Commerzbank – jeder zehnte Arbeitsplatz wackelt

Commerzbank – jeder zehnte Arbeitsplatz wackelt

Zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag, der Vorstand der Commerzbank habe sich mit den Arbeitnehmervertretern in einer Klausurtagung grundsätzlich auf einen Stellenabbau geeinigt. Im Umfeld der Bank wurde eine Zahl von konzernweit mehr als 5000 Jobs genannt, die gestrichen werden sollen. In Arbeitnehmerkreisen wurde das als "deutlich zu hoch" bezeichnet.

"Diese Zahl ist uns unerklärlich", sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi. "Das führt nur zur Verunsicherung der Belegschaft. Uns ist unklar, welche Strategie dahinter steckt." In den Verhandlungen war es allerdings nur um das Kerngeschäft in Deutschland gegangen, in dem 41.000 der 54.000 Mitarbeiter der Bank beschäftigt sind. Für die Hypothekenbank Frankfurt (früher Eurohypo), die in den nächsten Jahren abgewickelt werden soll, hatte sich die Commerzbank bereits zu Jahresbeginn auf den Abbau von 500 Arbeitsplätzen verständigt - das ist die Hälfte der Belegschaft dort.

Wie viele Stellen tatsächlich wegfallen werden, steht möglicherweise erst im kommenden Jahr fest. Denn Personalvorstand Ulrich Sieber hatte vor Beginn der Gespräche fast die Hälfte des Stellenabbaus im Privatkundengeschäft vom Erfolg des Umbaus in der Sparte abhängig gemacht. Das "Handelsblatt" berichtete, es werde keine der 1200 Filialen geschlossen.

Nach Siebers "Grundsatzerklärung" sollten bis Ende 2015 dort zunächst nur 1800 von insgesamt 12.000 Stellen abgebaut werden. Die Streichung weiterer 1600 Arbeitsplätze sollte davon abhängen, wie erfolgreich der Umbau im Filialgeschäft läuft, der im Herbst beginnt. Das soll sich bis Ende 2014 abzeichnen. Wenn die ersten 600 Mitarbeiter in Deutschland noch in diesem Jahr die Bank verlassen, wollte die Commerzbank bis Ende 2014 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten, ein Jahr länger als vereinbart, hatte es damals geheißen.

Mit den Stellenstreichungen reagiert die Commerzbank auf die schwachen Renditen im Privatkundengeschäft, das unter den Dauer- Niedrigzinsen leidet, und in anderen Bereichen. Zudem soll damit Geld eingespart werden, das in die umfassende Modernisierung der zweitgrößten deutschen Bank gesteckt werden soll. Zunächst wird der Arbeitsplatzabbau aber eine halbe Milliarde Euro kosten.

Entscheidung am Mittwoch

Die Beschlüsse müssen noch dem Gesamtbetriebsrat vorgelegt werden, der am Mittwoch darüber befinden soll. Die Commerzbank und die Gewerkschaft Verdi wollten sich vorher nicht dazu äußern. Aufsichtsratsmitglied Mark Roach, der für Verdi die Verhandlungen begleitet, hatte kürzlich die Hoffnung geäußert, der Stellenabbau werde sich auf weniger als 4000 begrenzen lassen.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Arbeitnehmer einem Abbau von 4000 oder mehr Stellen zustimmen können", hatte Roach vor Beginn der fünftägigen Verhandlungen in einem Hotel bei Bonn gesagt. Nach Berechnungen von Verdi könnten bis zu 3000 Stellen durch natürliche Fluktuation - also Verrentung oder freiwillige Kündigungen - abgebaut werden, wenn sich die Bank lange genug Zeit lasse. Sieber hatte versprochen, Kündigungen "weitestgehend zu vermeiden". Die Commerzbank hatte erklärt, die Grundzüge des Stellenabbaus sollten bis zum Sommer klar sein.

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