Commerzbank räumt im Vorstand auf

Commerzbank räumt im Vorstand auf

Die Commerzbank kündigte am Mittwoch an, dass das Führungsgremium "in absehbarer Zeit" auf sieben von derzeit neun Mitgliedern verkleinert wird. Dies habe der Aufsichtsrat beschlossen. Namen wurden noch nicht genannt.

In Finanzkreisen hieß es, betroffen seien die Chefs der konzerninternen "Bad Bank", Jochen Klösges und Ulrich Sieber. Beide sind seit Juni 2009 im Vorstand, die Verträge laufen jeweils noch vier Jahre. Noch werde über juristische Fragen, etwa die Höhe der Abfindung, verhandelt, sagte ein Insider. Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller erklärte lediglich: "Angesichts des vereinbarten Personalabbaus ist es nur folgerichtig, dass auch die Führungsstrukturen der Bank angepasst werden."

Die Schrumpfungspläne waren bereits Ende Juli durchgesickert. Auch zahlreiche Bereichsvorstände müssen um ihren Job zittern. In Finanzkreisen hatte es geheißen, die Führungsmannschaft könne nicht verschont werden, wenn gleichzeitig an der Basis mehr als 5000 Stellen abgebaut werden. Vorstandschef Martin Blessing erläuterte die Pläne nun im Intranet der Bank ausführlicher: "Ziel ist es, Bürokratie weiter abzubauen, Entscheidungen schneller zu treffen und insgesamt als Commerzbank wieder agiler zu werden. Derzeit haben wir 55 Führungskräfte auf der ersten Ebene. Diese Zahl werden wir um rund 20 Prozent reduzieren. Auch die zweite Führungsebene werden wir verkleinern, da wir hier ebenfalls Überkapazitäten haben." Bis Jahresende solle der Abbau durch sein.

Die Commerzbank spart derzeit, wo sie nur kann, um wieder nachhaltige Gewinne zu schreiben. Auch im zweiten Quartal dürfte Deutschlands zweitgrößtes Finanzinstitut keine großen Sprünge gemacht haben. Die Zahlen werden an diesem Donnerstag erwartet.

Von Klösges hatte sich die Bank schon vor einem Jahr trennen wollen - damals fiel der Entschluss, komplett aus der gewerblichen Immobilienfinanzierung (Eurohypo) auszusteigen, für die er im Vorstand zuständig war. Doch das Bundesfinanzministerium hatte Aufsichtsratskreisen zufolge ein Veto eingelegt, weil eine Millionen-Abfindung nicht in die politische Landschaft gepasst hätten. Inzwischen hält der Staat mit 17 Prozent jedoch keine Sperrminorität mehr, sein Einfluss ist begrenzt. Die Personalie Sieber käme dagegen überraschend. Als Arbeitsdirektor führte er zuletzt auch die Verhandlungen über den Stellenabbau im Konzern - und hätte sich damit nun selbst wegrationalisiert.

Die Arbeit in der konzerninternen "Bad Bank" ist auch noch lange nicht erledigt. Die Abbau-Einheit umfasst noch immer rund ein Viertel der Bilanzrisiken (RWA) der Commerzbank. Vor allem im Schiffsportfolio ist die Risikovorsorge erdrückend, eine Entspannung der Lage nicht in Sicht.

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