Commerzbank – 2013 ist verloren

Commerzbank – 2013 ist verloren

Eine halbe Milliarde Euro Kosten für den Abbau von mehr als 5000 Stellen und der verlustträchtige Verkauf des Geschäfts mit gewerblichen Immobilienfinanzierungen in Großbritannien führten zu einem Verlust von 51 Millionen Euro, wie die Commerzbank am Donnerstag mitteilte.

Ein Jahr zuvor hatte sie noch 625 Millionen Euro Gewinn geschrieben. Im zweiten Quartal erzielte die Commerzbank einen Mini-Gewinn von 43 (Vorjahr: 270) Millionen Euro und verfehlte die Erwartungen der von Reuters befragten Analysten. Das Kerngeschäft mit dem deutschen Mittelstand lahmt, nur im Privatkundengeschäft sind erste Erfolge des Umbaus sichtbar.

"Wir nehmen im Übergangsjahr 2013 in Kauf, dass einzelne Maßnahmen mit einmaligem Restrukturierungsaufwand oder höherer Risikovorsorge verbunden sind", erklärte Vorstandschef Martin Blessing. "Damit schaffen wir die Basis, um die Profitabilität der Bank künftig weiter zu verbessern." Die Commerzbank sei auf dem richtigen Weg.

Blessing geht für dieses Jahr nun aber von höheren Abschreibungen auf faule Kredite aus als 2012. Damals hatte die Bank 1,7 Milliarden Euro abgeschrieben. Grund seien neben dem beschleunigten Verkauf unerwünschter Portfolien "Einzelfälle" im Kerngeschäft. Bisher hatte Blessing für 2013 eine nur leicht steigende Risikovorsorge erwartet. Allein im zweiten Quartal wurden 537 (404) Millionen Euro neue Kreditausfälle verbucht.

"In Summe halten wir es für die zweite Jahreshälfte und auch für das Gesamtjahr wahrscheinlich, dass der Ertragsdruck aus Niedrigzinsumfeld, saisonalen Effekten sowie aus der ansteigenden Risikovorsorge die Erfolge aus der angestoßenen Weiterentwicklung unseres Geschäftsmodells überdecken werden", hieß es im Zwischenbericht. Die Kernkapitalquote der Bank lag Ende Juni mit 8,4 Prozent nach dem künftigen Basel-III-Standard unter den Ansprüchen des Kapitalmarktes, erst Ende 2014 sollen es neun Prozent werden.

LBBW-Analyst Ingo Frommen sagte: "Die insgesamt schwierige Situation der Commerzbank sehen wir bestätigt. Das zweite Halbjahr und wohl auch 2014 werden herausfordernd für das Management." Vorbörslich stieg die Commerzbank-Aktie dennoch um 2,6 Prozent.

Im Mittelpunkt des Konzernumbaus steht das Geschäft mit den elf Millionen Privatkunden. Die Commerzbank habe in den ersten sechs Monaten 100.000 Kunden gewonnen - bis 2016 sollen es eine Million werden. Das Wertpapiergeschäft und die Baufinanzierung sorgten im zweiten Quartal für einen höheren operativen Gewinn in der Sparte. Dagegen brach das Ergebnis der Mittelstandsbank - sonst ein verlässlicher Gewinnbringer - von April bis Juni wegen einer steigenden Risikovorsorge um 44 Prozent ein. Dagegen profitierte das Kapitalmarktgeschäft von der besseren Stimmung an den Börsen.

Keine höheren Risiken in der Schiffsfinanzierung

Die radikalen Aufräumarbeiten der Commerzbank hinterlassen tiefe Spuren in der internen "Bad Bank". Die Abbaueinheit schrieb allein im zweiten Quartal einen Vorsteuerverlust von 387 Millionen Euro, wie das Institut am Donnerstag mitteilte. Vor einem Jahr lag das Minus noch bei 161 Millionen, zu Jahresbeginn bei 86 Millionen. Dass es jetzt so weit nach unten ging, hatte mehrere Ursachen: In der gewerblichen Immobilienfinanzierung musste mehr Geld für faule Kredite zur Seite gelegt werden, beim Verkauf von Portfolios nahm die Bank Verluste in Kauf und in der Staats- und Kommunalfinanzierung gab es außerplanmäßige Abschreibungen etwa in den USA. Relativ stabil entwickelte sich dagegen das Schiffsportfolio.

Die Commerzbank hatte im Juli den Verkauf ihres milliardenschweren Hypothekengeschäfts in Großbritannien - Überreste der liquidierten Tochter Eurohypo - angekündigt. Weil leicht unter Buchwert verkauft wurde, fielen im zweiten Quartal Belastungen von 134 Millionen Euro an. Hinzu kam die Pleite der amerikanischen Autometropole Detroit, wo die Commerzbank engagiert ist und weshalb sie nun Wertberichtigungen auf ihr Engagement vornehmen musste. Die genaue Höhe der Belastungen geht aus dem Zwischenbericht nicht hervor, auch nicht, wieviel schon früher abgeschrieben wurde. Nach früheren Angaben aus Finanzkreisen handelt es sich insgesamt um Kredite über rund 400 Millionen Dollar (rund 310 Millionen Euro), die vor allem von der ehemaligen Eurohypo (heute Hypothekenbank Frankfurt ) an die Stadt geflossen sind.

Die beschleunigten Aufräumarbeiten haben aber auch etwas Gutes: Die "Bad Bank" schrumpft schneller als ursprünglich geplant - im ersten Halbjahr um zehn Prozent auf 136 Milliarden Euro, wobei der Hypotheken-Verkauf in Großbritannien noch gar nicht eingerechnet ist. Ende 2016 soll das Volumen der Abbau-Einheit nun bei deutlich unter 90 Milliarden Euro liegen, bislang waren 93 Milliarden angepeilt.

Weil der Abbau schneller als erwartet vorangehe, will sich die Bank von den beiden für die "Bad Bank" zuständigen Vorständen Ulrich Sieber und Jochen Klösges Aufsichtsratskreisen zufolge trennen. Damit soll der Vorstand auf sieben Mitglieder schrumpfen. Noch wird aber über Abfindungen verhandelt. Wer sich künftig um die Sparte kümmern soll, ließ der Aufsichtsrat nach der Sitzung am Mittwoch offen.

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