CSN-Übernahme von ThyssenKrupp-Problemwerk: "Alles oder gar nichts!"

CSN-Übernahme von ThyssenKrupp-Problemwerk: "Alles oder gar nichts!"

ThyssenKrupp drohen in dem stockenden Verkaufsprozess der Übersee-Stahlwerke neue Schwierigkeiten.

Der brasilianische Stahlkonzern CSN wolle das Werk in Brasilien nicht übernehmen, wenn er nicht die Anlage in den USA dazu bekomme, sagte eine mit der Situation vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. CSN treibe die Verhandlungen für einen Erwerb der Übersee-Werke zwar voran. "Ohne die Anlage in Alabama ist CSN aber nicht an dem Deal interessiert." Damit nimmt der Druck auf ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger wenige Wochen vor Ablauf des Geschäftsjahres weiter zu.

CSN gilt seit Monaten als Favorit für den Kauf der Werke, die ThyssenKrupp Milliardenverluste eingebracht haben. Die Brasilianer wollten sich zu den Informationen nicht äußern. ThyssenKrupp verwies auf Aussagen, die Hiesinger Mitte des Monats bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2012/13(per Ende September) gemacht hatte. Danach ist das Unternehmen in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem führenden Bieter. Es gebe auch Gespräche mit weiteren Interessenten, der Konzern peile einen zeitnahen Abschluss an.

Doch Hiesinger hatte in einer Telefonkonferenz auch deutlich gemacht, dass seine Geduld nicht endlos ist. Verhandlungen seien solange sinnvoll, wie es bei diesen Fortschritte in Richtung eines Abschlusses gebe. So lange sei ThyssenKrupp bereit, Zeit in die Gespräche zu investieren. Von einem Plan B will der Konzern aber auch nicht sprechen. Zwar dürfte in Brasilien die zuletzt gefallene Landeswährung Real für etwas Entlastung gesorgt haben - die vorherige Aufwertung der Währung hatte mit dazu beigetragen, dass das Konzept scheiterte, billig in Brasilien Rohstahl zu erzeugen und in den USA mit einem gehörigen Aufschlag weiter zu verkaufen. Doch die Sparte Steel Americas sorgt weiter für Verluste. Nach erneuten Abschreibungen fuhr das Geschäft im laufenden Geschäftsjahr einen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von fast einer Milliarde Euro ein.

Damit ist Hiesinger in der Zwickmühle - und dies kann sich jeder Interessent in den Verhandlungen zunutze machen. CSN strebe eine Vereinbarung für beide Werke bis Ende September an, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Ein anderer Insider sagte, die Verhandlungen hätten sich abgekühlt. Fortschritte seien aber möglich. CSN könne mit dem Werk in Brasilien seine Rohstahlproduktion und seine Hafenkapazitäten ausbauen. Ohne eine Weiterverarbeitung im ThyssenKrupp-Werk im US-Bundesstaat Alabama mache dies aber keinen Sinn.

Kapitalerhöhung benötigt

Sollte ThyssenKrupp ein Abschluss bis zum Ablauf des Geschäftsjahres Ende September nicht gelingen, könnten die Banken den Druck auf den mit mehr als fünf Milliarden Euro verschuldeten Konzern erhöhen. Eine Kapitalerhöhung kann für Entlastung sorgen. Reuters hatte von mehreren mit der Situation vertrauten Personen erfahren, dass das Management die Vorbereitungen dafür vorantreibt. Die Gespräche mit Investoren, darunter Hedgefonds, liefen auf Hochtouren. "Mit Sicherheit ist eine Kapitalerhöhung eine Option, die wir uns vorbehalten", hatte Hiesinger Mitte August erklärt.

Der Vorstandschef will sich auch keine Frist für einen Verkauf der Werke setzen, um sich in den Verhandlungen nicht weiter unter Druck zu setzen. Insbesondere das Werk in Brasilien hat dem Konzern mehr als einmal die Bilanz verhagelt. Über zwölf Milliarden Euro hat der Mischkonzern mit weltweit 150.000 Mitarbeitern in der Sparte Steel Americas verbrannt. Der Löwenanteil davon entfällt auf das von Pleiten, Pech und Pannen begleitete Stahlwerk in Brasilien. Beide Standorte stehen nach Milliardenabschreibungen noch mit 3,4 Milliarden Euro in den Büchern - ein Wert, den ThyssenKrupp Analysten zufolge bei einem Verkauf bei weitem nicht bekommen würde.

An dem Werk in Rio de Janeiro hält der brasilianische Rohstoffkonzern Vale 27 Prozent. Doch auch von ihm droht ThyssenKrupp Ungemach. Vale will zumindest eine teilweise Entschädigung von dem Essener Konzern für Extrakosten in Höhe von 550 Millionen Dollar, die in den vergangenen vier Jahren bei dem Werk in Brasilien aufgelaufen sind. Der Deal hänge davon ab, dass sich Vale und ThyssenKrupp einigten, sagte ein Insider. ThyssenKrupp hat erklärt, das Vale an den Verkaufsverhandlungen beteiligt ist, will sich zu Details aber nicht äußern.

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