Commerzbank: In den Miesen

Commerzbank: In den Miesen

Rote Zahlen im ersten Quartal, niedrige Zinsen und hohe Risiken aus Schiffskrediten: Die Commerzbank macht Anlegern wenig Lust auf ihre bevorstehende Kapitalerhöhung.

Knapp eine halbe Milliarde Euro, die die Bank für den Abbau von bis zu 6000 Stellen zurückgelegt hat, führten von Januar bis März zu einem Verlust von 94 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus noch 355 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht. "2013 wird ein Jahr des Übergangs", bekräftigte Finanzvorstand Stephan Engels am Dienstag. Erste Ergebnisse des Umbaus vor allem im Privatkundengeschäft würden erst im nächsten Jahr sichtbar. Und nun schwächelt auch das Aushängeschild, die Mittelstandsbank.

Die Commerzbank will mit einer 2,5 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung, die Mitte des Monats starten soll, den Einstieg in den Ausstieg des Staates schaffen. Mit dem Geld will sie die restlichen Stillen Einlagen des Bankenrettungsfonds SoFFin und der Allianz - zusammen 2,38 Milliarden Euro - tilgen. Der Staat lässt seine Commerzbank-Beteiligung dabei von 25 auf 18 Prozent abschmelzen. Vorstandschef Martin Blessing sprach von der "Normalisierung der Aktionärsstruktur". "Die Commerzbank ist derzeit nicht einer der Top-Bankenwerte in Europa", sagte Felix Scherhaufer von der Fondsgesellschaft LBBW Asset Management. "Daher wird es viel Überzeugungskraft brauchen, Investoren für die neuen Aktien zu begeistern."

Nach Reuters-Berechnungen wird die Commerzbank für die neuen Papiere nach derzeitigem Stand etwa 5,50 Euro verlangen können - das ist nur die Hälfte des Börsenkurses, der am Dienstag um 1,9 Prozent auf 11,01 Euro stieg. Die Bank braucht das Geld auch, um ihre harte Kernkapitalquote nach den verschärften Basel-III-Vorschriften bis Ende 2014 auf neun Prozent zu schrauben. Danach zählen die Staatshilfen nur noch für eine begrenzte Zeit als Kapitalpolster. Ende März lag die Quote erst bei 7,5 Prozent, ein im internationalen Maßstab magerer Wert, wie Analyst Jaime Becerril von J.P. Morgan bemängelt.

Zählbare Fortschritte macht die Commerzbank bisher nur beim Ausstieg aus der Immobilien-, Schiffs- und Staatsfinanzierung. Die Abbau-Einheit, die mit 143 Milliarden Euro fast ein Viertel der Bilanzsumme ausmacht, reduzierte den Verlust auf 87 (Vorjahr: minus 454) Millionen Euro. Vor allem Immobilien- und Staatsfinanzierungen seien seit Jahresbeginn um insgesamt 7,3 Milliarden Euro abgebaut worden. Nun verhandelt die Bank Finanzkreisen zufolge über einen Verkauf von weiteren Immobilien-Krediten in Großbritannien im Volumen von mehr als vier Milliarden Euro.

Noch ein Jahr zittern um die Schiffskredite

Am meisten Sorgen macht Engels die Schiffsfinanzierung. "Es ist nicht zu erwarten, dass die Risikovorsorge auf diesem niedrigen Niveau bleibt", sagte der Finanzvorstand mit Blick auf die Abbaubank. Die Schifffahrtsbranche dürfte sich frühestens im zweiten Halbjahr 2014 zu erholen beginnen. Die Commerzbank ist mit 18 Milliarden Euro immer noch einer der weltgrößten Schiffsfinanzierer. DZ-Bank-Analyst Christoph Bast fürchtet sogar, dass sich die Krise in der Schiffs- und der gewerblichen Immobilienfinanzierung in diesem Jahr verschärfen wird. "Das könnte die geplante Reduktion der Bilanzrisiken verzögern und zu unerwarteten Verlusten führen", warnte er.

Investoren hatten kritisiert, dass die Bank ihre Aktionäre schon zu einer Zeit um frisches Kapital bitte, zu dem sie noch keine Erfolge beim Konzernumbau vorweisen könne. "Die Umsetzung der strategischen Agenda braucht Zeit", räumte Engels ein. Es sei noch ein langer Weg, bis vor allem das ertragsschwache Filialgeschäft auf Trab gebracht ist. "Wir werden nicht einen großen Satz von einem Quartal zum nächsten machen."

Nicht besser erwartet

Blessing sagte, er habe das Ergebnis im ersten Quartal nicht besser erwartet. Die Bank leidet unter den Dauer-Niedrigzinsen, die nicht nur das schwächelnde Privatkundengeschäft, sondern nun auch die profitable Mittelstandsbank belasten. Im Kerngeschäft - ohne die "Bad Bank" - ging der Gewinn um mehr als ein Drittel auf 556 Millionen Euro zurück. Schließlich habe die Commerzbank 20 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln anzulegen, sagte Engels. Zugleich steigen wegen des Umbaus die Kosten - um bis zu 100 Millionen Euro je Quartal, während die Risikovorsorge wegen der schwächelnden Konjunktur wächst.

Mit elf Millionen Privatkunden verdiente die Commerzbank von Januar bis März nur 70 (137) Millionen Euro. Das Geschäft mit dem Mittelstand brachte mit 325 (486) Millionen Euro ebenfalls deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Grund dafür sei auch eine mäßige Nachfrage nach neuen Krediten.

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