Dachgesellschaft Porsche wird Investmentvehikel

Dachgesellschaft Porsche wird Investmentvehikel

Mit Rohstoffen handeln, Windenergie erzeugen, Immobilien kaufen - das hört sich nicht nach einem Autokonzern an. Doch bei der Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE (PSE) könnte dies künftig Realität werden.

Denn der nahende Verkauf der zweiten Hälfte des Porsche-Sportwagengeschäftes (Porsche AG) an VW wird bei der Dachgesellschaft letzte Schulden abtragen. Und dann? Dann könnte die Porsche SE völlig neue Wege gehen und eine andere Rolle auch im VW-Konzern spielen.

Die ersten Hinweise dafür finden sich in Tagesordnungspunkt sechs für die an diesem Montag anstehende Hauptversammlung. Darin sollen die Aktionäre den Paragrafen zwei in der Satzung der Holding ändern. Es geht um nichts Geringeres als den Geschäftszweck der PSE, die nach der komplizierten Übernahmeschlacht die Mehrheit der VW-Stammaktien hält. Die neuen Formulierungen erlauben es ihr etwa, groß ins Geschäft mit Rohstoffen für die Autoindustrie einzusteigen. Sie könnte auch im großen Stil Wind- oder Solarparks bauen lassen und mit Erneuerbaren Energie Handel treiben. Ebenfalls möglich wird das Erbringen von Mobilitätsdienstleistungen - etwa Carsharing.

PSE als Investmentvehikel

Kurz: Die PSE könnte sich zu einem Investmentvehikel mausern, das für die strategischen Entscheidungen in der Autowelt von Morgen von Bedeutung wäre. Offiziell hängt die PSE das Thema Satzung etliche Stufen tiefer. "Es ist eine vorsorgliche Maßnahme", sagt ein Sprecher. Die Anpassungen eröffneten Möglichkeiten, aber keine Verpflichtungen. Er betonte, dass die neuen möglichen Betätigungsfelder "entlang der automobilen Wertschöpfungskette" lägen.

Doch die Frage, was aus der PSE wird, liegt auf der Hand. Schließlich entstand sie 2007, um das reine Sportwagengeschäft der Porsche AG vom "Beteiligungsmanagement" zu trennen - also dem Griff nach der Macht bei VW.

Das Ende ist bekannt. Die Offensive gegen Wolfsburg stockte auf den letzten Metern, und die PSE blieb trotz hauchdünner Mehrheit bei VW derart verschuldet zurück, dass VW zur letzten Hoffnung wurde. Die früheren Kontrahenten sind heute Partner und VW gab den Schwaben schon 2009 überlebensnotwendiges Geld mit der Übernahme von knapp 50 Prozent der Porsche AG. So schnell wie möglich soll nun auch die zweite Hälfte folgen, Insider gehen von diesem Sommer aus.

Eigentümerfamiline wollen mehr

Zurück bliebe eine Hülle, in der zwar milliardenschwere Anteile am Weltkonzern VW und damit millionenschwere Dividendenaussichten ruhen. Doch mit dem Geschäft des Autobauens hätte die PSE direkt nichts mehr zu tun. Das ist ihren mächtigen Besitzern - den Familien Porsche und Piëch - aber offensichtlich nicht genug, sie wollen mehr Einfluss.

Führende Automobilexperten beurteilen die Lage ähnlich. "Nach bisheriger Sicht wäre ja die PSE nach der Porsche-AG-Übernahme von VW nur noch ein Mantel gewesen, in dem Kapitalanteile verwaltet werden", sagt Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Der Porsche-Piëch-Clan treibe die Dinge berechnend voran. Jüngstes Beispiel: Die Übernahmepläne für die zweite Hälfte der Porsche AG. Dabei haben VW und Porsche einen juristischen Kniff gefunden, mit dem sie milliardenschwere Steuerlasten umschiffen.

Dudenhöffer wertet die Satzungsänderung als klares Indiz dafür, dass die PSE-Eigentümer - rund 90 Prozent entfallen auf die Familien Porsche und Piëch, der Rest auf das Emirat Katar - in Zukunft mehr wollen als nur die Verwaltung der VW-Anteile. "Aus dieser Beteiligung fließen ja Gewinne, die man offensichtlich in neuen Felder anlegen will. Man lässt sich dabei alle Freiheiten und definiert den Geschäftsumfang mal sehr weit." Sollte die PSE in Sachen Rohstoffe Zugang etwa zu seltenen Erden aufbauen, könnte das die Stellung von VW erweitern - und über die Weitergabe an den Wolfsburger Konzern ließe sich parallel die Rendite beeinflussen.

Interessant seien auch die Finanz- und Mobilitätsdienstleistungen - Dinge, die eigentlich in der VW-Bank laufen könnten. "Offensichtlich hält man sich auch hier die Option offen, Dienstleistungen herzustellen, die an VW verkauft werden könnten", sagt Dudenhöffer.

Auch für seinen Kollegen Professor Stefan Bratzel vom Zentrum für Automotive Management in Bergisch Gladbach ist die Satzungsänderung für die PSE von Morgen nur folgerichtig. "Man braucht ja quasi eine Neuverwendung", sagt er mit Blick auf den nahenden Verkauf der zweiten Hälfte der Porsche AG. "Ich glaube, man steht mit den Plänen erst am Anfang, aber zumindest scheinen die möglichen Themen alle schon mitgedacht." Den Fachmann überrascht daher auch das Feld Erneuerbare Energien nicht. Überschüssiger Windstrom könne etwa in die Abläufe der Brennstoffzellenfertigung eingebunden werden. Daher sei es durchaus logisch, dass die PSE als Erzeuger, Beschaffer und Händler für Energie auftreten könnte. "Man darf das im Moment aber auch nicht überinterpretieren. Es geht um Entwicklungen, die in fünf oder zehn Jahren im Fokus stehen könnten", sagt Bratzel.

Fakten bereits geschaffen hat die PSE mit einer Personalie. Seit März sitzt Philipp Alexander Edward von Hagen im Vorstand. Die Aufgabe des früheren Direktors beim Bankhaus Rothschild lautet kurz und knapp: "Beteiligungsmanagement".

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