"Dagobert Duck ist ein ausgesprochen geschickter Investor"

"Dagobert Duck ist ein ausgesprochen geschickter Investor"

In Sachen Geld kann Dagobert Duck niemand das Wasser reichen. Aber wie hat es Onkel Dagobert zur berühmten "Fantastillion“ an Entenhausener Talern und einem mit Goldmünzen gefüllten Geldspeicher gebracht?

Was kann jeder Erdenbürger von der bewährten Geldstrategie der Super-Ente lernen? Oder stimmen doch die Zweifel, die der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ausdrückt? Laut Bofinger ist Dagobert Duck ein Anti-Kapitalist, weil er nur Geld und Gold hortet und damit zur "personifizierten Liquiditätsfalle“ wird.

Anlässlich des 65. Geburtstags von Dagobert Duck ging der unter dem Spitznamen "Mr. Dax“ bekannte deutsche Börsenexperte Dirk Müller auf Spurensuche. Im FORMAT-Interview lüftet Müller die Geheimnisse, wie die Comicfigur Dagobert zum Reichtum kam, und gibt Tipps zum erfolgreichen Geldaufbau, die jeder Anleger nutzen kann.

Von den Experten-Tipps sollen auch Kinder profitieren. Dirk Müller erklärt in mehreren Ausgaben des "Micky Maus“-Magazins, was Geld eigentlich ist, wie man klug damit umgeht, wie die Börse funktioniert und welche Funktionen Banken haben.

FORMAT: Herr Müller, Dagobert Duck blickt auf ein enormes Vermögen. Aber ist er nicht der klassische Verlierer, weil sein ganzer Reichtum unverzinst im Geldspeicher herumliegt? Ist er der Anti-Kapitalist?

Dirk Müller: Ganz im Gegenteil. Er hat jeden Taler durch harte Arbeit verdient, als Schuhputzer, Zeitungsverkäufer, mit Goldschürfen in Klondike, später als Unternehmer. Dagobert hat sich nie auf die faule Haut gelegt und versucht, von Zinsen oder Zinseszinsen zu profitieren. Er verleiht grundsätzlich kein Geld, selbst gegen Zinsen nicht.

Was kann jeder Anleger von der Geldstrategie der Super-Ente lernen?

Müller: Dagobert ist ein ausgesprochen geschickter Investor. Er steckt sein Geld in neue Unternehmungen, in neue Gesellschaften. Er arbeitet mit dem genialen Erfinder Daniel Düsentrieb zusammen, bringt Innovationen zur Marktreife und sorgt für den Vertrieb. Er baut Unternehmen auf. Das ist auch für die Gesellschaft sinnvoll. Es bringt die gesamte Volkswirtschaft voran, weil vernünftige Investitionen dahinterstehen. Das ist besser, als Geld gegen Zinsen zu verleihen.

Das klingt zwar gut, löst aber die Probleme von jenen nicht, die kein Unternehmen gründen wollen. Noch dazu schmilzt die Kaufkraft der Ersparnisse in der Phase der finanziellen Repression dahin. Wo sehen Sie Alternativen?

Müller: Wer anlegen möchte, soll das über Beteiligungen an Unternehmen, über Aktien, tun. Investoren, die Papiere von Unternehmen wählen, die neue Produkte erschaffen, sie verkaufen und Gewinne erzielen, müssen sich um die finanzielle Repression keine Sorgen machen. Das ist der Weg, es Dagobert bei der Geldvermehrung gleichzutun.

Zu welcher Geldanlage würden Sie Dagobert Duck jetzt raten? Was sollten alle Investoren beachten, um für die nächsten Monate gut positioniert zu sein?

Müller: Dagobert solle seiner Strategie treu bleiben. Er liegt damit richtig, dass er kein Geld auf Girokonten parkt. Er hat ständig auf sein Vermögen Zugriff, weil er Gold und Silber besitzt. Darüber hinaus betreibt er viele Unternehmen, Fabriken, ihm gehören Aktien. Das ist die Mischung, die jeder Anleger haben sollte.

Welche Szenarien sind für den Börsenverlauf 2013 wahrscheinlich?

Müller: Es gibt zwei Trends, die gegeneinander wirken. Einerseits fließt sehr viel Liquidität in die Märkte, was die Kurse von Aktien und die Notierungen von Rohstoffen nach oben treibt. Andererseits sind die Konjunkturaussichten für Europa schlecht, in Asien könnte die Rate des Wirtschaftswachstums sinken. Amerika scheint etwas besser dazustehen. In Summe muss man wegen der Unsicherheiten an den Börsen im nächsten Jahr jederzeit mit starken Ausschlägen, sowohl nach oben als auch nach unten, rechnen.

Was muss passieren, damit sich die Lage in Europa entspannt?

Müller: Damit es so weit kommt, muss man erst einmal den Fuß vom Bremspedal nehmen. Man sollte sich in Europa endlich auf die Reformpakete konzentrieren, die Sparpakete einmotten und stattdessen wieder investieren, aber ohne das Geld zu verpulvern. Sinnvolle Investitionen in Energie-Infrastruktur, in Leitungsnetze, in intelligente Stromnetze sollten forciert werden. Wenn man sich dazu durchringen kann, wird Europa einen Riesenschritt nach vorne machen. Eine Folge wäre, dass die Märkte dadurch befeuert werden. Wenn noch weiter zu lange zugewartet wird, besteht dagegen die Gefahr, dass wir auch noch unsere industrielle Basis zerstören.

Die Nerven der Anleger sind weiter gespannt, weil in den USA noch die fiskalische Klippe zu überwinden ist. In China wiederum stehen im März 2013 wichtige Entscheidungen an. Welche Entwicklungen halten Sie für wahrscheinlich?

Müller: Amerika wird das Problem des Fiscal Cliff wie schon bisher bei anderen wichtigen Entscheidungen in letzter Minute lösen. Ich gebe diesem Szenario eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent. Sollten die Verhandlungen scheitern, kann es an den Börsen heftig werden. In China ist die Lage noch viel problematischer. Im Reich der Mitte bildete sich in verschiedenen Bereichen seit Jahren eine dramatische Blase. Die Volkswirtschaft ist weit weniger robust und unangreifbar, als man in unseren Breiten glaubt. China ist ein fetter Riese auf tönernen Füßen. Die Amerikaner haben durchaus auch Interesse daran, diese tönernen Füße demnächst einmal umzustoßen, weil sie nicht wollen, dass die weltweite Finanz- und politische Herrschaft über den Pazifik nach Asien abwandert.

Dagobert Duck hat es leicht, weil in Entenhausen nur der Taler als Zahlungsmittel verwendet wird. Welche Währungen sind für Investoren eine Alternative zum Euro?

Müller: Die Diskussion um die Flucht aus dem Euro ist überflüssig. Der Schweizer Franken ist an den Euro gekoppelt, kleinere Währungen von Staaten rund um den Globus sind bereits überreizt. Ich zahle meine Rechnungen in Euro, also bleibe ich auch in unserem Währungsraum.

Wie legen Sie Ihr eigenes Vermögen an?

Müller: Ich habe mein Geld im Wesentlichen in Edelmetalle und Aktien investiert. Das sind für mich die liquidesten Möglichkeiten der Geldanlage. Würde ich merken, dass die Börsen oder die Edelmetallmärkte kippen und dass Gefahr besteht, dass die Kurse stark unter Druck geraten können, würde ich diese Realwerte gegen Kurseinbrüche absichern. Eine Möglichkeit dazu bieten klassische Optionsscheine.

Angenommen, Dagobert Duck müsste sein Vermögen in einer unsicheren wirtschaftlichen Phase, wie sie derzeit auf der Erde herrscht, gegen Verluste absichern. Was empfehlen Sie ihm?

Müller: Er soll wie bisher in die eigenen Unternehmen investieren. Damit ist er für die Zukunft gerüstet und kann Gewinne erzielen, wenn er die Unternehmen vernünftig führt. Was seinen Edelmetallbesitz angeht, könnte auch er Absicherungsmaßnahmen ins Auge fassen. Angesichts des sehr großen Bestands wäre es aber wohl äußerst schwierig, einen Versicherer zu finden, der das Risiko tragen kann.

Was ist das oberste Motto bei der Geldanlage für die nächsten Monate?

Müller: Die Veranlagung soll jedenfalls ausgeglichen ausgerichtet sein. Ich selbst bin extrem auf reale Werte fokussiert. Ich empfehle jedem Anleger, den Anteil an Realwerten und Geldwerten in Einklang zu bringen. Zu Geldwerten zähle ich Guthaben am Girokonto, Bargeld, Tagesgeld, Staats- sowie Unternehmensanleihen, Lebensversicherungen oder Pensionsansprüche an den Staat. Bei den meisten Menschen ist der Anteil von Geldwerten am gesamten Vermögen sehr groß. Mein konservativster Rat lautet also, auf der Vermögenswaage eine Gleichgewichtung anzupeilen.

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