Commerzbank – Geduld ist eine Tugend, die die Märkte nicht besitzen

Commerzbank – Geduld ist eine Tugend, die die Märkte nicht besitzen

Der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ist die Geduld schon jetzt ausgegangen. Der Umbau der zweitgrößten deutschen Bank werde "komplexer und zeitraubender sein als gedacht", urteilten die Kreditanalysten und drohten Blessing kurzerhand mit einer Herabstufung.

Tatsächlich wird er auf der Bilanzpressekonferenz am Freitag keine schnellen Erfolge in Aussicht stellen können. Die neue Filialstruktur wird frühestens Ende des Jahres stehen, und bis die Mitarbeiter mit einer verbesserten IT arbeiten können, wird es noch länger dauern.

Die Verhandlungen über den geplanten Abbau von 4000 bis 6000 Arbeitsplätzen haben noch nicht einmal begonnen, nachdem der Betriebsrat die Pläne von Privatkundenvorstand Martin Zielke für "nicht verhandlungsfähig" erklärt hat. Die Bank will eigentlich im Februar mit den Verhandlungen loslegen. Doch die Fronten seien "sehr verhärtet", sagte Gesamtbetriebsratschef Uwe Tschäge dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Nur auf informeller Basis wird zurzeit gesprochen. "Wir warten erst einmal auf einen neuen Vorschlag", sagte Mark Roach, der für die Gewerkschaft Verdi im Commerzbank-Aufsichtsrat sitzt, der Nachrichtenagentur Reuters. "Was auf dem Tisch liegt, ist ein völlig falscher Ansatz."

Vor allem die Ideen für das Privatkundengeschäft sind Verdi und dem Betriebsrat ein Dorn im Auge. Allein in den Filialen seien 3400 von 12.000 Stellen in Gefahr, 1800 wolle Zielke noch in diesem Jahr abbauen, trotz des Kündigungsschutzes, der erst zum Jahresende ausläuft. Ob es noch mehr werden müssen, soll laut Roach davon abhängen, ob sich die zusätzlichen Erträge einstellen, die sich Zielke erhofft. Doch das ist für Verdi die Quadratur des Kreises: "Die Commerzbank hat kein Kostenproblem, sondern sie macht zu wenig Erträge", sagte Roach. Mit Kostensenkungen um eine Milliarde auf sieben Milliarden Euro hat sie ihr Ziel für 2012 übererfüllt. "Und dann spricht man von 30 Prozent Überkapazitäten im Vertrieb - das passt nicht zusammen. Ich weiß nicht, wie man die Filialen mit weniger Personal länger öffnen wird", sagte Roach. Schon jetzt sei die Personaldecke so dünn, dass Filialen schließen müssten, wenn Mitarbeiter krank seien.

JPMorgan: Erst 2015 geht es aufwärts

Analyst Jaime Becerril von JP Morgan hat wenig Hoffnung, dass sich die Träume von einem besseren Filialgeschäft rasch erfüllen. 600 Millionen Euro mehr Erträge, wie Zielke im November versprochen hat - "das wird ohne Wachstum des Kreditgeschäfts schwierig", schrieb Becerril in seiner Analyse vom Dienstag. Rund eine Million neue Kunden - "nein". Neue Konkurrenten, die auf den deutschen Markt drängen, drücken auf die Renditen. 2013 werde der Gewinn im Privatkundengeschäft auf 50 Millionen Euro sinken - wobei der Analyst nur 200 Millionen Euro an Kosten für den Stellenabbau in dem Bereich eingerechnet hat. Konzernweit hat die Bank eine halbe Milliarde dafür zurückgestellt. Erst 2015 wird es laut JP Morgan aufwärtsgehen. "Die Kosten können immer noch gesenkt werden. Die Bank hat eine der höchsten Aufwands-Ertrags-Quoten in Europa."

Und auch das Mittelstandsgeschäft, in den vergangenen Jahren das Rückgrat der Bank, dürfte leiden. "2013 wird herausfordernd. Der deutsche Mittelstand ist nicht immun", stellte JP Morgan fest. Für den Konzern hat die US-Investmentbank erst einmal ihre Gewinnprognosen für die Jahre 2012 bis 2014 im Schnitt um zwei Drittel gekürzt, für dieses Jahr erwartet sie 733 Millionen Euro Nettogewinn. Das Kursziel hat Analyst Becerril auf 1,50 Euro von 2,40 Euro gesenkt. Chancen auf schnelle Erfolge sieht er allenfalls durch einen "radikalen" Abbau des riesigen Bestandes an Immobilien- und Schiffskrediten - allerdings müsste sich dazu die Konjunktur in Europa erholen.

Eine Frage der Geduld

Wie viel Geduld Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller mit dem Vorstand um Martin Blessing noch hat, darüber wird seit einem Interview in der "WirtschaftsWoche" gerätselt. "Eines ist klar: Wenn der Vorstand seine Ziele ohne sehr triftigen Grund verfehlt und die erwartete Leistung nicht bringt, muss der Aufsichtsrat handeln", hatte Blessings Vorgänger als Vorstandschef da gesagt. Doch gleichzeitig stellte Müller klar: Die Ziele bis 2016 seien gemeint - und das kann Blessing wenig schrecken: Sein Vertrag läuft bis: 2016.

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