Continental-Hauptversammlung: Das große Schweigen

Continental-Hauptversammlung: Das große Schweigen

Großaktionär Schaeffler lässt den Autozulieferer Continental im Ungewissen über die Zukunft seiner Beteiligung an dem DAX-Konzern. Die beiden Gesellschafter des fränkischen Familienunternehmens, Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg, antworteten am Mittwoch nicht auf Fragen von Aktionärsvertretern zu dem Thema. Sie überließen dem Continental-Vorstand die Bühne vor den gut 600 Kleinaktionären in Kongresszentrum von Hannover.

Vorstandschef Elmar Degenhart musste einräumen, dass ihn der mit knapp der Hälfte der Stimmrechte an Continental beteiligte Großaktionär auch nicht in die Karten gucken lässt: "Wir haben keine Informationen über die künftige Entwicklung des Aktienanteils oder zu sonstigen Plänen von Schaeffler", sagte der Manager.

Die Kündigung der Investorenvereinbarung durch Schaeffler werde die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen nicht beeinflussen, fügte Degenhart pflichtschuldig hinzu. Er wiederholte mehrmals, dass das Verhältnis zu Schaeffler nicht getrübt sei.

Degenhart ließ allerdings erkennen, dass Schaeffler das Management auch vorher nicht über das aus der 2008 geschlossenen Investorenvereinbarung informiert hat, die eine gewisse Schutzfunktion für Continental hatte: "Nur eine der beiden Seiten hat die Kündigung erklärt. Über eine gemeinsame Beendigung wurde nicht gesprochen", sagte Degenhart.

Schaeffler hatte zu Wochenbeginn erklärt, die Vereinbarung mit Conti aufzugeben. Dadurch hatten Spekulationen neue Nahrung erhalten, Schaeffler könnte sich von weiteren Anteile trennen.

Die in Hannover nicht geliebten Franken hatten Continental in einer Art Stillhalteabkommen auf dem Höhepunkt des Übernahmekampfes vor Ausbruch der Finanzkrise unter anderem zugesagt, nicht mehr als 49,9 Prozent der Anteile zu halten und sich nicht in das operative Geschäft des Rivalen einzumischen. Das mit der Herstellung von Wälzlagern groß gewordene Familienunternehmen hatte sich 2008 mit der Continental-Übernahme verhoben und schuldet seinen Banken einschließlich der auf die Familienholding entfallenden Summe noch gut zehn Milliarden Euro.

Der Continental-Anteil von Schaeffler von anfangs 90 Prozent hatte sich durch eine Kapitalerhöhung zunächst auf 75 Prozent verringert. Später verkauften die Franken schrittweise Pakete, die bei Banken geparkt waren, um Schulden zu abzutragen. Durch die Kündigung der Investorenvereinbarung hat Schaeffler ab Mai 2014 die Hände frei, sich von weitere Aktienpakete zu trennen. Bislang muss der Großaktionär Continental über seine Absichten informieren. An eine Abspaltung des Reifengeschäfts, über die immer wieder spekuliert wird, denkt Continental nicht. Das hat Degenhart mehrfach erklärt.

Die Kanten des Großaktionärs

Aktionärsvertreter sehen den Schuldenberg von Schaeffler als wichtigen Grund, warum Ratingagenturen die im vergangenen Jahr in den Leitindex DAX zurückgekehrte Continental schlechter bewerten, als sie angesichts der guten Geschäftslage für angemessen halten. "Wir stoßen beim Investment Grade an die Kanten unseres Großaktionärs", sagte Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutionelle Privatanleger. Das liege daran, dass Continental von den Finanzexperten zusammen mit Schaeffler bewertet werde.

Angesichts des Rekordergebnisses des vergangenen Jahres hätten eigentlich "hier die Champagner-Korken durch die Luft fliegen sollen", sagte Buhlmann. Die Schulden habe Continental eingedampft. Das Schönste aber sei der Aktienkurs: Das Papier legte seit Jahresanfang um 12,1 Prozent zu und schnitt damit etwas besser ab als der DAX. Am Mittwoch notierte die Continental-Aktie bei 98,5 Euro leicht im Plus.

"Wenn die Latte von 100 Euro wieder übersprungen wird, geht es uns allen gut", setzte Buhlmann hinzu und sah dabei in die Richtung von Maria-Elisabeth Schaeffler, die in der Riege der Aufsichtsratsmitglieder neben ihrem Sohn saß. Frau Schaeffler - wie gewohnt mit streng nach hinten gekämmtem Haar und Krawatte - reagierte darauf nicht, sondern schaute auf die Armbanduhr.

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