Commerzbank-Gewinn steigt – eine Folge der schrumpfenden Bilanz

Commerzbank-Gewinn steigt – eine Folge der schrumpfenden Bilanz

Der Berg an Schiffs-, Staats- und Immobilienkrediten sei innerhalb von zwölf Monaten um fast ein Viertel auf 124 Milliarden Euro abgeschmolzen worden, erklärte Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing am Donnerstag: "Damit haben wir die Stabilität der Bank weiter erhöht."

Die Geschäfte, aus denen die Bank aussteigen will, machten Ende September aber noch gut ein Fünftel der Bilanzsumme aus. In drei Jahren soll die konzerneigene "Bad Bank", in der sie gebündelt sind, auf "deutlich weniger als 90 Milliarden Euro" geschrumpft sein, wie Finanzvorstand Stephan Engels sagte. Geführt wird die interne Abwicklungssparte von den Vorständen Ulrich Sieber und Jochen Klösges, die die Bank zum Jahresende verlassen müssen.

Sinkende Verluste der "Bad Bank" verhalfen dem zweitgrößten deutschen Geldinstitut im dritten Quartal zu einem Nettogewinn von 77 (2012: 67) Millionen Euro, obwohl es im Kerngeschäft noch auf zählbare Erfolge der neuen Strategie warten muss. Die Börse reagierte mit Käufen, obwohl das Ergebnis die Erwartungen kaum übertraf. Die Commerzbank-Aktie sprang um elf Prozent auf 10,34 Euro und notierte zum ersten Mal seit Mitte März über der Marke von zehn Euro. Metzler-Analyst Guido Hoymann glaubt, dass die Bank Vorschusslorbeeren bekommt: "Wir haben den Wendepunkt zum Positiven möglicherweise überschritten. Das Schlimmste könnte hinter uns liegen, trotz möglicher Rückschläge. Bevor das widerlegt ist, wird die Aktie tendenziell steigen."

Die schiere Größe der "Bad Bank" gilt als größtes Hindernis für ausländische Institute, die die Commerzbank kaufen könnten. Zuletzt hatten eine Reihe von Banken abgewinkt. Blessing hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Commerzbank bis 2016 zu stabilisieren. Ein Ausstieg würde sich für den Bund aber noch längst nicht lohnen, nachdem er ihr in der Finanzkrise vor fast fünf Jahren mit 18 Milliarden Euro zu Hilfe geeilt war. Dazu müsste die Aktie auf 26 Euro steigen. "Der Vorstand arbeitet darauf hin", sagte LBBW-Analyst Ingo Frommen. "Aber bis dahin ist es noch lang."

Commerzbank plus Dresdner Bank gleich Commerzbank

Die besonders riskanten Teile der "Bad Bank" machten Ende September noch acht Milliarden Euro aus, sagte Finanzchef Engels. Ende 2012 seien es noch mehr als 14 Milliarden gewesen. "Das zeigt, dass in der Sparte nicht toxische, sondern nicht-strategische Aktiva gebündelt sind, die für Käufer durchaus interessant sind." Der Handel mit faulen Krediten ist zuletzt in Schwung gekommen, vor allem Hedgefonds greifen zu und spekulieren dabei auf Schnäppchen. Insgesamt ist die Commerzbank mit 593 Milliarden Euro Bilanzsumme inzwischen kleiner als vor der Übernahme der Dresdner Bank vor fünf Jahren. Auch die Bilanzrisiken sind kleiner als damals, obwohl die Regeln dafür deutlich verschärft wurden. Analyst Dirk Becker von Kepler Cheuvreux reicht das nicht: "Die Krise ist erst vorbei, wenn Banken nicht mehr dafür gefeiert werden, die Bilanz verkleinert zu haben", sagte er Reuters.

Der bevorstehende Stresstest und die Bilanzprüfung der Europäischen Zentralbank (EZB) macht dem Finanzvorstand wenig Kopfzerbrechen. Vor zwei Jahren hatten die Aufseher bei der Commerzbank in einem Krisenszenario ein Bilanzloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht. Die heutige harte Kernkapitalquote von elf Prozent nach EZB-Maßstäben stelle ein Polster von sechs bis sieben Milliarden Euro dar, rechnete Engels vor. "Ich fühle mich ausreichend gut gepuffert." Acht Prozent muss die Bank bei dem Bilanz-TÜV mindestens vorweisen.

Deutsche Mittelständler wollen keine Kredite

2013 sieht die Commerzbank als Übergangsjahr. Der Umbau im Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft trägt noch keine zählbaren Früchte, auch wenn in diesem Jahr in den Filialen und bei der Online-Tochter Comdirect 180.000 Kunden angelockt wurden. Doch diese bringen erst nach 8 bis 14 Monaten Gewinne. "Der Weg ist lang, aber wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Engels. Die Mittelständler nutzen derzeit nur die Hälfte der Kreditlinien. "Erst 2014 dürfte die unternehmerische Investitionstätigkeit der Kreditnachfrage wieder moderate Impulse geben", heißt es im Quartalsbericht. Mit Großkunden im Ausland lief es besser. Operativ halbierte sich der Gewinn im dritten Quartal aber auf 103 Millionen Euro, im vierten Quartal werde er noch geringer ausfallen, sagte die Bank voraus.

Unter dem Strich blieb nach neun Monaten ein Gewinn von 26 Millionen Euro - vor einem Jahr waren es fast 700 Millionen gewesen. Der Stellenabbau in den Filialen und der Verkauf eines Pakets riskanter britischer Hypothekenkredite verschlangen aber allein 650 Millionen Euro. "Ich gehe fest davon aus, dass 2014 besser wird als 2013", sagte Engels. "Werden wir 2014 den Gipfel schon erreichen? Nein, das ist für 2016 vorgesehen."

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