei rechnen sie mittlerweile gar nicht mehr mit höheren Quartalsergebnissen, im Gegenteil. Sie haben ihre Erwartungen in letzter Zeit deutlich reduziert.

Insgesamt 247 der S&P-500-Mitglieder verfügen über mehr Kaufempfehlungen als Verkauf- und Halten-Empfehlungen zusammengenommen, wie aus Bloomberg-Zahlen hervorgeht. Das ist die höchste Zahl seit Bloomberg im Jahr 2000 mit der Sammlung dieser Daten begann. Gleichzeitig sagen sie für die abgelaufenen drei Monate einen durchschnittlichen Gewinnrückgang um 1,8 Prozent voraus, während sie noch im April ein Plus um zwei Prozent prognostiziert hatten. Mehr als 10.000 Prognosen wurden dafür zusammengetragen.

Markt-Bullen gehen dennoch davon aus, dass die S&P-500- Unternehmen in diesem Jahr Rekordgewinne einfahren werden. Sie verweisen zudem darauf, dass die Titel 16 Prozent unter ihrer mittleren Bewertung seit den 50er Jahren gehandelt werden.

“Meine Auswahl basiert nicht auf einem Quartal”, sagt Howard Rubel, ein Aktienanalyst bei Jefferies & Co. “Die vielen Teile, die sich zu einer Empfehlung zusammensetzen, können nicht immer in einem Satz zusammengefasst werden. Der Quartalsbericht ist nur ein Teil davon. Man muss sich die Dinge über einen längeren Zeitraum hinweg ansehen.”

Rubel, der in einem Bloomberg-Ranking zu den Top-5-Analysten für mehr als die Hälfte der von ihm beobachteten Aktien zählt, hat im Juni seine Gewinnprognose für United Technologies reduziert. Die Kaufempfehlung für den Anbieter von Flugzeugtriebwerken behielt er jedoch bei. Insgesamt raten 21 Analysten zum Kauf der Aktie, lediglich vier, sie zu halten und keiner rät zum Verkauf. Gleichzeitig haben die Experten die Prognose für den Jahresgewinn des Konzerns um 9,6 Prozent auf 5,49 Dollar je Aktie gesenkt.

Rally-Indikator

Zuletzt gingen Gewinnerwartungen und Aktienempfehlungen im dritten Quartal 2009 in unterschiedliche Richtungen. Damals herrschte eine seit sechs Monaten anhaltende Rally am Markt, die dem S&P 500 bis April 2012 zu einem Plus von mehr als 100 Prozent verhalf. Damals sagten die Analysten einen Rückgang des Jahresgewinns um 23 Prozent voraus, während bei 205 S&P- Mitgliedern die Zahl der Kaufempfehlungen die der Verkauf- und Halten-Empfehlungen übertraf.

Yair Reiner, Analyst von Oppenheimer & Co., hob seine Empfehlung für Boeing am 24. Juni auf “outperform” an, während er seine Gewinnerwartung für das zweite Quartal um 7 Cent auf 1,04 Dollar je Aktie senkte. Die Titel haben seither 2,4 Prozent gewonnen und halten sich damit besser als der S&P 500.

“Die Fortschritte bei der Produktion gaben mir deutlich mehr Vertrauen in meine Jahresprognose und das Unternehmen”, sagt Reiner im Telefoninterview. “Wenn sie beim Gewinn schrittweise bessere Nachrichten vermelden können, dürften die Investoren kein Problem damit haben, kurzzeitige Veränderungen in einem Quartal zu ignorieren.”

Boeing hatte in den drei Monaten bis Ende Juni 150 Flugzeuge ausgeliefert und ist damit auf dem besten Weg, sein Jahresziel zu erreichen, wie das Unternehmen letzte Woche bekannt gab. Analysten sagen für 2013 einen Gewinnanstieg von 23 Prozent voraus und für 2014 von weiteren 16 Prozent, zeigen Bloomberg-Daten. Für das zweite Quartal rechnen die Experten mit einem Gewinnrückgang von zwölf Prozent auf 1,10 Dollar je Aktie. Dennoch raten 28, die Titel zu kaufen, drei, sie zu halten und nur einer, sie zu verkaufen.

Die Aktienbewertungen sind niedrig genug, um ein schwächeres Gewinnwachstum aufzufangen, sagt Tim Holland von Tamro Capital Partners. Im Schnitt kommen die S&P-500-Mitglieder auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,7. Das liegt 16 Prozent unter dem Durchschnitt seit 1954. Sollten die Unternehmen die Jahres-Gewinnprognosen erreichen, würden die Aktie sogar mit einem Abschlag von 21 Prozent gegenüber dem langjährigen Durchschnitt gehandelt.

“Das ist nicht der Beginn eines Abwärtstrends”, sagt Holland im Telefoninterview. “US-Aktien sind attraktiv bewertet und die Wirtschaft scheint - verglichen mit anderen Märkten - in einem guten Zustand zu sein. Wir sehen US-Aktien positiv.”

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