Commerzbank – Einstieg in den Staatsausstieg

Commerzbank – Einstieg in den Staatsausstieg

Gut vier Jahre nach der Rettung der zweitgrößten Bank Deutschlands lässt der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin die Beteiligung an der Commerzbank erstmals unter 25 Prozent fallen.

Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen Stillen Einlagen des SoFFin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen schwere Finanzspritze der Allianz. Diese hatte der Versicherer der Commerzbank als Mitgift bei der Übernahme der Dresdner Bank gegeben. "Die Rückzahlung der Stillen Einlage und die Verringerung des Aktienanteils sind für uns der Einstieg in den Ausstieg bei der Commerzbank", sagte SoFFin-Chef Christopher Pleister.

Wenn das Maßnahmenbündel wie geplant in die Tat umgesetzt wird, sinkt der Anteil des Bundes auf weniger als 20 Prozent. Damit gibt er erstmals seine Sperrminorität auf, die der Commerzbank das ungeliebte Etikett "teilverstaatlicht" beschert hatte. An der Börse kam der Befreiungsschlag nicht gut an. Die Titel fielen um mehr als 14 Prozent auf 1,20 Euro, den niedrigsten Stand seit sieben Monaten. Anleger sehen einer weiteren massiven Verwässerung der Papiere ins Auge, wenn sie die Kapitalerhöhung nicht zeichnen. Die ganze Bank ist an der Börse 7,2 Milliarden Euro wert.

Das Bundesfinanzministerium erklärte, mit dem Schritt könne die Commerzbank neue Investoren gewinnen und das Vertrauen in ihr Geschäftsmodell weiter stärken. Dies komme am Ende auch den Steuerzahlern zugute. "Die Mittelfristplanung des Vorstands stimmt uns hinsichtlich des verbliebenen Engagements zuversichtlich", sagte Pleister. Damit der Bund ohne Verlust aus seinem Engagement herauskommt, müsste sich der Commerzbank-Kurs beinahe verdreifachen. Die Bank befindet sich seit Herbst in einem tiefgreifenden Umbau vor allem im Filialgeschäft, der bis 2016 abgeschlossen werden soll.

"Mit der vollständigen Rückführung der Stillen Einlagen des SoFFin zahlen wir schneller als geplant all jene Bestandteile der staatlichen Unterstützung zurück, die wir selbst ablösen können", sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing. Zugleich steige mit der Kapitalerhöhung die Eigenkapitalquote nach den künftigen schärferen Standards (Basel III) um einen Prozentpunkt auf 8,6 Prozent. Stille Einlagen werden nach den neuen Regeln nur noch bis 2016 als hartes Kernkapital anerkannt. Blessing hatte Mitte Februar gesagt, die Bank werde noch zwei bis drei Jahre brauchen, um nach dem strengen Basel-III-Standard auf eine Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen. Nun soll es schon Ende 2014 so weit sein. Die Mindest-Kapitalausstattung liegt künftig bei sieben Prozent der Bilanzrisiken, von national oder weltweit systemrelevanten Banken verlangen die Aufseher bis zu neun Prozent.

Coba lockt mit schneller Wiederaufnahme der Dividende

Finanzvorstand Stephan Engels lockte die Aktionäre mit der Aussicht auf eine schnellere Wiederaufnahme der Dividende. Mit der vorzeitigen Rückzahlung der Stillen Einlage fallen für die Bank auch die fälligen Zinsen in Höhe von neun Prozent darauf weg. Für 2012 hatte sie aus dem Gewinn erstmals die 150 Millionen Euro gezahlt. Der SoFFin lässt sich für die vorzeitige Ablösung mit 60 Millionen Euro entschädigen.

Den Startschuss für die Kapitalerhöhung soll eine auf den 19. April vorgezogene Hauptversammlung geben. Von Mitte Mai bis Anfang Juni können die Commerzbank-Aktionäre die neuen Papiere zeichnen. Dann werden zunächst die dem Bund zustehenden Papiere im Volumen von 625 Millionen Euro auf den Markt geworfen. Die Deutsche Bank, die Citi und HSBC haben garantiert, dass sich die Aktien auch am Markt platzieren lassen. Noch vorher will die Commerzbank aus je zehn Aktien eine machen. Durch die elf Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung vor zwei Jahren hatte sich die Zahl der Commerzbank-Papiere auf 5,8 Milliarden vervielfacht - das ist mehr als bei jedem anderen börsennotierten Unternehmen in Deutschland. Der Aktienkurs dürfte damit wieder zweistellig werden.

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