Daimler prescht Konkurrenz bei Lastwagen davon

Daimler prescht Konkurrenz bei Lastwagen davon

Auch im Juli punkteten die Stuttgarter mit der jungen und mit Milliardenaufwand ausgebauten Modellpalette: Von Januar bis Juli habe Daimler mit 268.344 weltweit verkauften Lkw 23 Prozent mehr Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum verkauft, sagte Truck-Chef Andreas Renschler der Nachrichtenagentur Reuters.

Vor allem in Nordamerika und Asien verkaufen sich die Laster derzeit bestens und helfen Daimler damit über schwächere Märkte in Europa und Lateinamerika hinweg.

Die Schwaben deklassieren damit die Wettbewerber erneut: Der schärfste Konkurrent Volvo lieferte von Januar bis Juli mit knapp 132.000 Lkw nur halb so viele Fahrzeuge wie Daimler aus, ein mageres Plus von einem Prozent zum Vorjahr. MAN und Iveco fahren wegen der Schuldenkrise und des Absatzeinbruchs in Europa sogar im Rückwärtsgang: Die Münchener kürzen Produktion und Belegschaft, da sie auf Lagerbeständen sitzen. Die Italiener machen in Europa fünf Werke dicht. "Unser Werk in Wörth und auch die Komponentenwerke sind gut, aber nicht bis an die Kapazitätsgrenze ausgelastet", sagte der Daimler-Lkw-Chef. "Wir sind ausreichend flexibel, die Arbeitszeitkonten sind gut gefüllt, wir bauen keine Lkw auf Halde", sagte Renschler vor der Mitte September startenden Branchenmesse IAA Nutzfahrzeuge.

Zufrieden blickt der frühere Chef von Daimlers Kleinstwagenmarke Smart vor allem nach Übersee: In Asien kletterte der Lkw-Absatz von Daimler in den ersten sieben Monaten um 52 Prozent auf gut 108.000 Fahrzeuge, in Nordamerika um ein Drittel auf knapp 82.000. "Das spielt uns in die Hände", sagte Renschler. Denn in Europa fordert die Staatsschuldenkrise und in Brasilien die Verschärfung der Abgasnormen auch von Daimler Tribut: Per Juli brachen die Verkaufszahlen um acht Prozent auf rund 78.500 Laster ein. "Der brasilianische Markt hinkt noch etwas hinterher, das Schrumpfen des Marktes ist aber eine temporäre Erscheinung", ist Renschler überzeugt.

Daimler erntet Früchte des teuren Investitionsprogramms

Daimler hat in vergangenen Jahren Milliardensummen in die Entwicklung abgasärmerer Motoren-Plattformen und neuer Fahrzeuge sowie den Aufbau von Produktionsstätten in Schwellenländern investiert. Nun wird die Ernte eingefahren: Durch Baukästen, Motoren-Familien und die Entwicklung einer Fahrzeug-Plattform für schwere Mercedes-Benz-Lkw sinken die Fertigungszeiten in den kommenden Jahren sukzessive - und damit auch die Produktionskosten. Gleichzeitig arbeiten sich die für zukünftiges Wachstum wichtigen Auslands-Töchter und Beteiligungen in die Gewinnzone vor: "Unsere neue indische Tochter Bharat Benz wird nach den Investitionen in Höhe von rund 120 Millionen Euro in diesem Jahr ab 2013 nur noch geringfügige Investitionen erfordern", sagte Renschler. Das Gemeinschaftsunternehmen mit Foton in China steuert bereits zum Gewinn bei, auch die Gemeinschaftsfirmen in Russland mit Kamaz sind profitabel.

Den Spediteuren in Deutschland macht Daimler Hoffnungen auf Nachlässe bei der Lkw-Maut, wenn sie einen schadstoffärmeren, aber teureren Lkw mit Abgasstufe Euro Sechs ordern: "Es wird definitiv eine Incentivierung für Euro-Sechs-Lkw geben." Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer werde die IAA besuchen. "Ich gehe daher davon aus, dass er dabei eine neue Mautklasse für Euro-Sechs-Fahrzeuge mitbringt. Ich rechne damit, dass der Nachlass bei der Maut in etwa so hoch ausfällt wie bei der Umstellung von Euro Vier auf Euro Fünf", sagte Renschler. 2006 war die Maut für abgasärmere Lkw um rund 20 Prozent je Kilometer reduziert worden.

Nach der Branchenmesse IAA darf der 54-jährige Daimler-Manager aller Voraussicht nach auf eine vorzeitige Verlängerung seines noch bis September 2013 laufenden Vorstandsvertrages hoffen. "Mein Ziel ist, der weltweit größte und profitabelste Lkw-Hersteller zu sein - an diesem Ziel werden wir auch in den kommenden Jahren weiter arbeiten", umriss der seit 1988 bei Daimler beschäftigte Betriebswirt die vor Daimler liegende Aufholjagd. In den vergangenen Jahren hatte beim Profit der kleinere schwedische Konkurrent Volvo die Nase vorn.

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