Brunello Cucinelli – vom Maschinenbaustudenten zum Milliardär

Brunello Cucinelli – vom Maschinenbaustudenten zum Milliardär

Brunello Cucinelli hat gut lachen: Der 59-jährige Gründer des nach ihm benannten Luxuslabels, ist mit seinen im Hochpreissegment positionierten Strickwaren zum Milliardär geworden. Angesichts der weltweit hohen Nachfrage nach Luxusartikeln steht es auch weiterhin gut um die Wachstumsaussichten seines Unternehmens.

Der Wert der Strickwaren-Marke Brunello Cucinelli hat sich seit dem Börsengang in Mailand im April letzten Jahres mehr als verdoppelt. Damit kommt Cucinelli auf ein Nettovermögen von mindestens 1 Milliarde Dollar, zeigt der Bloomberg Billionaires Index. Der Italiener tauchte bisher noch nie auf einer internationalen Liste der Reichen auf.

“Von Anfang an haben wir auf einen positiven und leichten Börsengang gehofft”, sagt Cucinelli im Telefoninterview. “Anleger schätzen unsere Qualität, unsere Positionierung im absoluten Luxusmarkt und unsere italienische Herkunft.”

Das im italienischen Solomeo ansässige Unternehmen verkauft Wildlederjacken für 3500 Euro und Kaschmir-Cardigans für 1500 Euro. Im vergangenen Jahr konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 16 Prozent auf 280 Millionen Euro steigern. Für das laufende Jahr wird ein Umsatzwachstum im “mäßigen zweistelligen” Bereich in Aussicht gestellt.

“Es gibt nur wenige Luxusmarken, die eine preisliche Positionierung wie Cucinelli rechtfertigen können”, schrieb Goldman-Sachs-Analyst William Hutchings in einer Analyse. “Design, Geschichte, Qualität, Verarbeitung und Herkunft - alles unterstützt seine Preisstellung. Außerdem ist das Unternehmen gut positioniert, um von der weltweit steigenden Nachfrage nach qualitativ hochwertigen und authentischen Luxusprodukten zu profitieren.”

Unternehmensgründung mit 430 Euro

Das Unternehmen gründete der ehemalige Maschinenbaustudent - der sein Studium abgebrochen hat -im Jahr 1978 mit lediglich einer halben Million Italienische Lira (etwa 430 Euro). Seine farbenfrohen Kaschmirpullover stießen auf eine rege Nachfrage, so dass er seinen Betrieb 1987 in ein umgebautes Schloss aus dem 14. Jahrhundert in Solomeo verlegte. Das auf einem Hügel gelegene mittelalterliche Dorf befindet sich östlich von Rom in der italienischen Provinz Umbrien.
“Es handelt sich um schicke, sportliche Kleidung, bei der die Qualität der Endverarbeitung sehr hoch ist”, erklärt Armando Branchini, Gründer des Luxusberaters Intercorporate mit Sitz in Mailand, in einem Telefoninterview. “Cucinelli bietet Couture-Verarbeitung, Eleganz und Raffinesse - und man kann es als Freizeitmode tragen.”

Cucinellis Unternehmensbeteiligung beläuft sich auf 63 Prozent und kommt auf einen Wert von 947 Millionen Dollar. Bei dem Börsengang vor etwas über einem Jahr sammelte er mehr als 70 Millionen Euro ein. Der Milliardär hält seine eigenen Aktien über die in Solomeo ansässige Holdinggesellschaft Fedone Srl.

Beim ihrem Handelsdebut im Mailand kletterten die Cucinelli-Aktien um 50 Prozent. Die Anleger wollten 17 Mal so viele Aktien kaufen wie beim Börsengang verfügbar waren, hatte Bloomberg im April 2012 berichtet. Die Titel der Modemarke haben dieses Jahr 27,6 Prozent zugelegt. Der Marktwert des Unternehmens liegt bei 1,16 Milliarden Euro.

Markt für Luxusartikel boomt

Cucinelli gesellt sich zu den neuen Designer-Milliardären wie Tory und Chris Burch sowie Alberto Prada Bianchi und Marina Prada Bianchi hinzu. Alle haben vom Boom des Luxusmarktes profitiert, der den Wert ihrer Modeketten angekurbelt hat.

Der Bloomberg European Luxury Goods Index, zu dessen neun Unternehmen auch die britische Burberry Group und das deutsche Modelabel Hugo Boss zählen, ist in diesem Jahr um 13 Prozent gestiegen.

Dass es den Unternehmen der Luxusbranche gut geht, beweist dieser Tage auch der Schweizer Luxusgüterhersteller Richemont , der seine Aktionäre im fünften Jahr in Folge mit einer zweistelligen Erhöhung der Dividende erfreut.

Das Beratungsunternehmen Bain & Co. in Boston schrieb in seinem Jahresbericht zum Luxusgütermarkt, dass die Verkäufe von Bekleidung, Accessoires, Kosmetika und Düften im vergangenen Jahr um 10 Prozent auf 270 Milliarden Dollar gestiegen sind. Für 2013 bis 2015 wird ein jährliches Wachstum zwischen vier und sechs Prozent erwartet.

“Wir wollen auf eine Art und Weise wachsen, die die Exklusivität der Marke schützt”, sagt Cucinelli. “Das können wir definitiv schaffen. Die Welt ist groß. Derzeit exportieren wir in 59 Länder, in fünf Jahren werden wir wahrscheinlich in 70 Länder liefern.”

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