Carl Icahn hält Apple für "extrem unterbewertet" und steigt groß ein

Carl Icahn hält Apple für "extrem unterbewertet" und steigt groß ein

Denn der für sein aggressives Finanzgebaren bekannte US-Milliardär Carl Icahn hat sich überraschend mit einem "großen Anteil" bei Apple eingekauft und will sich beim Management nun für eine Aufstockung des ohnehin schon umfangreichen Aktienrückkaufprogramms stark machen.

Er halte das Unternehmen an der Börse für extrem unterbewertet, erklärte der Großinvestor, der derzeit beim schwächelnden Computerkonzern Dell die Übernahmepläne des Firmengründers torpediert. Er habe darüber bereits mit Apple-Chef Tim Cook gesprochen. Der Icahn-Einstieg zeigte an der Börse sofort Wirkung: Die Apple-Aktie schloss am Dienstagabend fast fünf Prozent höher.

"Ich hatte heute eine nette Unterhaltung mit Tim Cook. Wir haben über meine Ansicht diskutiert, dass sofort ein größerer Aktienrückkauf in Angriff genommen werden sollte", erklärte Icahn auf Twitter. Weitere Gespräche seien in Kürze geplant. Apple bestätigte lediglich, dass es ein Gespräch gegeben habe. "Wir schätzen das Interesse und das Investment all unserer Aktionäre", hieß es.

Die Nachricht hievte den Apple-Kurs auf den höchsten Schlussstand seit sieben Monaten. Mit rund 490 Dollar liegt er aber noch immer mehr als 30 Prozent unter seinem Rekordhoch von gut 700 Dollar aus dem vergangenen September. Apple setzten zuletzt die wachsende Konkurrenz und schrumpfende Margen zu. Bei Smartphones hat der südkoreanische Rivale Samsung das Unternehmen mit dem Apfel-Logo bereits überholt. Zudem vermissten die Anleger bei dem erfolgsverwöhnten Unternehmen aus Kalifornien die alte Innovationskraft, mit der Cooks Vorgänger Steve Jobs den Handy- und den Computer-Markt revolutionierte.

Icahn redet den Apple-Kurs hoch und profitiert selbst

Er gehe davon aus, dass die Apple-Aktie wieder auf 700 Dollar steigen könne, sagte Icahn in einem Reuters-Interview. Unter Börsianern schürten die Äußerungen die Hoffnung, dass der Konzern einen größeren Teil seines gigantischen Bargeldbestandes von knapp 147 Milliarden Dollar an die Aktionäre weiterreichen könnte. Unter dem Druck anderer Investoren wie dem Hedgefonds-Manager David Einhorn hat Apple in diesem Jahr bereits die Auszahlungen deutlich erhöht. Im April kündigte das Management an, bis Ende 2015 rund 100 Milliarden Dollar an Anteilseigner auszuschütten und damit doppelt soviel wie zuvor geplant. Dies soll über eine Erhöhung der Dividende und eine Versechsfachung des Aktienrückkaufprogramms auf 60 Milliarden Dollar geschehen. Icahn meint aber, dass Apple einen Aktienrückkauf im Umfang von 150 Milliarden Dollar stemmen könne, weil der Konzern günstige Kredite aufnehme könne.

Der Milliardär, der für sein Interesse an kurzfristigen Aktiengewinnen bekannt ist, machte keine Angaben dazu, wie viele Apple-Papiere er besitzt. Mit der Sache vertraute Personen sagten jedoch, Icahns Anteil sei rund eine Milliarde Dollar wert. Dies wäre zwar nur ein Bruchteil des Apple-Marktwertes von 425 Milliarden Dollar. Das Paket würde Icahn aber lukrative Gewinnaussichten bieten, sollte sich der Apple-Kurs tatsächlich wieder zu Rekordhöhen aufschwingen.

Icahn und seine Methoden sind umstritten

Unter Experten sind die Absichten Icahns umstritten. Zwar könnte sein Einstieg dazu beitragen, den jüngsten Aufwärtstrend der Aktie zu verstärken. "Er ist ein Schwergewicht unter den Investoren, der das Aktienkaufprogramm vorantreiben kann", sagte Morningstar-Analyst Brian Collelo. Zuletzt hatten Anleger auf die Vorstellung neuer Apple-Produkte wie ein günstigeres iPhone-Modell, eine Computer-Armbanduhr oder ein TV-Gerät gesetzt.

Es gibt aber auch Analysten, die das Drängen Icahns kritisch sehen. Das Aktienrückkaufprogramm sei erst kürzlich erhöht worden und keineswegs zu gering, sagte Daniel Ernst von Hudson Squar Research. Angesichts des Gewinnrückgangs im abgelaufenen Quartal von 22 Prozent trotz iPhone-Verkäufen in Rekordhöhe seien Produktinnovation und Profitabilität die eigentlichen Top-Prioritäten.

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