Bundeskartellamt mischt sich in die Fusion von E-Plus und o2 ein

Bundeskartellamt mischt sich in die Fusion von E-Plus und o2 ein

Das Bundeskartellamt will den Fall an sich ziehen und die angestrebte Ehe der Nummer drei und vier auf dem deutschen Mobilfunkmarkt gründlich unter die Lupe nehmen.

"Dass ein solcher Zusammenschluss erhebliche Folgen für den Wettbewerb hätte und in all seinen Facetten genau geprüft werden muss, liegt auf der Hand", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe).

Gleichzeitig droht der Fusion, mit der o2 und E-Plus zum neuen Marktführer aufsteigen wollen, noch von anderer Seite Ungemach. Die niederländische E-Plus Mutter KPN ist mittlerweile selbst zum Übernahmeziel geworden, seitdem der mexikanische Telekom-Krösus Carlos Slim mit gut sieben Milliarden Euro winkt, um den Konzern komplett zu schlucken. Die Finanzierung dafür stehe nun, teilte Slim über seinen Konzern America Movil mit. Der Vorstoß hat Gewicht, da Slim bereits knapp 30 Prozent der KPN-Titel gehören. Auslöser für den Schlagabtausch war der Beschluss von KPN im Juli, E-Plus zu verkaufen, ohne den mexikanischen Großaktionär an Bord zu holen.

Eine Frage der Fristen

Zum Showdown zwischen den Kontrahenten kommt es am 2. Oktober, denn dann entscheiden die KPN-Aktionäre in Den Haag über den Verkauf von E-Plus. Abstimmen dürften aber lediglich Anteilseigner, die am 4. September KPN-Titel halten, teilte der Konzern mit. Der baldige Termin ist mit Absicht gewählt, da Slim bis dahin die KPN-Übernahme nicht abschließen kann. Derzeit liegt noch kein offizielles Angebot vor. Und selbst wenn das auf dem Tisch liegt, folgt noch eine Annahmefrist von mehreren Wochen. America Movil hatte Anfang August 2,40 Euro je KPN-Aktie in Aussicht gestellt - der Preis kommt einem Aufschlag von 35 Prozent über dem Durchschnittskurs der vorherigen 30 Tage gleich. Die KPN-Papiere legten am Mittwoch an der Amsterdamer Börse um zwei Prozent auf 2,27 Euro zu.

Der spanische Telekom-Riese Telefonica hatte vor einem Monat angekündigt, über seine deutsche Tochter - bekannt unter der Marke "o2" - den Rivalen E-Plus für acht Milliarden Euro zu schlucken. Slim hält das Angebot für zu niedrig. Zusammen würden die beiden Anbieter, die bislang weit abgeschlagen hinter der Telekom und Vodafone rangieren, in Deutschland zum Marktführer mit mehr als 40 Millionen Kunden aufsteigen.

Kartellamt will Prüfung nach Deutschland holen

Ganz überraschend kommt der Schlagabtausch zwischen Slim und Telefonica nicht. America Movil und Telefonica sind in vielen Ländern Lateinamerikas Rivalen und kämpfen dort mit harten Bandagen um die Vorherrschaft. Zusammen kontrollieren die Kontrahenten 60 Prozent des dortigen Mobilfunkmarkts. Der 73-jährige Slim führt die "Forbes"-Liste der Superreichen mit einem Vermögen von 73 Milliarden Dollar an.

Offen ist die Frage, ob die Kartellprüfung in Deutschland stattfindet oder bei der EU landet. "Sollte Telefonica Deutschland den Zusammenschluss mit E-Plus anmelden, gehört der Fall aus unserer Sicht eindeutig nach Bonn. Andere EU-Länder können keine Blaupause für dieses Fusionskontrollverfahren liefern. Es kommt allein auf die Marktverhältnisse in Deutschland an", sagte Mundt dazu in der "FAZ".

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