China senkt die Zinsen und pusht die Börsen

China senkt die Zinsen und pusht die Börsen

Die Aktienmärkte reagierten erleichtertund mit kräftigen Kursgewinnen auf den Konjunkturimpuls der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, mit dem kaum ein Experte noch in diesem Jahr gerechnet hatte.

"Die Zinssenkung ist ein probates Mittel, um die Konjunktur wieder anzuschieben. Die chinesische Wirtschaft wird nach einem schwachen Sommer wieder schneller wachsen", sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank.

Die überraschende Zinssenkung sorgte auch für Jubel an der Wall Street. Der Schritt schürte Hoffnungen, dass andere Zentralbanken dem Vorbild der Volksrepublik folgen könnten, um der Weltwirtschaft neuen Schwung zu geben. "Es ist ein weiterer Hinweis, dass die Leitzinsen überall sinken. Das sollte der Wirtschaft auf die Beine helfen und gut für die Aktien sein", sagte Analyst Peter Cardillo von Rockwell Global Capital.

Die weltweit einflussreichste Zentralbank, die US-amerikanische Fed, betreibt bereits eine Nullzinspolitik. Sie hat allerdings zuletzt Signale ausgesendet, dass sie angesichts der schleppenden wirtschaftlichen Erholung für weitere Konjunkturspritzen bereitsteht. Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihr Pulver zwar noch trocken, hat aber zumindest die Tür für eine Senkung des rekordniedrigen Zinssatzes von einem Prozent offengelassen. "Angesichts der drohenden Rezession ist eine Zinssenkung im Juli wahrscheinlich", sagte Ökonom Schulz.

Die EZB könnte nach Ansicht von Experten bei größeren Turbulenzen um Griechenland und Spanien in der Euro-Krise recht bald in Zugzwang geraten. Die Folgen der Krise haben in Zeiten der Globalisierung bereits China erfasst: Denn der Exportweltmeister leidet unter den Problemen in der EU, seinem wichtigsten Absatzmarkt.

Neben der Leitzinssenkung kappte die chinesischen Notenbank PBOC auch den Einlagezins um einen Viertelprozentpunkt auf 3,25 Prozent. Zugleich sorgte die Notenbank in dem staatlich regulierten Bankengeschäft für etwas mehr Flexibilität: Bislang war es den Instituten verboten, bei Einlagezinsen über das von der Zentralbank vorgegeben Niveau hinauszugehen. Mit der Reform dürfen sie nun 110 Prozent des von der PBOC vorgegebenen Satzes anbieten. Zugleich wurde die Zins-Obergrenze bei der Vergabe neuer Kredite auf 80 Prozent des Leitzinses verringert. Bislang lag diese Grenze bei 90 Prozent. "Das ist ein erster Schritt hin zur Zinsliberalisierung, und es kommt den Haushalten zugute", sagte Ökonom Qinwei Wang von Capital Economics in London. Der letzte Zinsschritt liegt fast ein Jahr zurück: Der Leitzins wurde im Juli 2011 um einen Viertelprozentpunkt auf 6,56 Prozent erhöht.

Niedrigstes Wachstum seit 1999

Damals versuchte die kommunistische Führung, eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern und die Inflation im Zaum zu halten. Zuletzt haben sich allerdings die Anzeichen für eine spürbare Konjunkturabkühlung verstärkt. Der Einkaufsmanager-Index für große Industrieunternehmen fiel im Mai überraschend auf ein Jahrestief. Noch schlechter steht es um Chinas mittelständische Industrie. Deren Einkaufsmanager-Index signalisiert bereits seit sieben Monaten schrumpfende Geschäfte. Für das Gesamtjahr sagen Ökonomen ein Wirtschaftswachstum von 8,2 Prozent voraus. Das wäre der schwächste Anstieg seit 1999. Für zahlreiche deutsche Unternehmen ist China inzwischen der wichtigste Kunde, etwa für Volkswagen und Porsche.

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