Chinas Außenhandel unerwartet schwach

Chinas Außenhandel unerwartet schwach

Die Exporte aus der zweitgrößten Volkswirtschaft wuchsen im Mai so langsam wie seit fast einem Jahr nicht mehr, während die Importe überraschend schrumpften.

Die Ausfuhren in die USA und die EU - die beiden wichtigsten Handelspartner Chinas - fielen sogar den dritten Monat in Folge. "Die Daten spiegeln eine schleppende Nachfrage sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland wider", sagte Volkswirt Shen Lan von der britischen Bank Standard Chartered in Shanghai. Zuletzt hatten sich die Hinweise verdichtet, dass China als Lokomotive der Weltwirtschaft an Zugkraft verliert. Der IWF und die OECD kappten Ende Mai ihre Wachstumsprognosen für das Land.

Die Ausfuhren stiegen binnen Jahresfrist nur noch um ein Prozent. Experten hatten mit einem Plus von 7,3 Prozent gerechnet. Im April hatten die Exporte noch um 14,7 Prozent zugelegt. Allerdings machten sich in den neuen Zahlen auch die verschärften Finanzkontrollen bemerkbar. Denn spekulative Kapitalflüsse sollen das Exportvolumen in den vergangenen Monaten auf zweistellige Zuwachsraten aufgebläht haben. Die Einfuhren fielen sogar um 0,3 Prozent. Hier hatten Analysten einen Anstieg um sechs Prozent erwartet. Die Exporte in die USA gingen um 1,6 Prozent zurück, in die Europäische Union exportierte China 9,7 Prozent weniger. Ein Lichtblick zeichnete sich dagegen bei wichtigen Rohstoffen ab. Hiervon importierte China dank günstiger Weltmarktpreise mehr als im vergangenen Monat, was auf eine robuste Nachfrage aus der Industrie deutet.

Wegen der mauen Weltwirtschaft hatten der Internationale Währungsfonds und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kürzlich ihre Wachstumsprognosen für China gesenkt. Vor allem die Aussichten für die chinesischen Exporte trübten sich nach Einschätzung des IWF ein. Er kappte seine Wachstumsprognose auf 7,75 von 8,00 Prozent. Die OECD nahm ihre Schätzung auf 7,8 von 8,5 Prozent zurück. Damit rechnet die Industriestaaten-Organisation damit, dass die chinesische Wirtschaft nur noch in dem gleichen Tempo wächst wie 2012, als das Plus so schwach war wie seit 13 Jahren nicht mehr. Die neue Führung in Peking peilt ein Wachstum von 7,5 Prozent an. China braucht solch für Europa hoch anmutenden Wachstumsraten auch, um Jobs für das jährlich auf den Arbeitsmarkt drängende Millionenheer zu schaffen und soziale Unruhen zu vermeiden.

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