Carlos Slim: "Die Armut wird nicht durch Gaben beseitigt"

Carlos Slim: "Die Armut wird nicht durch Gaben beseitigt"

262 Millionen Mobilfunkkunden hat er schon in Lateinamerika - vielleicht kommen ja demnächst mehr als 24 Millionen in Deutschland dazu. Der mexikanische Multimilliardär Carlos Slim will das niederländische Telekommunikationsunternehmen KPN kaufen, den Mutterkonzern des drittgrößten deutschen Handyanbieters E-Plus. Von einem Verkauf von E-Plus, wie ihn KPN plant, hält Slim angeblich nichts.

In Österreich ist er schon dick im Geschäft. 22,76 Prozent hält er offiziell direkt und indirekt am Marktführer Telekom Austria, Ende September könnte er versuchen den Anteil auszubauen. Im Aufsichtsrat sitzt für den Mexikaner der österreichische Manager Ronny Pecik.

Der 73-Jährige Slim mit dem grauen Bart und der Stirnglatze ist mit einem Vermögen von über 70 Milliarden Dollar laut "Forbes" der reichste Mann der Welt, und im Telekommunikationsgeschäft kennt er sich aus: Es hat ihn nach ganz oben gebracht.

Am Anfang war Telmex

In den 90er Jahren legte Slim den Grundstein für seinen Reichtum, als er die mexikanische Telefongesellschaft Telmex kaufte, die - am Rande der Pleite - vom damaligen Präsidenten Carlos Salinas privatisiert wurde. Vor allem der Handy-Boom machte Slim zu dem, was er heute ist. Die Pfeiler seines Imperiums sind der mexikanische Mobilfunker Telcel und der Mobilfunkriese América Móvil, mit 262 Millionen Kunden in ganz Lateinamerika einer der größten Konzerne der Welt.

Vertreten ist der Milliardär aber in allen Branchen der mexikanischen Wirtschaft: Industrie, Versicherungen, Immobilien, Bau, Bergbau, Zigaretten, Hotels. Die meisten Unternehmen kaufte Slim in den 80er und 90er Jahren auf, als Mexikos Wirtschaft am Boden lag. Sein Geschäftsgebaren gilt vielen im Land als aggressiv. So sagen Kritiker, Slim habe sich Telmex durch Intrigen zu einem Preis weit unter Marktwert gesichert. Sein Beinahe-Monopol in der Branche nutze er schamlos aus.

Slim dagegen erklärt sein Vermögen mit seiner Lust am Investieren: "Wer nicht investiert, aus welchem Grund auch immer, aus Angst, aus Vorsicht, egal, aus welchem Motiv - der geht zurück", sagte er vor rund zwei Jahren. Wer ihm Marktbeherrschung und Monopolbildung im Telekommunikationsmarkt vorwerfe, der hätte besser selbst investiert, als sich die Chance bot.

Kein Weihnachtsmann

Slim ist der typische Geschäftsmann, der sich nach ganz oben gearbeitet hat. Sein Vater kam als Einwanderer 1902 aus dem Libanon nach Mexiko und hatte anfangs einen Laden in der Hauptstadt. Der Legende nach machte der kleine Carlos schon früh Geschäfte - im Alter von zehn Jahren soll er seinen Familienmitgliedern schon Süßigkeiten und Getränke verkauft haben. In den 60er Jahren nahm er ein Studium zum Ingenieur auf, bevor er an der Börse zu arbeiten begann. Bis heute führt er sein Imperium eher wie ein Familienunternehmen.

Überzogene Eitelkeit oder gar Luxuswahn werden ihm nicht vorgeworfen: Er zahlt sich selbst ein bescheidenes Jahresgehalt, fährt einen Pick-up und liebt Baseball. Sein Geld gibt er vor allem für Kunst aus. Im März 2011 eröffnete er mit großem Pomp das Museum Soumaya - benannt nach seiner 1999 verstorbenen Frau - das mehr als 60.000 Kunstschätze beherbergt - von Rodin, Greco, Murillo, Rubens, Monet, Renoir und Degas. Der Eintritt ist frei.

Wohltätigkeit hingegen ist nicht unbedingt seine Sache: "Die Armut wird nicht durch Gaben beseitigt", sagte er laut "Forbes" einmal. Firmen aufzubauen bringe der Gesellschaft mehr als "herumzulaufen wie der Weihnachtsmann."

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