Continental gibt sich zurückhaltend

Continental gibt sich zurückhaltend

"Wir haben den Boden gefunden", sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. "Was die Pkw-Produktion angeht, gehen wir jetzt von einer Seitwärtsbewegung aus." Für das eigene Geschäft schlug der Hersteller von Autoelektronik und Reifen aus Hannover jedoch vorsichtigere Töne an, weil sich das Reifenersatzgeschäft in Europa langsamer erhole als erwartet.

Der Vorstand dämpfte daher die Erwartungen beim Umsatz leicht, was Anlegern auf die Stimmung schlug. Die Aktie verlor bis zu 2,4 Prozent an Wert und war damit zweitgrößter Verlierer im Dax.

"Nach einem schwierigen Start in das laufende Jahr ist das zweite Quartal insbesondere in Europa wie erwartet besser verlaufen", erläuterte Konzernchef Elmar Degenhart. Dies bedeute jedoch noch keine Trendwende. Der Umsatz werde im dritten Quartal voraussichtlich auf der Stelle treten. Für das Gesamtjahr stellte Conti Erlöse von "rund" 34 Milliarden Euro in Aussicht. Bisher war ein Wert oberhalb von dieser Marke erwartet worden. Im Vorjahr hatten 32,7 Milliarden Euro zu Buche gestanden.

Kein Beinbruch

Analysten werteten die leichte Prognosekorrektur beim Umsatz indes nicht als Beinbruch. Der Effekt beim Gewinn werde sich in Grenzen halten, zumal Conti das Ziel einer bereinigten operativen Rendite (Ebit-Marge) bei über zehn Prozent bekräftigte. Sie hatte im vergangenen Jahr bei 10,7 Prozent gelegen. Als Grund für die langsamer als erwartet verlaufende Erholung des Reifenersatzgeschäfts vermutete Frank Schwope von der NordLB, dass die Verbraucher wegen der Krise eher in einen neuen Reifensatz für ihren alten Wagen investiert hätten, als sich ein neues Auto zu kaufen. Da die Reifen einige Jahre hielten, sei derzeit kaum Ersatz nötig. Zuletzt war die Neuwagen-Nachfrage in Europa EU auf den tiefsten Stand seit fast 20 Jahren gesunken.

Mit seiner Aussage über ein Ende der Talfahrt in Europa stimmte Conti in den Chor anderer Unternehmen ein, die zuvor bereits etwas Zuversicht verbreitet hatten. So rechnet etwa der französische Autozulieferer Valeo ebenfalls mit einer Stabilisierung des Marktes und erwartet bessere Geschäfte. Bei den Abnehmern aus der Automobilindustrie ist das Bild unterschiedlich: Während Daimler den Tiefpunkt am westeuropäischen Pkw-Markt bereits durchschritten sieht, erwartet Volkswagen, dass sich die negative Entwicklung in Westeuropa vorerst fortsetzen wird.

Im Zeitraum April bis Juni steigerte Conti, der weltweit auf Rang zwei hinter dem japanischen Autozulieferer Denso liegt, den bereinigten Betriebsgewinn überraschend auf 981 Millionen Euro - 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet. Die positive Nachricht verpuffte jedoch an der Börse, weil Conti die Aussichten beim Umsatz dämpfte.

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt

Börse

IBM wieder mit Umsatzrückgang - das 15. Quartal in Folge